Zu den gros­sen Va­rie­té­stars

Pre­mie­re der „Win­ter­träu­me“im Kul­tur­haus Os­ter­feld macht al­le glück­lich

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

bei den „Win­ter­träu­men“zäh­len dies­mal Lou­is-Marc Bru­neau und Ca­mil­le Trem­blay als Duo Hand 2 Stand aus Qu­e­bec (Foto: Wa­cker). Sie sind noch bis ein­schließ­lich 7. Ja­nu­ar im Kul­tur­haus Os­ter­feld zu er­le­ben.

„Herz­lich will­kom­men auf den Mit­mach­plät­zen“, be­grüßt Mo­de­ra­tor Da­ni­el Reins­berg das Pre­mie­ren­pu­bli­kum der „Win­ter­träu­me“. Zu­schau­er in der ers­ten Rei­he im gro­ßen Saal des Kul­tur­hau­ses Os­ter­feld ah­nen, was ih­nen im Lau­fe des zwei­ein­halb­stün­di­gen, vom Pforz­hei­mer Ku­ri­er prä­sen­tier­ten Va­rie­té­thea­ters blü­hen kann. Ei­ne vi­su­el­le Denk­spiel­auf­ga­be, in­klu­si­ve op­ti­scher Täu­schung hat der Con­fé­ren­cier ver­spro­chen. Er hält ein gel­bes, ver­kno­te­tes Seil in die Hö­he. Und da hat Ste­fan schon sei­nen ers­ten Ein­satz. Den Zu­schau­er, der flugs zum Mit­spie­ler wird, weist Da­ni­el Reins­berg an, „das gel­be Band der Sym­pa­thie“zu fi­xie­ren, „mit je­dem Au­ge ein En­de.“Der irr­wit­zig ver­kno­te­te Strick drif­tet im­mer wei­ter aus­ein­an­der und kein „Sil­ber­blick“die­ser Welt könn­te ihm da noch fol­gen.

Was dann kommt, ist so un­be­schreib­lich schön, dass es die Ge­fahr birgt, die fol­gen­den Num­mern in den Schat­ten zu stel­len. Wie klei­ne Bu­ben auf ei­ner Spiel­wie­se ent­fa­chen An­dré und Leo die Kraft ei­nes über­di­men­sio­na­len Hu­la-Ho­op-Rei­fens, des­sen Schwung sie selbst mit­reißt. Im Rad geht es in al­le Rich­tun­gen mit dem bel­gisch­fran­zö­si­schen Duo, mal als Bei­fah­rer, mal als Len­ker ei­nes krei­sen­den Kunst­werks, das jetzt im­mer schnel­ler über die Büh­ne rollt. Die Ar­tis­ten dre­hen sich um die eigene Ach­se, sau­sen im Ring kopf­über da­hin, len­ken ihn über Kreuz. Sie durch­sprin­gen ihn, ei­ner klam­mert sich an den Part­ner, und dann spa­zie­ren sie ein­fach mal ge­müt­lich durch den Rei­fen hin­durch.

Die Zu­schau­er to­ben, vom Charme und Kön­nen der bei­den glei­cher­ma­ßen über­wäl­tigt. Sie sind es gleich wie­der: Der ers­te Hö­he­punkt des Abends war „nur“Auf­takt in ei­ner Ket­te wei­te­rer Knal­ler. Ar­tis­tin Eli­sa­beth win­det sich über ih­ren Köp­fen in ei­nem Tuch nach oben. Die Fal­ten des Tuchs le­gen sich wie Ban­da­gen um ih­ren ge­schmei­di­gen Kör­per. Dann wie­der schwebt sie fast frei in der Luft, am Hin­ter­kopf ge­hal­ten von ei­ner Schlau­fe. Ei­ne Schreck­se­kun­de müs­sen die Zu­schau­er im aus­ver­kauf­ten Haus über­ste­hen, als Eli­sa­beth plötz­lich kopf­über Rich­tung Bo­den stürzt, be­vor sie sich si­cher mit den Fü­ßen fängt.

