Streit um Ur­he­ber­recht vo­r­erst bei­ge­legt

Hoch­schu­len dür­fen wei­ter­hin Un­ter­richts­ma­te­ria­li­en oh­ne Ein­zel­ver­gü­tung nut­zen

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Stutt­gart. Der Streit zwi­schen Hoch­schu­len und der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft (VG) Wort ist vo­r­erst ent­schärft. Auch im kom­men­de Jahr dür­fen Ma­te­ria­li­en für Vor­le­sun­gen und Se­mi­na­re di­gi­tal ver­brei­tet und ge­nutzt wer­den. Wie be­rich­tet, hat­te ein Rück­fall in ana­lo­ge Zei­ten ge­droht, nach­dem sich Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz, Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz und VG Wort nicht hat­ten ei­ni­gen kön­nen.

Jetzt hat man sich zu­min­dest auf ei­ne Über­gangs­frist bis zum Win­ter­se­mes­ter 2017 ge­ei­nigt. Bis da­hin wird die bis­lang prak­ti­zier­te pau­scha­le Ab­gel­tung der An­sprü­che der VG Wort fort­ge­setzt. Die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft kas­siert im Na­men der Au­to­ren Nut­zungs­ent­gel­te. Nach ei­nem Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts muss­te ein neu­es Ver­gü­tungs­mo­dell ge­fun­den wer­den. Im Ge­spräch ist seit­her die Nut­zung ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­ten Schrift­guts über ein ver­gleichs­wei­se kom­pli­zier­tes Ver­fah­ren: Mit­hil­fe ei­ner Ein­ga­be­mas­ke der VG Wort soll je­der Text ein­zeln er­fasst und mit 0,008 Eu­ro je Text­sei­te, Stu­dent und Se­mes­ter be­rech­net wer­den. Da dies er­heb­li­chen Ver­wal­tungs- und Per­so­nal­auf­wand nach sich zie­hen wür­de, tra­ten die Hoch­schu­len des Lan­des dem Rah­men­ver­trag nicht bei; zwei Stu­den­ten aus München star­te­ten gar ei­ne On­li­nePe­ti­ti­on un­ter dem Ti­tel „Stoppt die Ver­set­zung der Hoch­schu­len ins prä­di­gi­ta­le Zeit­al­ter!“Bis­her ha­ben mehr als 85 000 Un­ter­stüt­zer die Pe­ti­ti­on un­ter­schrie­ben.

Dies und die Blo­cka­de auch durch die ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Hoch­schu­len ha­ben of­fen­bar so­viel Druck er­zeugt, dass sich Rek­to­ren, Po­li­tik und VG Wort zu ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Lö­sung ver­pflich­tet ha­ben. Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin The­re­sia Bauer setz­te sich mit ei­ner Bun­des­rats­in­itia­ti­ve da­für ein, dass ei­ne EU-Richt­li­nie zum Ur­he­ber­recht nicht all­zu eng ge­fasst wird.

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