Raum­fül­len­der Har­fen­klang

Gut be­such­te Ma­ti­nee mit dem Vir­tuo­sen Xa­vier de Maist­re / Zau­ber­haft und tech­nisch an­spruchs­voll

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Wie nur we­ni­ge an­de­re In­stru­men­te ist die Har­fe bis heu­te mit Kli­schees be­haf­tet, so et­wa dem, sie sei das In­stru­ment zum Träu­men und Me­di­tie­ren, wer­de be­vor­zugt von Frau­en ge­spielt und ste­he im­mer et­was au­ßer­halb des Spek­trums an­de­rer klas­si­scher In­stru­men­te. Genau hier setzt das Wir­ken Xa­vier de Mais­tres an: Schon durch sei­ne groß ge­wach­se­ne, drah­ti­ge Er­schei­nung mit Kurz­haar­schnitt räumt er mit der Sicht­wei­se über das ver­meint­li­che „Frau­en­in­stru­ment“auf. Und durch sei­ne spiel­tech­ni­sche Vir­tuo­si­tät und Sou­ve­rä­ni­tät und die sti­lis­ti­sche Viel­falt sei­ner aus Ori­gi­nal­wer­ken wie auch Be­ar­bei­tun­gen be­ste­hen­den Kon­zert­pro­gram­me be­weist er, dass Har­fen­mu­sik weit mehr ist als nur wel­tent­rück­te, auf- und ab­per­len­de Glis­san­di und iri­sche Volks­mu­sik. Sei­ne gut be­such­te Sonn­tags­ma­ti­nee zum vier­ten Ad­vent im Fest­spiel­haus Ba­denBa­den er­öff­ne­te er mit drei gro­ßen Kon­zert­stü­cken in der Vir­tuo­sen­tra­di­ti­on der Ro­man­tik. Ähn­lich dem Kla­vier­ent­wi­ckel­te sich auch das Har­fen­spiel im Lau­fe des 19. Jahr­hun­derts hin zu ei­nem ho­hen tech­ni­schen Ni­veau und wur­de eben­so zum Aus­hän­ge­schild ge­ho­be­nen bür­ger­li­chen Selbst­ver­ständ­nis­ses.

Mit Mich­ail Glin­k­as Mo­zart-Va­ria­tio­nen Es-Dur, Franz Liszts Fas­sung des rus­si­schen Lie­des „Die Nach­ti­gall“so­wie der Fan­ta­sie „La Man­do­li­ne“des bri­ti­schen Har­fen­vir­tuo­sen und Kom­po­nis­ten Eli­as Pa­rish Al­vars stell­te de Maist­re ein­drück­lich un­ter Be­weis, dass er zu den füh­ren­den Har­fen­so­lis­ten der­zeit ge­hört und sich durch­aus et­wa mit Ni­ca­nor Za­ba­l­eta, dem be­rühm­ten, 1993 ver­stor­be­nen spa­ni­schen Har­fe­nis­ten, in ei­ne Rei­he stel­len lässt und es ver­steht, auch mit ei­ner ein­zel­nen Har­fe in ei­nem gro­ßen Saal raum­fül­lend zu agie­ren.

Prä­zi­ses Aus­spie­len or­na­men­ta­ler Fi­gu­ren und klein­glied­ri­ger Aus­zie­run­gen ließ sich im An­schluss in ei­ner Fan­ta­sie über The­men aus Tschai­kow­skis Oper „Eu­gen One­gin“be­wun­dern, aber auch in den schnel­len Pas­sa­gen aus Sme­ta­nas „Mol­dau“, die er in ei­ner leicht ge­kürz­ten, aber tech­nisch äu­ßerst an­spruchs­vol­len Har­fen­fas­sung dar­bot. Am zau­ber­haf­tes­ten wa­ren je­doch die Mo­men­te von Xa­vier de Mais­tres pia­no- und pia­nis­si­mo-Spiel: selbst bei ge­rings­ter Laut­stär­ke ließ sich je­der Ton glas­klar und rein ver­neh­men – die gro­ße Zahl er­käl­te­ter Zu­hö­rer schränk­te die­sen Ge­nuss durch zahl­rei­ches Hus­ten al­ler­dings ein.

Mit Ga­b­ri­el Fau­rés Har­fen-Im­promp­tu, De­bus­sys „Ar­a­bes­ken“und sei­nem be­rühm­ten „Clair de lu­ne“er­fuhr das Pro­gramm ei­ne schö­ne Abrun­dung, er­gänzt durch Fe­lix Go­de­f­ro­ids Va­ria­tio­nen über den „Kar­ne­val von Ve­ne­dig“als Zu­ga­be. -hd.

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