Leicht un­ter­kühlt

Meis­ter­kon­zert

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Der Ti­tel des jüngs­ten Karls­ru­her Meis­ter­kon­zerts, „Weih­nachts­gip­fel“, war eher dem Ter­min als dem Pro­gramm ge­wid­met, denn in dem rei­nen Tschai­kow­sky-Pro­gramm war von weih­nacht­li­cher Stim­mung nichts zu spü­ren. Drei po­pu­lä­re Stü­cke hat­ten der Di­ri­gent Hu­bert Sou­dant und die Deut­sche Staats­phil­har­mo­nie Rhein­lan­dP­falz ins Kon­zert­haus mit­ge­bracht, doch der Auf­takt ließ zu­nächst Schlim­mes er­war­ten. Pe­ter Il­jitsch Tschai­kow­skys „Sla­wi­scher Marsch“(op. 31) wur­de der­art lieb­los her­un­ter­ex­e­ku­tiert, dass au­ßer un­dif­fe­ren­zier­ter Laut­stär­ke kaum et­was in Er­in­ne­rung blieb. Und auch rhyth­misch blieb man sehr im All­ge­mei­nen.

Die Leis­tung des Orches­ters, aber auch des Di­ri­gen­ten, der öf­ter ei­nem Hang zu knal­li­gen Pas­sa­gen nach­gab, stei­ger­te sich beim fol­gen­den D-Dur-Vio­lin­kon­zert (op. 35) deut­lich. Jetzt wur­den die Mu­si­ker ih­rem gu­ten Ruf ge­recht und gleich­be­rech­tig­te Part­ner für den Vio­li­nis­ten Micha­el Ba­ren­boim, der im ers­ten Satz nicht nur Pro­ble­me mit ei­ner blen­den­den Be­leuch­tung, son­dern auch mit dem oft schril­len Klang sei­ner Gei­ge zu ha­ben schien. Erst in der Can­zo­net­ta fand der So­list den aus­ge­gli­che­nen Ton, den man sich er­hofft hat­te. Und nun zeig­te er, dass er mehr als nur der Sohn ei­nes be­rühm­ten Va­ters (Da­ni­el Ba­ren­boim) ist, dass er selbst als wun­der­ba­rer Künst­ler und gro­ßer Gei­ger be­steht.

Doch das ganz gro­ße Sin­fo­ni­ker­glück stell­te sich erst mit Tschai­kow­skys e-Moll-Sin­fo­nie (op. 64) ein. Jetzt war die Staats­phil­har­mo­nie end­gül­tig in ih­rem Ele­ment an­ge­kom­men, Hu­bert Sou­dants In­ter­pre­ta­ti­on ver­zich­te­te auf dy­na­mi­sche Ex­zes­se, die Leis­tung der Blä­ser war ge­ra­de­zu bei­spiel­haft. Ver­mis­sen konn­te man al­len­falls die rus­si­sche See­le, die – wie im Pro­gramm­heft aus­ge­führt wird – kaum ein Kom­po­nist so gut ver­kör­pert wie Pe­ter Il­jitsch Tschai­kow­sky. Denn emo­tio­nal blieb die Wie­der­ga­be et­was un­ter­kühlt, auf höchs­tem tech­ni­schen Ni­veau ge­spielt, aber nur sel­ten das Herz er­rei­chend. Doch vie­le sei­di­ge Strei­cher­pas­sa­gen und die Vir­tuo­si­tät der Blä­serf­an­fa­ren im letz­ten Satz mach­ten dies bei wei­tem wie­der wett und lie­ßen das gut be­setz­te Au­di­to­ri­um ju­beln. Man­fred Kraft

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