„Das Ding ist nicht völ­lig tot“

Au­ßen­kam­mern des Land­ge­richts und Nach­lass­ge­rich­te be­kom­men ein In­te­rims­do­mi­zil

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Edith Kopf

Es gibt we­ni­ger als ein ewi­ges Ver­spre­chen. Die­se Er­fah­rung macht jetzt die so ge­nann­te Aus­wär­ti­ge Straf­kam­mer des Land­ge­richts Karls­ru­he. Sie wird ent­ge­gen al­ler Ver­spre­chun­gen nicht nur nicht zu ei­nem ei­gen­stän­di­gen Land­ge­richt, jetzt kippt auch noch die Aus­sicht auf ei­nen or­dent­li­chen Di­enst­sitz in der Bahn­hof­stra­ße zu­sam­men mit den ab 2018 im Zu­ge der No­ta­ri­ats­auf­lö­sung neu in­stal­lier­ten Nach­lass­ge­rich­ten. Statt des­sen gibt es im Haus von Bau und Grund in der Erb­prin­zen­stra­ße 20 neue Mie­träu­me mit kur­zen We­gen zum Amts­ge­richt, wo die Sit­zungs­sä­le sind.

Die ent­täu­schen­de Nach­richt für die bei der Staats­an­walt­schaft und im

Bahn­hof­stra­ße steht den­noch nicht leer

Amts­ge­richt un­ter­ge­brach­ten fünf Straf­rich­ter plus Per­so­nal kam ges­tern, zeich­ne­te sich aber be­reits ab. In dem Sand­stein­bau in der Bahn­hof­stra­ße bei den Trep­pen zum Blu­men­hof gibt es wie schon in der Nord­stadt­schu­le Kriegs­schä­den, die nur not­dürf­tig ge­flickt wur­den. „Für Sit­zungs­sä­le ist die Trag­fä­hig­keit der De­cken nicht aus­ge­legt“, sagt die Lei­te­rin des Amts für Ver­mö­gen und Bau in Pforz­heim, Pia Rie­gert-Matt. Dies hat, wie be­rich­tet, im Som­mer ei­ne Be­las­tungs­pro­be mit Sand­sä­cken er­ge­ben. Sie müs­sen aus­ge­tauscht wer­den für die­se Nut­zung. Hin­zu kä­me ei­ne Er­tüch­ti­gung nach den ak­tu­el­len Re­geln für Brand- und Schall­schutz in dem denk­mal­ge­schütz­ten Haus, wie die Lan­des­bau­ver­wal­tung be­reits in ei­ner Vor­un­ter­su­chung er­kannt hat­te.

Er­geb­nis ist: Der Um­bau wür­de deut­lich teu­rer als die bis­lang da­für ein­ge­plan­ten rund zwei Mil­lio­nen Eu­ro und wä­re mit ei­nem hö­he­ren Auf­wand ver­bun­den. „Bis Ja­nu­ar 2018 ist das nicht zu schaf­fen.“Hin­zu kommt, dass die Wirt­schaft­lich­keit des Un­ter­fan­gens ge­prüft wer­den muss, be­vor Hand­wer­ker an­rü­cken dür­fen. In Er­man­ge­lung ei­ge­ner Al­ter­na­ti­ven für die Ge­rich­te setz­ten die Bau­ver­ant­wort­li­chen des­halb jetzt auf das Be­währ­te: Wo bis­lang das ab 1. Ja­nu­ar 2018 auf­ge­lös­te amt­li­che No­ta­ri­at mit rund 35 Leu­ten re­si­diert, be­kom­men Rich­ter und an­de­re Kräf­te der Jus­tiz ein pro­vi­so­ri­sches Do­mi­zil.