Zauberkünstlerin Ami­la holt sich für ein Paar­ex­pe­ri­ment auf die Büh­ne – Ste­fan. Ein ge­frag­ter Mann an die­sem Abend. Und der bringt sei­ne Con­stan­ze mit. Mit ge­schlos­se­nen Au­gen sit­zen sie auf Stüh­len. Ami­la stupst Con­stan­ze am Hand­ge­lenk. „Be­rührt“füh­len sich bei­de. Ami­la streicht Ste­fan mit ei­ner Fe­der übers Ge­sicht. Auch Con­stan­ze fühlt den Hauch. Was die Men­tal­ma­gie­rin be­wei­sen woll­te, es funk­tio­niert: Zwei Men­schen, ein Ge­fühl. Seit wie viel Jah­ren sind die bei­den ver­hei­ra­tet? Ste­fan blickt zu Con­stan­ze: 21 Jah­re. „Gut, dass mei­ne Frau das wuss­te“, wird Ste­fan Um­lauf spä­ter nach der Vor­stel­lung la­chend sa­gen.

Atem­be­rau­bend sind die Fi­gu­ren, die das ka­na­di­sche Duo Azel­le am dop­pel­ten Luftring als „Fa­cet­ten ei­ner Freund­schaft“tanzt. Über­aus zart wie ar­tis­tisch voll­endet ist ein ly­ri­scher Kraft­akt vom Duo Hand 2 Stand in ei­ner Show, die man­che Zu­schau­er noch groß­ar­ti­ger fan­den als in Vor­jah­ren. Das ist auch ein Ver­dienst von Mo­de­ra­tor Reins­berg, der als Bauch­red­ner mit Wa­sch­lap­pen und ei­nem sin­gen­den Pin­gu­in ur­ko­mi­sche Ak­zen­te setzt. Ei­ne Ver­an­stal­tung sei ge­lun­gen, wenn al­le Be­tei­lig­ten mit gu­tem Ge­fühl raus­ge­hen, sagt „Win­ter­träu­me“-Re­gis­seur Jan van Au­bel – Ak­teu­re, Ver­an­stal­ter und Zu­schau­er. Die an­fangs noch auf­ge­reg­te Kul­tur­haus-Che­fin Ma­ria Ochs ist je­den­falls be­geis­tert von ih­rer per­sön­li­chen „Win­ter­träu­meP­re­mie­re“. Als Er­satz für den aus­ge­fal­le­nen Rad-Akro­ba­ten Max Pou­lin hat sich Seil­tän­ze­rin Sa­rah Lin­der­may­er har­mo­nisch ins glän­zend auf­ge­leg­te En­sem­ble ein­ge­fügt. Ne­ben den Stars auf der Büh­ne sind auch die Hel­den aus dem Pu­bli­kum glück­lich. Dau­er­mit­spie­ler Ste­fan darf ein Ma­ri­lyn Mon­roe-Ge­mäl­de mit heim­neh­men, das die Ma­gie­rin beim Le­sen sei­ner Ge­dan­ken auf ei­ne Lein­wand fa­bri­ziert hat. Clau­dia Kraus

Ste­fan wird zum Hel­den des Abends

KUNST AM RING in dop­pel­ter Aus­füh­rung zei­gen die ka­na­di­schen Ar­tis­tin­nen vom Duo Azel­le.

Fotos: Wa­cker

WER LENKT HIER WEN oder was? Im Ring ken­nen die bei­den Char­me­bol­zen vom Duo An­dré Leo kei­ne Gren­zen. Ihr Dreh­drang be­rei­tet dem Pu­bli­kum ei­nen Hei­den­spaß.

MIT TUCH, CHARME UND ELE­GANZ tanzt Eli­sa­beth über den Köp­fen der Zu­schau­er im Kul­tur­haus Os­ter­feld.

MA­GIE­RIN AMI­LA fin­det her­aus, dass Ste­fan und Con­stan­ze Um­lauf ei­ne sym­bio­ti­sche Zwei­er­be­zie­hung ha­ben.

AUCH WA­SCH­LAP­PEN ha­ben ein lo­ses Mund­werk, wie Mo­de­ra­tor und Bauch­red­ner Da­ni­el Reins­berg fest­stellt.

LEI­SE RIESELN die Ein­ge­bun­gen auf den Mo­de­ra­tor nie­der.

EI­NEN DRAHTSEILAKT legt Sa­rah Lin­der­may­er hin.

IN DEN HÄN­DEN und Fü­ßen hat es Jon­gla­ge­künst­ler Do­ni­al Kalex.

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