Auf­klä­rung kann zu un­an­ge­brach­ten Ängs­ten füh­ren

For­scher un­ter­su­chen am Bei­spiel Han­dy-Kom­mu­ni­ka­ti­on die Wir­kung von Vor­sor­ge­tipps an Tech­nik­nut­zer

Pforzheimer Kurier - - WISSENSCHAFT -

Karls­ru­he (BNN). In de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaf­ten gilt es als Pflicht, dass For­scher und Po­li­ti­ker die Öf­fent­lich­keit über mo­der­ne Tech­no­lo­gi­en und de­ren mög­li­che Ri­si­ken auf­klä­ren. For­scher des KIT und der Uni­ver­si­ty of Wol­lon­gong in Aus­tra­li­en zeig­ten nun, dass Auf­klä­rung über Tech­ni­ken und de­ren Ri­si­ken un­er­wünsch­te Ne­ben­ef­fek­te ha­ben kann. Sie kann auch dort zu Be­sorg­nis füh­ren, wo die­se kaum an­ge­bracht scheint.

In ih­rer Stu­die un­ter­such­ten die For­scher die Kom­mu­ni­ka­ti­on über ei­ne Tech­nik, die aus dem All­tag nicht mehr weg­zu­den­ken ist – den Mo­bil­funk und die ihm zu­grun­de lie­gen­den elek­tro­ma­gne­ti­schen Fel­der. Welt­weit kom­mu­ni­zie­ren Ein­rich­tun­gen für Strah­len­schutz – wie zum Bei­spiel das deut­sche Bun­des­amt für Strah­len­schutz – den Stand der der­zei­ti­gen For­schung zu Ri­si­ken der elek­tro­ma­gne­ti­schen Fel­der nach fol­gen­dem Mus­ter: Bis­her durch­ge­führ­te Un­ter­su­chun­gen lie­ßen, be­trach­tet man die Ge­samt­schau al­ler Er­geb­nis­se, kei­nen Schluss auf ei­ne Ge­fahr für die Ge­sund­heit durch den Mo­bil­funk zu. Je­doch, so wei­ter, gä­be es noch Wis­sens­lü­cken, et­wa be­züg­lich der Lang­zeit­wir­kung. Auf die­ser Grund­la­ge wer­den dann Maß­nah­men emp­foh­len, die das Aus­maß, in dem der Ein­zel­ne den Fel­dern aus­ge­setzt ist, ver­rin­gern. Das Bun­des­amt für Strah­len­schutz emp­fiehlt bei­spiels­wei­se, Te­le­fo­na­te kurz zu hal­ten, ein Han­dy mit ei­nem nied­ri­gen Strah­lungs­wert zu kau­fen oder ein Head­set zu be­nut­zen, da­mit das Han­dy beim Te­le­fo­nie­ren nicht di­rekt am Kopf ist.

Dass In­for­ma­tio­nen zur Vor­sor­ge zu ei­ner hö­he­ren Be­sorg­nis füh­ren kön­nen, war schon aus meh­re­ren Vor­gän­ger­stu­di­en be­kannt. Ver­mu­tet wur­de der Ef­fekt, dass Men­schen aus der Emp­feh­lung, Vor­sor­ge zu be­trei­ben, schlie­ßen, dass es tat­säch­lich ein Ri­si­ko gibt. Die ak­tu­el­le Stu­die konn­te die­sen Ef­fekt nicht be­stä­ti­gen.

Die Wis­sen­schaft­ler ma­chen viel­mehr für den An­stieg der Be­sorg­nis ei­nen Man­gel an Wis­sen über die Aus­brei­tung von elek­tro­ma­gne­ti­schen Fel­dern ver­ant­wort­lich. In der ak­tu­el­len Stu­die wur­den 1 717 Aus­tra­li­ern die­se Vor­sor­ge­tipps vor­ge­legt, zu­sam­men mit je­weils ei­ner von sechs mög­li­chen Zu­satz­in­for­ma­tio­nen zu den wis­sen­schaft­li­chen Zu­sam­men­hän­gen. Ga­ben die For­scher den Pro­ban­den nicht nur die Vor­sor­ge­tipps, son­dern er­klär­ten zu­sätz­lich noch, war­um das Be­fol­gen die­ser Tipps die ei­ge­ne Aus­set­zung mit elek­tro­ma­gne­ti­schen Fel­dern stark re­du­zie­ren kann, dann stieg die Be­sorg­nis. Die Wis­sen­schaft­ler er­klär­ten den Pro­ban­den, dass das Te­le­fo­nie­ren mit dem Head­set die ei­ge­ne Aus­set­zung mas­siv

Stu­die mit 1 717 Aus­tra­li­ern

re­du­ziert. Wenn ein Han­dy statt ei­nem Zen­ti­me­ter zehn Zen­ti­me­ter vom Ohr ent­fernt ist, dann be­trägt die vom Ohr ab­sor­bier­te elek­tri­sche Leis­tung et­wa ein Hun­derts­tel des ur­sprüng­li­chen Werts. Da­her er­gibt sich auch, dass das ei­ge­ne Han­dy in der Re­gel für viel mehr Ex­po­si­ti­on ver­ant­wort­lich ist als die Mo­bil­funk-Ba­sis­sta­tio­nen. Wäh­rend die For­scher mit die­sen Hin­wei­sen die Ef­fek­ti­vi­tät der Vor­sor­ge er­klä­ren woll­ten, sa­hen die Pro­ban­den sie ver­mut­lich vor al­lem als Hin­weis dar­auf, dass ihr Han­dy – und nicht die Sen­de­mas­ten – ge­fähr­lich sei, und ga­ben da­her ein hö­he­res Ge­fah­ren­po­ten­zi­al für Te­le­fo­na­te mit dem Han­dy an. „Die Stu­die zeigt, dass der Ein­satz von Vor­sor­ge­bot­schaf­ten und Auf­klä­rung im Hin­blick auf die sub­jek­ti­ve Ri­si­ko­wahr­neh­mung ein zwei­schnei­di­ges Schwert ist, des­sen Ein­satz bes­ser ver­stan­den wer­den soll­te“, so Chris­toph Böh­mert, Er­st­au­tor der Stu­die.

DIE ENT­FER­NUNG MACHTS: Um mög­li­che Lang­zeit­schä­den zu ver­mei­den, wird emp­foh­len, Han­dy-Te­le­fo­na­te kurz zu hal­ten, das Han­dy nicht so nah ans Ohr zu füh­ren oder ein Head­set zu be­nut­zen. Fo­to: KIT

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