Last­wa­gen rast in Ber­li­ner Weih­nachts­markt

Min­des­tens neun To­te und zahl­rei­che Ver­letz­te / Ge­ne­ral­bun­des­an­walt über­nimmt Er­mitt­lun­gen

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE -

Berlin/Karls­ru­he (dpa/BNN). Bei ei­nem An­schlag mit ei­nem Last­wa­gen auf ei­nen Weih­nachts­markt an der Ge­dächt­nis­kir­che in Berlin sind ges­tern Abend min­des­tens neun Men­schen ge­tö­tet wor­den. Das teil­te die Po­li­zei mit. Nach An­ga­ben der Feu­er­wehr wur­den min­des­tens 50 Men­schen teils le­bens­ge­fähr­lich ver­letzt. Der schwar­ze Last­wa­gen mit pol­ni­schem Kenn­zei­chen war über den Geh­weg am Breit­scheid­platz ge­fah­ren und hat­te meh­re­re Bu­den zer­stört. Es han­delt sich um ei­nen Sat­tel­schlep­per mit sehr lan­gem Auf­lie­ger, wie ein Re­por­ter be­rich­te­te. Ein Po­li­zei­spre­cher sag­te, es hand­le sich ver­mut­lich um ei­nen An­schlag. Laut Ber­li­ner Po­li­zei wur­de ein Ver­däch­ti­ger fest­ge­nom­men.

Nach In­for­ma­tio­nen aus Berlin über­nimmt der Ge­ne­ral­bun­des­an­walt in Karls­ru­he die Er­mitt­lun­gen. Ge­ne­ral­bun­des­an­walt Pe­ter Frank über­neh­me den Fall, teil­te Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) ges­tern am spä­ten Abend über den Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter mit. Das Ber­li­ner Lan­des­kri­mi­nal­amt über­nahm die Er­mitt­lun­gen. Fest ste­he noch nichts, hieß es aus Ber­li­ner Si­cher­heits­krei­sen, aber vie­les spre­che für ei­ne is­la­mis­ti­sche Atta­cke.

Der Last­wa­gen fuhr nach Po­li­zei­an­ga­ben auf ei­ner Stre­cke von 50 bis 80 Me­tern über den Markt zwi­schen den Stän­den durch und ver­letz­te da­bei zahl­rei­che Men­schen. Der Last­wa­gen kam auf der Bu­da­pes­ter Stra­ße zu ste­hen. Der Fah­rer flüch­te­te zu­nächst Rich­tung Zoo. Der Sat­tel­schlep­per war vor­ne stark de­mo­liert und vor dem Hoch­haus des Wal­dorf-Asto­ria-Ho­tels ab­ge­stellt, wie ein Fo­to­graf be­rich­te­te. Dut­zen­de Ret­tungs­wa­gen und vie­le Po­li­zei­wa­gen wa­ren zum An­schlags­ort ge­eilt. Das Ge­län­de wur­de ab­ge­sperrt, Pas­san­ten durf­ten nicht mehr auf das Ge­län­de des Weih­nachts­markts. Ein Li­ve-Vi­deo auf der Face­book-Sei­te der „Ber­li­ner Mor­gen­post“zeig­te am spä­ten Abend zer­stör­te Bu­den auf dem Weih­nachts­markt an der Ber­li­ner Ge­dächt­nis­kir­che.

Bei ei­nem An­schlag im Ju­li in Niz­za wa­ren 86 Men­schen ums Le­ben ge­kom­men, als ein Ter­ro­rist mit ei­nem Last­wa­gen über die Ufer­pro­me­na­de der Mit­tel­meer­me­tro­po­le fuhr. Für den An­schlag hat­te die Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) die Ver­ant­wor­tung über­nom­men. Frank­reichs Au­ßen­mi­nis­ter Je­an-Marc Ay­rault re­agier­te ges­tern be­trof­fen auf die Mel­dung aus Berlin. „Ent­setzt von den Nach­rich­ten aus Berlin und voll­kom­men so­li­da­risch mit un­se­ren deut­schen Freun­den“, schrieb der Pa­ri­ser Chef­di­plo­mat auf Twit­ter. So­li­da­ri­täts­be­kun­dun­gen ka­men auch aus Niz­za. „Hor­ror in Berlin. Un­ter­stüt­zung für den Bür­ger­meis­ter von Berlin und das deut­sche Volk. Nie wie­der das“, er­klär­te der füh­ren­de kon­ser­va­ti­ve Re­gio­nal­po­li­ti­ker Chris­ti­an Estro­si.

Er­in­ne­run­gen an An­schlag in Niz­za wer­den wach

Ber­lins Bür­ger­meis­ter Micha­el Mül­ler (SPD) rief die Bür­ger nach der Schre­ckens­mel­dung zur Ru­he auf. Die Si­tua­ti­on sei un­ter Kon­trol­le, Kran­ken­häu­ser wie die Cha­rité sei dar­auf ein­ge­stellt, vie­le Ver­letz­te auf­zu­neh­men, sag­te Mül­ler im Rund­funk Berlin-Bran­den­burg. „Un­se­re Ge­dan­ken sind bei den Op­fern und Ver­letz­ten“, sag­te Mül­ler, der selbst zum An­schlags­ort ge­eilt war.

Auch die Po­li­zei ver­such­te, die Auf­re­gung zu dämp­fen. Der­zeit gibt es kei­ne Hin­wei­se auf wei­te­re ge­fähr­den­de Si­tua­tio­nen in der Ber­li­ner Ci­ty in der Nä­he des Breit­scheid­plat­zes, schrieb die Po­li­zei auf Twit­ter.

EU-Rats­prä­si­dent Do­nald Tusk hat Deutsch­land die Hil­fe der Eu­ro­päi­schen Uni­on an­ge­bo­ten. „Tief er­grif­fen von den Neu­ig­kei­ten von Weih­nachts­markt #Breit­scheid­platz. Mei­ne Ge­dan­ken sind mit den Op­fern. Eu­ro­pa ist be­reit zu hel­fen.“, er­klär­te Tusk eben­falls über Twit­ter.

Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en zeig­te ich ent­setzt. Wäh­rend ih­res Be­suchs im west­afri­ka­ni­schen Ma­li sprach sie von „be­stür­zen­den Nach­rich­ten“aus Deutsch­land. Sie be­fand sich auf ei­nem Emp­fang in der deut­schen Bot­schaft in Ba­ma­ko. Die Gäs­te bat von der Ley­en um ei­nen Mo­ment des Ge­den­kens für die Op­fer.

Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er (SPD) äu­ßer­te sich eben­falls ent­setzt. „Ich bin tief er­schüt­tert über die schreck­li­chen Nach­rich­ten von den Er­eig­nis­sen an der Ber­li­ner Ge­dächt­nis­kir­che.“Kommentar, Zeit­ge­sche­hen

EIN LAST­WA­GEN mit pol­ni­schem Kenn­zei­chen ras­te ges­tern Abend in die Bu­den ei­nes Ber­li­ner Weih­nachts­mark­tes an der Ge­dächt­nis­kir­che. Es gab meh­re­re To­des­op­fer und vie­le Ver­letz­te. Fo­to: dpa

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