Ta­ge der Ent­schei­dung beim Al­ten­heim

Trä­ger­ver­eins­vor­sit­zen­der Wolf­gang Oechs­le: Wol­len nicht als Schuld­ner dar­ge­stellt wer­den

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ju­li­an Zach­mann

Rem­chin­gen. Ei­gen­be­trieb oder Trä­ger­ver­ein? Wie es in we­ni­ger als zwei Wo­chen mit dem Rem­chin­ger Al­ten­pfle­ge­heim wei­ter­geht, dar­über füh­ren Ver­tre­ter des ei­gent­lich auf Jah­res­en­de ge­kün­dig­ten Trä­ger­ver­eins und der Ge­mein­de­ver­wal­tung am heu­ti­gen Mon­tag und in den kom­men­den Ta­gen ent­schei­den­de Ge­sprä­che. Wenn es zu kei­ner Ei­ni­gung kommt, se­hen sich die bei­den Par­tei­en am Don­ners­tag­mor­gen vor Ge­richt wie­der. Die Hür­den sind hoch, doch der Hoff­nungs­fun­ke auf ei­ne güt­li­che Ei­ni­gung ist kurz vor Weih­nach­ten nicht er­lo­schen: Bür­ger­meis­ter Lu­ca Wil­helm Prayon sprach – wie be­rich­tet – ver­gan­ge­ne Wo­che von „gro­ßen Schrit­ten“, die die Ge­mein­de auf den Trä­ger­ver­ein zu­ge­kom­men sei, im­mer­hin kön­ne man sich vor­stel­len, die­sem un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen wei­ter­hin die Trä­ger­schaft zu über­las­sen. Auch Prayons Amts­vor­gän­ger Wolf­gang Oechs­le, der wei­ter als ge­schäfts­füh­ren­der Vor­sit­zen­der des Trä­ger­ver­eins agiert, nach­dem die Wah­len für die­ses Amt An­fang 2016 nicht zu­stan­de ka­men, ist op­ti­mis­tisch. Das er­klär­te er am Frei­tag­abend bei ei­ner Ver­samm­lung des et­wa 80-köp­fi­gen Freun­des­krei­ses, den er vor ei­nem Jahr im Zu­ge der Kün­di­gung ge­grün­det hat­te: „Wir wol­len Frie­den und wol­len nicht, dass es bis zum Pro­zess kommt – da­für sind wir be­reit, Op­fer zu brin­gen.“Weil der Ver­ein drin­gend auf ei­ne ra­sche­re Er­wei­te­rung der An­la­ge ge­pocht hat­te, da er im Zu­ge der Heim­bau­ver­ord­nung den Weg­fall von 30 wich­ti­gen Plät­zen in Zwei­bett­zim­mern be­fürch­tet, ha­be sich das Kli­ma zwi­schen­durch sehr ver­schlech­tert: „Aber das wol­len wir wie­der hin­be­kom­men.“Es sei ihm ein in­ne­res An­lie­gen, in der Al­ten­heim­de­bat­te zu ei­nem ge­mein­sam stim­mi­gen En­de zu kom­men, er­klär­te Oechs­le, der zu­sam­men mit sei­nem Vi­ze Lo­renz Pra­ef­cke und ei­ni­gen wei­te­ren Ver­wal­tungs­rats­mit­glie­dern zum En­de des Jah­res sein Amt nie­der­le­gen möch­te. Als Nach­fol­ger kön­ne er sich an der Spit­ze des Trä­ger­ver­eins Bür­ger­meis­ter Prayon vor­stel­len, an zwei­ter Stel­le ein neu­es, neu­tra­les Mit­glied und ei­ne lang­jäh­rig er­fah­re­ne Ver­wal­tungs­rä­tin. Auch der Heim­lei­ter wer­de in ab­seh­ba­rer Zeit ge­hen: „Wir wol­len in Frie­den das Haus ver­las­sen.“

Was steht ei­ner güt­li­chen Ei­ni­gung al­so noch im We­ge? Es sind die Pacht­zah­lung des Ver­eins an die Ge­mein­de. Wäh­rend näm­lich die Ge­mein­de mit ih­rer Aus­le­gung der Miet­ver­trags­klau­seln dem Ver­ein rund ei­ne hal­be Mil­li­on Eu­ro Schul­den an­krei­det, sieht sich der Ver­ein seit 1992 rund 2,9 Mil­lio­nen Eu­ro in Über­zah­lung, wie Oechs­le zu­sam­men mit Rechts­an­walt Michael Rohl­fing de­tail­liert vor­rech­ne­te. Des­halb hat­te der Ver­ein die Wei­ter­zah­lung zu­nächst ein­ge­stellt. „In der Zeit ha­ben wir mehr Pacht be­zahlt als die Ge­mein­de das Haus ge­kos­tet hat. Ich will nicht sa­gen, dass die Pacht für ein so an­sehn­li­ches Ge­bäu­de zu hoch wä­re“, er­klär­te Oechs­le, aber so lau­te der Ver­trag eben.

Er räum­te gleich­zei­tig ein, jah­re­lang selbst die Über­zah­lung nicht be­merkt zu ha­ben. Des­halb po­che er nicht stur aufs Recht­ha­ben: „Wir wol­len nur nicht als Schuld­ner dar­ge­stellt wer­den.“In den Ver­hand­lun­gen wol­le sich Oechs­le da­für ein­set­zen, dass die Geld­dif­fe­ren­zen di­rekt in ei­nen Er­wei­te­rungs­bau flie­ßen. Die Ge­mein­de hat da­für ab 2019 drei Mil­lio­nen Eu­ro im In­ves­ti­ti­ons­pro­gramm ste­hen, die Pla­nun­gen lau­fen be­reits.

Und wenn es doch zu kei­ner Ei­ni­gung kommt und das Heim Ei­gen­be­trieb wird? Dann sol­le der Trä­ger­ver­ein mit sei­nem rest­li­chen Ver­mö­gen wei­ter­be­ste­hen, zum Selbst­schutz. Für den Freun­des­kreis des Trä­ger­ver­eins wähl­ten die Mit­glie­der ein­stim­mig Ger­hard Kurz aus Nöt­tin­gen zum Vor­sit­zen­den.

Ger­hard Kurz neu­er Freun­des­kreis-Vor­sit­zen­der

AUF EI­NE EI­NI­GUNG MIT DER GE­MEIN­DE hof­fen der Trä­ger­ver­eins­vor­sit­zen­de Wolf­gang Oechs­le (Zwei­ter von links), Rechts­an­walt Michael Rohl­fing, Vor­stands­vi­ze Lo­renz Pra­ef­cke und der neue Vor­sit­zen­de des Freun­des­krei­ses, Ger­hard Kurz (links). Foto: Zach­mann

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