Un­frie­den zum Fest

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - KLAUS GASS­NER

Ge­lös­te Stim­mung, ent­spann­te Ge­sprä­che, Vor­freu­de auf die kom­men­den Fei­er­ta­ge – die At­mo­sphä­re auf dem Weih­nachts­markt an der Ber­li­ner Ge­dächt­nis­kir­che wird ges­tern Abend ex­akt je­ner ge­gli­chen ha­ben, die sich über­all in Deutsch­land ver­brei­tet, wenn Bu­den­zau­ber im Lich­ter­glanz die Men­schen lockt. Wie per­fi­de, wenn der Tod just in ei­nem Mo­ment der Hei­ter­keit zu­schlägt, wie grau­sam, wenn Schre­cken und Grau­en Men­schen von ei­ner Se­kun­de zur nächs­ten aus ih­rer Un­be­küm­mert­heit rei­ßen.

Was auch im­mer sich als Wahr­heit hin­ter dem töd­li­chen Ge­sche­hen er­ge­ben wird, der Tod, der mit­ten im Her­zen der deut­schen Haupt­stadt war­te­te, wird sei­ne furcht­ba­re Wir­kung zei­gen: Das Weih­nachts­fest 2016 wird fort­an un­ter ei­nem blu­ti­gen Ein­druck ste­hen – nicht nur bei all je­nen Fa­mi­li­en, de­ren An­ge­hö­ri­ge,

Be­kann­te und Freun­de ges­tern Abend zu Op­fern wur­den.

Im christ­li­chen Sin­ne ist das Weih­nachts­fest der Be­ginn ei­ner Er­lö­sung der Men­schen aus den Zwän­gen und den Nö­ten al­les Ir­di­schen. Mit die­ser Bot­schaft hat das Christ­fest jahr­hun­der­te­lang auf die Men­schen ei­nen Zau­ber ge­legt, ein Zau­ber der Har­mo­nie und des Frie­dens. Je­ne ge­ra­de­zu na­iv an­mu­ten­de Ver­zau­be­rung ha­ben vie­le längst ver­lo­ren. Aber viel­leicht muss gera­de in ei­ner dunk­len St­un­de dar­an er­in­nert wer­den: Wer Weih­nach­ten ver­ste­hen will, darf nicht den Feh­ler ma­chen, al­le Wer­te von Men­sch­lich­keit und Ver­trau­en preis zu ge­ben, die die­sem Fest von je­her Fas­zi­na­ti­on ver­lie­hen ha­ben. Auch wenn es im An­ge­sicht des Lei­des schwer fällt: Hass und Ver­gel­tung ver­ra­ten eben­so das weih­nacht­li­che Ide­al wie ei­fern­de For­de­run­gen und wohl­fei­le Ap­pel­le.

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