Klas­sik statt Jazz im Pia­no-Po­di­um

In Pforz­heim auf­ge­wach­se­ne Pia­nis­tin Ma­rie-Lui­se Bo­den­dorff spielt im Do­mi­ci­le

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Üb­li­cher­wei­se ist im Do­mi­ci­le Jazz zu hö­ren. Aber es hat in­zwi­schen schon Tra­di­ti­on, dass im Rah­men der Kon­zert­rei­he „Pia­no-Po­di­um im Do­mi­ci­le“im­mer am vier­ten Ad­vent zu hö­ren ist. Zum in­zwi­schen fünf­ten Mal war dort am Sonn­tag die Kon­zert­pia­nis­tin Ma­rie-Lui­se Bo­den­dorff zu Gast. Bo­den­dorff, ge­bo­ren 1983 in Augs­burg, ist in Pforz­heim auf­ge­wach­sen und stand be­reits im Al­ter von sechs Jah­ren zu­sam­men mit dem Süd­west­deut­schen Kam­mer­or­ches­ter Pforz­heim auf der Büh­ne. Mit 14 Jah­ren spiel­te sie zum ers­ten Mal im Do­mi­ci­le.

Nach Stu­di­en in Karls­ru­he und Hannover hat Bo­den­dorff in­zwi­schen ei­nen Lehr­auf­trag für Kla­vier an der kö­nig­li­chen Hoch­schu­le für Mu­sik in Ko­pen­ha­gen, wo sie jetzt auch lebt. Re­gel­mä­ßig zur Weih­nachts­zeit be­sucht sie ih­re Mut­ter in Pforz­heim, die Mit­glied im Süd­west­deut­schen Kam­mer­or­ches­ter ist, und ver­bin­det die­sen Be­such mit ei­nem Auf­tritt im Jazz­club. Ihr Kon­zert be­gann sie mit ei­nem Stück von Fried­rich Da­ni­el Ru­dolph Kuh­lau, der ähn­lich wie sie in Deutsch­land ge­bo­ren wur­de (11. Sep­tem­ber 1786 in Uelzen) und spä­ter vor Na­po­le­on nach Dä­ne­mark floh (wo er am 12. März 1832 in Lyng­by bei Ko­pen­ha­gen starb).

Sei­ne So­na­ten wer­den heu­te vor al­lem als Un­ter­richts­wer­ke ge­schätzt. Das Werk, das Bo­den­dorff spiel­te, war rund 20 Mi­nu­ten lang und ge­prägt durch ei­ne ho­he Dy­na­mik. Das zwei­te Stück mit dem tref­fen­den Ti­tel „Wil­de Jagd“stamm­te aus der Fe­der von Franz Liszt. Es be­gann mit dem schnel­len, fast wü­tend ge­spiel­ten Haupt­the­ma um dann in ei­nen sanf­te­ren ver­spiel­te­ren Teil über­zu­ge­hen. An­spruchs­voll ma­chen das Stück vor al­lem auch die schnel­len Wech­sel der lin­ken über die rech­te Hand. Mit viel Ap­plaus ging Bo­den­dorff in die Pau­se.

Die zwei­te Hälf­te des Kon­zerts be­gann sie mit Stü­cken von Clau­de De­bus­sy. Dem Ti­tel „Pa­go­de“war der ja­pa­ni­sche Ein­fluss eben­so deut­lich an­zu­hö­ren, wie in „Abend in Gre­na­da“der spa­ni­sche.

Den Ab­schluss des Kon­zerts bil­de­te ein Werk von Alex­an­der Skrja­bin, das er in Ita­li­en am Meer wäh­rend ei­nes Kur­auf­ent­hal­tes kom­po­nier­te. Skrja­bin lehn­te sich in frü­hen Jah­ren an Cho­pin und Liszt an, spä­ter an die Mu­sik Richard Wa­g­ners. Und wie steht Bo­den­dorff zum Jazz? „Ich wür­de un­heim­lich ger­ne auch Jazz spie­len“, sag­te die Pia­nis­tin in der Pau­se. Doch so ein­fach sei es nicht die „Schub­la­den“zu über­win­den. Al­ler­dings sieht sie auch Brü­cken zwi­schen den bei­den Gen­res. So sei bei­spiels­wei­se Cho­pin stark ex­pe­ri­men­tell an­ge­legt und rei­che da­mit an den An­spruch des Jazz her­an.

Am aus­druck­stärks­ten sei Mu­sik im­mer dann, egal wel­cher Rich­tung sie zu­ge­rech­net wer­de, wenn Stück, Spie­ler und Kom­po­nist zu ei­ner Ein­heit wür­den. „Am En­de“, so Bo­den­dorff, „ist im­mer al­les Mu­sik.“Ha­rald Bott

AUF HEI­MAT­BE­SUCH trat die in Pforz­heim auf­ge­wach­se­ne Pia­nis­tin Ma­rie-Lui­se Bo­den­dorff im Do­mi­ci­le auf. Fo­to: Wa­cker

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