„Das Ding ist da­mit nicht völ­lig tot“, sagt Land­ge­richts­prä­si­dent Jörg Mül­ler und be­kun­det vol­les Ver­trau­en in die Ar­beit bei Ver­mö­gen und Bau. Auch Rie­gert-Matt spricht von ei­ner mit­tel­fris­ti­gen Lö­sung bei dem In­te­rims­do­mi­zil. Der Miet­ver­trag für die rund 1 060 Qua­drat­me­ter im Haus von Bau und Grund wur­de auf sie­ben Jah­re ab­ge­schlos­sen. Au­ßer­dem wer­den für die In­te­rims­lö­sung klei­ne­re Um­bau­ten be­nö­tigt.

Ge­ra­de­zu ein Vor­teil bringt die Zwi­schen­lö­sung für die Nach­lass­ge­richts­bar­keit. Sie ge­hör­te bis­lang zu den No­ta­ria­ten und wird ab Ja­nu­ar 2018 ei­gen­stän­dig als Teil der Amts­ge­rich­te fun­gie­ren. Da­mit ver­bun­den ist ein rie­si­ger Ak­ten­berg, den die No­ta­re hin­ter­las­sen wer­den, wenn sie ih­re Räu­me in Rich­tung Selbst­stän­dig­keit ver­las­sen. Die­se schwe­re Last sorg­te schon 1997 da­für, dass Bau und Grund deut­lich mehr Ei­sen ver­bau­te als ge­plant war. Denn die Pa­pier­ber­ge mit den Hin­ter­las­sen­schaf­ten ka­men al­le in drei Zim­mer­chen auf 60 Qua­drat­me­tern im fünf­ten Ober­ge­schoss. Sie wur­den dort nicht nur mehr, sie ent­wi­ckel­ten auch bei der Su­che nach ei­nem Stand­platz er­heb­li­chen Druck.

Der ist jetzt erst ein­mal raus, nach­dem zu­min­dest die Ak­ten blei­ben kön­nen, wo sie sind, so kon­sta­tiert Rie­gert-Matt. Die Bahn­hof­stra­ße 22, wo ver­gan­ge­ne Wo­che die Po­li­zis­ten end­gül­tig aus und ins Re­vier ge­gen­über ge­zo­gen ist, blei­be des­halb nicht leer ste­hen. „Das wä­re nicht gut für das Haus“, ab­ge­se­hen da­von ge­be es im di­rek­ten Um­feld man­che Be­hör­de mit Platz­be­darf, zum Bei­spiel das Leh­rer­se­mi­nar.

Bei Ver­mö­gen und Bau wird jetzt ge­prüft, „was für ei­ne Zwi­schen­nut­zung drin­gend ge­tan wer­den muss und wo der Brand­schutz greift“. Wie es dann mit der lan­des­weit ein­zig­ar­ti­gen Aus­wär­ti­gen Straf­kam­mer – be­zie­hungs­wei­se der Kam­mer für Han­dels­sa­chen, der gro­ßen Straf- und der gro­ßen Ju­gend­kam­mer so­wie der klei­nen Straf- und der klei­nen Ju­gend­kam­mer und der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer wei­ter geht, ist ein se­pa­ra­tes The­ma. Sie brau­chen zu­sam­men Sit­zungs­sä­le und elf Bü­ros Das letz­te Ver­spre­chen, dar­aus ein Land­ge­richt zu for­men, gab es 1971 bei ei­nem Mi­nis­ter­be­such, hat Mül­ler re­cher­chiert. Heu­te sei klar „ei­ne sol­che Klein­grö­ße macht kei­nen Sinn“, aber ei­ne Auf­lö­sung der Pforz­heim De­pen­dance sieht Mül­ler auch nicht. Es ge­be ge­nü­gend Fäl­le und da­mit ge­nug Ar­beit.

SCHRÄN­KE VOL­LER NACHLASSVERFÜGUNGEN dür­fen blei­ben, wo sie sind. Nach­dem die Sa­nie­rung der Bahn­hofs­stra­ße teu­rer und zeit­auf­wen­di­ger wird als ge­plant, be­er­ben Nach­lass­ge­richt und die Kam­mern des Land­ge­richts das No­ta­ri­at. Fo­to: Roth

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