„Das war ei­ne Ra­che für Sy­ri­en“

Töd­li­che Schüs­se auf Bot­schaf­ter in An­ka­ra

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - SI­CHER­HEITS­KRÄF­TE rie­gel­ten den Tat­ort weit­räu­mig ab. Fo­to: AFP

Mos­kau/An­ka­ra (dpa/AFP/BNN). Die Schüs­se tref­fen den rus­si­schen Di­plo­ma­ten von hin­ten. Bot­schaf­ter And­rej Kar­low er­öff­net in An­ka­ra gera­de ei­ne Aus­stel­lung „Russ­land, wie es von den Tür­ken ge­se­hen wird“, da bricht er am Red­ner­pult töd­lich ge­trof­fen zu­sam­men. Auf Vi­de­os ist zu se­hen, wie der At­ten­tä­ter im­mer wie­der „Al­la­hu Ak­bar“– Gott ist groß – ruft, wäh­rend Kar­low leb­los auf dem Bo­den liegt. Der Schüt­ze trägt An­zug und Kra­wat­te, kurz vor dem At­ten­tat stand er of­fen­bar in ei­ner Ecke des Rau­mes. Es läuft ei­ne Ka­me­ra, als Kar­low spricht. Das Vi­deo ver­brei­tet sich schnell im In­ter­net. Der At­ten­tä­ter be­zieht sich auf Sy­ri­en und Alep­po. Sei­ne Tat be­deu­tet ei­ne Be­las­tungs­pro­be für das rus­sisch-tür­ki­sche Ver­hält­nis, das sich nach mo­na­te­lan­gem bit­te­ren Streit gera­de erst wie­der nor­ma­li­siert hat.

In ers­ten Reaktionen be­hiel­ten aber selbst au­ßen­po­li­ti­sche Mos­kau­er Hitz­köp­fe die Ner­ven: Es wer­de kei­ne Ab­küh­lung in den Be­zie­hun­gen ge­ben, sag­te Leo­nid Sluz­ki, Vor­sit­zen­der des Au­ßen­aus­schus­ses in der Staats­du­ma. Russ­land hat sich mit sei­nem Mi­li­tär­ein­satz zu­guns­ten von Prä­si­dent Ba­schar al-As­sad, mit der gna­den­lo­sen Rück­er­obe­rung von Alep­po vie­le Fein­de ge­macht. „Das war ei­ne Ra­che an un­se­rem Land für Sy­ri­en und gleich­zei­tig ein Ver­such, Russ­land und die Tür­kei ge­gen­ein­an­der auf­zu­het­zen“, sag­te der Ver­tei­di­gungs­po­li­ti­ker Franz Klin­ze­witsch aus dem Par­la­mentsober­haus, dem Fö­de­ra­ti­ons­rat. Der An­schlag kam ei­nen Tag, be­vor Russ- land erst­mals in ei- nem neu­en For­mat die nächs­ten Schrit­te im Sy­ri­en-Krieg be­ra­ten will. In Mos­kau soll­ten sich die Au­ßen­mi­nis­ter und die Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter aus Russ­land, der Tür­kei und des Irans ver­sam­meln. Da­bei sind Russ­land und der Iran Ver­bün­de­te von As­sad, die Tür­kei soll den An­walt der sy­ri­schen Op­po­si­ti­on ge­ben.

Für den rus­si­schen Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row sind da­mit die Mäch­te mit tat­säch­li­chem Ein­fluss auf Sy­ri­en ver­sam­melt. Al­le drei Län­der kämp­fen mit grö­ße­ren Trup­pen­kon­tin­gen­ten in Sy­ri­en. Die USA als Kom­man­do­macht der in­ter­na­tio­na­len Ko­ali­ti­on blei­ben au­ßen vor, auch die Eu­ro­pä­er. Die­se Mög­lich­keit, die ei­ge­ne Macht zu de­mons­trie­ren, woll­te sich Mos­kau nicht ent­ge­hen las­sen. Die Drei­er­kon­fe­renz fin­det trotz des At­ten­tats statt.

Die Be­zie­hun­gen zwi­schen Russ­land und der Tür­kei hat­ten sich erst in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten von ei­ner schwe­ren Kri­se er­holt. Das tür­ki­sche Mi­li­tär hat­te im No­vem­ber 2015 ei­nen rus­si­schen Bom­ber im sy­ri­schen Grenz­ge­biet ab­ge­schos­sen. Mos­kau ant­wor­te­te mit har­ten Sank­tio­nen. Ein Brief des tür­ki­schen Staats­chefs Re­cep Tay­yip Er­do­gan an Kreml­chef Wla­di­mir Pu­tin im Ju­ni 2016 half, die Wo­gen zu glät­ten. Er­do­gan bat die Hin­ter­blie­be­nen des ge­tö­te­ten Pi­lo­ten um Ver­zei­hung. Der Kreml wer­te­te das als ei­ne of­fi­zi­el­le Ent­schul­di­gung.

Pu­tin kün­dig­te ges­tern nach der Er­mor­dung des Bot­schaf­ters ei­ne in­ten­si­ve Su­che nach den Draht­zie­hern an. „Wir müs­sen wis­sen, wer die Hand des Mör­ders führ­te“, sag­te er nach An­ga­ben der Agen­tur In­ter­fax.

Pu­tin kün­digt Su­che nach Draht­zie­hern an

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.