Mar­tin bleibt frak­ti­ons­los im Land­tag

Ex­per­te sieht für AfD kei­ne „To­ten­glo­cken“läu­ten

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO -

Stutt­gart (dpa/lsw). Nach dem Aus­tritt der Stutt­gar­ter Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Claudia Mar­tin aus der AfD sieht der Po­li­to­lo­ge Frank Brett­schnei­der die Par­tei zwar be­schä­digt, aber nicht am En­de. „Es wä­re zu früh, jetzt die To­ten­glo­cken der AfD zu läu­ten“, sag­te er mit Blick auf den Schritt der Po­li­ti­ke­rin und die Flü­gel­kämp­fe in­ner­halb der Par­tei. „Da­zu ist das Un­mut-Po­ten­zi­al un­ter den Wäh­lern ein­fach zu groß“, sag­te er. Brett­schnei­der mein­te, dass die Par­tei bei der Bun­des­tags­wahl im Herbst aus die­sem Po­ten­zi­al schöp­fen kön­ne. Die Ab­ge­ord­ne­te Mar­tin hat­te ih­ren Par­tei­aus­tritt mit ei­nem „Rechts­ruck“in der AfD be­grün­det.

For­de­run­gen ih­rer Par­tei, das Man­dat zu­rück­zu­ge­ben, lehn­te die Po­li­ti­ke­rin ab. Muss sie auch nicht. Ein Ab­ge­ord­ne­ter des Land­tags ver­liert mit dem Aus­tritt aus der Frak­ti­on zwar sei­ne Frak­ti­ons­mit­glied­schaft, aber nicht sei­ne Rechts­stel­lung als Ab­ge­ord­ne­ter, wie der Land­tag auf An­fra­ge mit­teil­te. Mor­gen wird die 46-Jäh­ri­ge bei der letz­ten Plenar­sit­zung des Jah­res erst­mals als Frak­ti­ons­lo­se im Plenum sit­zen. Wo sie ih­ren Platz fin­det, wird noch in der Land­tags­ver­wal­tung be­ra­ten. Mit dem Aus­tritt geht der Frak­ti­on Geld ver­lo­ren. Von Ja­nu­ar an sind es 1 721 Eu­ro pro Mo­nat vom Land­tag und 297 Eu­ro Op­po­si­ti­ons­zu­schlag. Mar­tin er­hält wei­ter ih­re Ab­ge­ord­ne­ten­di­ät. „Wir wer­den das nicht wei­ter ver­fol­gen“, sag­te Frak­ti­ons­chef Jörg Meu­then zur Wei­ge­rung der Ab­ge­ord­ne­ten, ihr Man­dat ab­zu­ge­ben. Mar­tin sei frei ge­wählt. Er warf ihr „Ver­trau­ens­bruch“vor. Zu­dem wies er den Vor­wurf des „Rechts­rucks“bei ihm per­sön­lich oder in der AfD ins­ge­samt als „schä­big“und links­po­pu­lis­tisch zu­rück. Bei­spie­le für Frak­ti­ons­lo­se in der His­to­rie des Land­tags sind der ehe­ma­li­ge SPD-Lan­des­chef Ul­rich Mau­rer und der Ex-Grü­ne Os­wald Metz­ger. Mau­rer schloss sich der Wahl­al­ter­na­ti­ve für Ar­beit und So­zia­le Ge­rech­tig­keit (WASG) und spä­te­ren Lin­ken an. Metz­ger trat der CDU bei. Der­zeit ge­hört mit Wolf­gang Ge­de­on ein wei­te­rer Ex-AfD-Ab­ge­ord­ne­ter als Frak­ti­ons­lo­ser dem Plenum an.

Bis­her sei vor al­lem der in­ne­re Scha­den für die AfD durch den Aus­tritt von Mar­tin er­heb­lich, sag­te Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler Brett­schnei­der. Die La­ge sei aber noch nicht ver­gleich­bar mit den Pi­ra­ten, die sich durch die Be­schäf­ti­gung mit sich selbst am En­de zer­legt hät­ten. Gleich­wohl sei die AfD im Süd­wes­ten in­zwi­schen we­ni­ger of­fen­siv als zu Be­ginn des Jah­res. Auch Brett­schnei­der sieht ei­nen „Rechts­ruck“bei der Par­tei. Meu­then ste­he in­zwi­schen fast al­lein da mit sei­ner Darstel­lung, dass die AfD kei­nen Kurs­wech­sel voll­zo­gen ha­be.

„In­ne­rer Scha­den durch Aus­tritt er­heb­lich“

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