Über­zeu­gend und sehr ele­gant

Ba­di­sche Phil­har­mo­nie spielt drei­mal Si­be­li­us / Preis­ge­krön­te So­lis­tin

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Mit ei­nem groß­ar­ti­gen Kon­zert schloss die Ba­di­sche Phil­har­mo­nie Pforz­heim am Sonn­tag­abend im Gro­ßen Saal des Con­gress Cen­trums das zu En­de ge­hen­de Jahr ab. Das Pro­gramm war ganz dem fin­ni­schen Kom­po­nis­ten Je­an Si­be­li­us (1865–1957) ge­wid­met, und es um­fass­te drei Wer­ke. Ne­ben sei­ner sehr be­kann­ten sin­fo­ni­schen Dich­tung „Fin­lan­dia“op. 26, kom­po­niert in den Jah­ren 1899/1900 er­klang sein Kon­zert für Vio­li­ne und Orches­ter d-moll op. 47 aus dem Jahr 1903, ge­än­dert und wie­der auf­ge­führt 1905, ei­nes der be­deu­tends­ten Kon­zer­te des 20. Jahr­hun­derts. Den Ab­schluss bil­de­te die Sin­fo­nie Nr.4 a-moll op. 63 aus den Jah­ren 1909–1911, mit der Si­be­li­us völ­lig neue We­ge ging.

Fin­lan­dia mit den Cho­ral­klän­gen der Blä­ser und der Stei­ge­rung zum En­de kün­det von Kampf und Sieg und ist rei­ne Na­tio­nal­ro­man­tik. So ist es nicht ver­wun­der­lich, dass das Stück zur heim­li­chen Na­tio­nal­hym­ne wur­de und die Auf­füh­rung dar­auf­hin von der rus­si­schen Re­gent­schaft ver­bo­ten wur­de.

Die So­lis­tin des Vio­lin­kon­zerts war viel­fach mit Prei­sen aus­ge­zeich­net und seit 2015 Kon­zert­meis­te­rin der Ber­li­ner Staats­ka­pel­le. Mit ei­nem schö­nen Ton über­zeug­te sie durch ih­re In­ter­pre­ta­ti­on von An­fang an, tech­ni­sche Pro­ble­me exis­tier­ten für sie nicht.

Ob Dop­pel­grif­fe, Ok­ta­ven oder das Spiel auf der G-Sai­te in den höchs­ten La­gen, al­les war über­zeu­gend und klang sehr ele­gant. Den Be­ginn des ers­ten Sat­zes, den zwei­ten Satz Ad­a­gio di mol­to und den fu­rio­sen Be­ginn des drit­ten Sat­zes konn­te man sich nicht an­ders vor­stel­len, es gab kei­ne Spur von Hek­tik. Di­ri­gent Mar­kus Hu­ber und das Orches­ter pass­ten sich aus­ge­zeich­net an. Für den gro­ßen Bei­fall im gut be­such­ten Saal be­dank­te sich die Künst­le­rin mit ei­nem wun­der­schön ge­spiel­ten Stück aus der Par­ti­ta Nr. 3 für Vio­li­ne so­lo von Jo­hann Se­bas­ti­an Bach, Ga­vot­te en Ron­deau.

Hu­bers Weih­nachts­ge­schenk ans Pu­bli­kum spreng­te den üb­li­chen Rah­men, kein Kon­zert von Al­bi­no­ni oder Co­rel­li son­dern die Sin­fo­nie Nr. 4 von Si­be­li­us, die be­fremd­lichs­te sei­ner Sin­fo­ni­en. Der Tausch von zwei­tem mit drit­tem Satz ist noch die ge­rings­te Än­de­rung im Ver­gleich mit den frü­he­ren Wer­ken. Düs­ter ist der Be­ginn mit den tie­fen Strei­chern, sehr gut das So­lo­cel­lo, nicht nur hier. Ein­wür­fe von an­de­ren Grup­pen kom­men, aber be­vor man den Klang ganz fest­hal­ten kann ist es schon vor­bei. Dur oder Moll ist manch­mal kaum zu un­ter­schei­den, die Strei­cher spie­len 16tel Be­gleit­fi­gu­ren, dar­über lie­gen Ak­kor­de von Flö­ten und Kla­ri­net­ten. Es gibt kur­ze Pas­sa­gen, die im Nichts en­den. Die Satz­schlüs­se sind ab­rupt.

Der drit­te Satz „Il tem­po lar­go“ist sehr lang­sam, ei­ne Fi­gur wird nach­ein­an­der von al­len Grup­pen ge­spielt und auch die­ser Satz en­det un­ver­mu­tet. Im vier­ten Satz Al­le­gro ist die ge­naue Be­stim­mung der Ton­art manch­mal schwie­rig, auch ver­wen­det Si­be­li­us vie­le Syn­ko­pen. Al­les in al­lem kein ein­fa­ches Werk, aber Di­ri­gent und Orches­ter ver­die­nen viel Lob. Der Bei­fall am Schluss war sehr groß. Chris­ti­an Hen­rich

Vier­te Sin­fo­nie war Hu­bers Ge­schenk ans Pu­bli­kum

DIE VIO­LI­NIS­TIN Yu­ki Manuela Jan­ke über­zeug­te beim Jah­res­ab­schluss­kon­zert der Ba­di­schen Phil­har­mo­nie durch ihr si­che­res Spiel auch in den höchs­ten La­gen. Fo­to: Wa­cker

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