Auch Za­lan­do setzt auf Soft­ware aus Stu­ten­see

Die Ent­wick­ler der Fir­ma gax­sys brin­gen In­ter­net-Ver­sand und sta­tio­nä­ren Ein­zel­han­del zu­sam­men

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ekart Kin­kel

Stu­ten­see. Wenn es um die zu­künf­ti­ge Aus­rich­tung des Ein­zel­han­dels geht, re­det Phil­ipp Kan­nen­berg nicht lan­ge um den hei­ßen Brei her­um. „Der on­lineVer­sand­han­del ist ein knall­har­ter Ver­drän­gungs­wett­be­werb“, sagt der Ge­schäfts­füh­rer des In­ter­net­dienst­leis­ters gax­sys Gm­bH mit Ge­schäfts­sitz in Stu­ten­see, „und auch der klas­si­sche Ein­zel­han­del soll­te des­halb un­be­dingt im In­ter­net prä­sent sein.“

Um La­den­be­trei­ber den Ein­tritt in die vir­tu­el­le Ver­kaufs­welt zu er­leich­tern, ha­ben die Pro­gram­mie­rer von gax­sys ei­ne spe­zi­el­le Soft­ware ent­wi­ckelt. Da­mit kön­nen Kun­den ih­re Pro­duk­te auf ei­ner zen­tra­len In­ter­net­sei­te aus­wäh­len und be­stel­len. Die Be­stel­lung wird dann zur Be­ar­bei­tung an ei­nen Händ­ler in der nä­he­ren Um­ge­bung des Kun­den wei­ter­ge­lei­tet. Hat der Ver­käu­fer den ge­wünsch­ten Ar­ti­kel vor­rä­tig, kann er den Auf­trag in­ner­halb von ei­ner St­un­de per Maus­klick be­stä­ti­gen und ein Pa­ket­dienst­leis­ter küm­mert sich dann au­to­ma­tisch um den Ver­sand. „Für den Kun­den än­dert sich ei­gent­lich nichts“, so Kan­nen­berg, „aber die Ein­zel­händ­ler vor Ort kön­nen da­durch vom Boom des Ver­sand­han­dels im In­ter­net pro­fi­tie­ren.“

Ur­sprüng­lich wur­de die Soft­ware „gax-Sys­tems“für gro­ße Mar­ken­her­stel­ler zur bes­se­ren Steue­rung ih­res Ver­sand­han­dels ein­ge­rich­tet . „Vie­le Pro­du­zen­ten wol­len kei­nen ei­ge­nen Web-Shop be­trei­ben, weil sie sonst ih­ren Händ­lern das Was­ser ab­gra­ben“, so Kan­nen­berg. Aber auf der an­de­ren Sei­te feh­le den La­den­be­trei­bern oft­mals das tech­ni­sche Know-how zum Be­trei­ben ei­nes In­ter­net­ver­sands und da­mit auch die Reich­wei­te. Um die­sen „Ka­nal­kon­flikt“zu lö­sen und sich vom Preis­druck der gro­ßen In­ter­net­händ­ler wie Ama­zon zu be­frei­en, ver­trau­en be­reits meh­re­re nam­haf­te Mar­ken­pro­du­zen­ten wie der Le­der­wa­ren­her­stel­ler „Pi­card“, die Kin­der­schuh­fir­ma „Ri­cos­ta“oder Skistock­pro­du­zent „Le­ki“auf die IT-Lö­sun­gen aus dem Hau­se gax­sys.

Neu­es­ter Groß­kun­de ist der Ver­sand­haus­rie­se Za­lan­do, der „gax-Sys­tem“der­zeit im Rah­men ei­nes Pi­lot­pro­jekts mit 20 Ein­zel­händ­lern auf Herz und Nie­ren tes­tet. Die ers­te Pha­se ist da­bei laut Kan­nen­berg ein „Ver­suchs­la­bor“, denn da­bei wer­den auch Funk­tio­nen wie die Mög­lich­keit zum Um­tausch oder Ab­ho­lung vor Ort ge­tes­tet.

„Die vie­len Re­tou­ren sind im Ver­sand­han­del das größ­te Pro­blem“, weiß Kan­nen­berg. Durch ei­ne Ver­kür­zung der Lie­fer­we­ge sol­le die Ver­sand­lo­gis­tik op­ti­miert wer­den.

„Na­tür­lich hät­te Za­lan­do ei­ne sol­che Soft­ware auch al­lein ent­wi­ckeln kön­nen“, weiß Kan­nen­berg, „aber wir sind schon ei­ne Wei­le auf dem Markt und ha­ben be­reits sehr viel Ex­per­ten­wis­sen ge­sam­melt.“Be­reits 2008 wur­de die gax­sys Gm­bH als Toch­ter des Lo­gis­tik-Ex­per­ten Dr. Tho­mas und Part­ner zur Ent­wick­lung für in­no­va­ti­ve Lö­sun­gen für den E-Com­mer­ce aus der Tau­fe ge­ho­ben. Nach acht Jah­ren in Karls­ru­he er­folg­te im No­vem­ber der Um­zug in Bü­ros des neu­en Ge­schäfts­ge­bäu­des der Mut­ter­fir­ma in Stu­ten­see.

Auch für Ver­bän­de sei die gax­sys-Soft­ware ein pro­ba­tes Mit­tel zur Stär­kung der Ein­zel­händ­ler vor Ort, be­tont Kan­nen­berg, aber bis­her konn­te nur der Lauf­sport­ver­band „Run­1st“zum Ein­rich­ten ei­nes zen­tra­len Web-Shops mit rund 50 be­tei­lig­ten Ein­zel­händ­ler über­zeugt wer­den. „Bei Ver­bän­den dau­ert die Ent­schei­dungs­fin­dung eben oft ein we­nig län­ger“, kennt Kan­nen­berg die Mecha­nis­men der Bran­che, „aber gera­de im Zeit­al­ter der Di­gi­ta­li­sie­rung kann man da­bei sehr schnell von den Ent­wick­lun­gen über­holt wer­den.“Die Neu­aus­rich­tung des Ein­zel­han­dels ist laut Kan­nen­berg näm­lich schon längst im vol­len Gan­ge. Die Kun­den wür­den sich be­reits von zu Hau­se aus im In­ter­net, un­ter­wegs auf dem Smart­pho­ne und in den Städ­ten beim Schau­fens­ter­bum­meln über die neu­es­ten An­ge­bo­te in­for­mie­ren. Wer sei­ne Sa­chen ver­kau­fen wol­le, müs­se des­we­gen auf al­len Ka­nä­len prä­sent sein – denn nur we­gen der sprung­haft an­ge­stie­ge­nen Ver­triebs­mög­lich­kei­ten wer­den nach Kan­nen­bergs Ein­schät­zung nicht au­to­ma­tisch mehr Wa­ren ver­kauft. „Wer sich im De­zem­ber ei­ne neue Ski-Ja­cke kauft, braucht bis En­de des Win­ters kei­ne zwei­te mehr.“

UMWORBENER KON­SU­MENT: gax­sys aus Stu­ten­see hat bis­lang vor al­lem für gro­ße Mar­ken­her­stel­ler ge­ar­bei­tet, will aber auch für ei­ne bes­se­re Ver­zah­nung von On­line- und sta­tio­nä­rem Han­del die­nen. Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.