Lö­sung mit Si­gnal­wir­kung

Ge­plan­te Strom­lei­tung von Bir­ken­feld nach Ötis­heim wird teil­wei­se mit Voll­wand­mas­ten ge­baut

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ni­co Rol­ler

Kie­sel­bronn. Es ist weit mehr als ei­ne klei­ne Sen­sa­ti­on, die der CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Gun­ther Krich­baum ges­tern im Sit­zungs­saal des Kie­sel­bron­ner Rat­hau­ses ver­kün­det: Die ge­plan­te Hoch­span­nungs­lei­tung zwi­schen Bir­ken­feld und Ötis­heim wird fast zur Hälf­te auf kom­pak­ten Voll­wand­mas­ten ver­lau­fen. Au­ßer­dem wird der Ver­lauf der Tras­se so ge­än­dert, dass das Pforz­hei­mer Ge­wer­be­ge­biet „Obst­hof 1“nicht mehr von der Lei­tung über­spannt wird.

„Wir sind da­mit ei­nen deut­li­chen Schritt vor­an­ge­kom­men“, so Krich­baum, der im Hin­blick auf die Voll­wand­mas­ten von ei­nem weg­wei­sen­den Pi­lot­pro­jekt spricht, das in die­ser Form noch nicht rea­li­siert wor­den sei. Die Voll­wand­mas­ten sind rund zehn Me­ter nied­ri­ger als die sonst üb­li­chen Stahl­git­ter­mas­ten und in ih­rem Durch­mes­ser fünf Me­ter schma­ler. Ins­ge­samt sol­len 14 da­von in ei­ner durch­gän­gi­gen Stre­cke im Be­reich von Pforz­heim-Eu­tin­gen und Kie­sel­bronn er­rich­tet wer­den. Die ers­ten sie­ben Mas­ten auf der Ge­mar­kung Pforz­heim-Eu­tin­gen ent­lang der Au­to­bahn 8 wer­den da­bei nur ei­ne 380-Kilo­volt-Lei­tung tra­gen, wäh­rend die üb­ri­gen sie­ben Mas­ten im Be­reich Kie­sel­bronn zu­sätz­lich ei­ne 110-Kilo­volt-Lei­tung der Deut­schen Bahn mit­füh­ren. So et­was sei vor­her noch nie ge­macht wor­den, sagt Ni­ko­laus Sau­er, Pro­jekt­spre­cher beim zu­stän­di­gen Netz­be­trei­ber Trans­net BW. Sei­nem Un­ter­neh­men sei es wich­tig ge­we­sen, die Sor­gen der Bür­ger ernst zu neh­men und in ei­nen of­fe­nen Dia­log ein­zu­tre­ten. Man ha­be den Ein­satz der Voll­wand­mas­ten in­ten­siv auf tech­ni­sche Mach­bar­keit und Ge­neh­mi­gungs­fä­hig­keit ge­prüft. „Das war sehr auf­wen­dig und hat fast ein Jahr ge­dau­ert.“Al­le 30 Mas­ten der ge­plan­ten Hoch­span­nungs­lei­tung zwi­schen Bir­ken­feld und Ötis­heim als Voll­wand-Va­ri­an­te zu bau­en, sei aber nicht mög­lich, so Sau­er. Das lie­ge vor al­lem am deut­lich hö­he­ren Auf­wand bei Auf­bau und Trans­port, der mit dem von Wind­rä­dern ver­gleich­bar sei. Aber auch an den Stel­len, wo nach wie vor die her­kömm­li­chen Stahl­git­ter­mas­ten er­rich­tet wer­den sol­len, ver­spricht das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men ges­tern ei­ne deut­li­che Ver­bes­se­rung: Die Git­ter­mas­ten sol­len dort näm­lich im Hin­blick auf Hö­he, Kom­pakt­heit und Flä­chen­ver­brauch op­ti­miert wer­den.

Die In­be­trieb­nah­me der neu­en Strom­lei­tung ist für das Jahr 2019 ge­plant. In der ers­ten Hälf­te des kom­men­den Jah­res wol­le man die Un­ter­la­gen für das Pl­an­fest­stel­lungs­ver­fah­ren ein­rei­chen, er­klärt Sau­er. Wenn dort al­les gut lau­fe, kön­ne man Mit­te 2018 mit den Bau­ar­bei­ten be­gin­nen. „Es hat zwar et­was ge­dau­ert, aber gut Ding will eben Wei­le ha­ben“, meint Kie­sel­bronns Bür­ger­meis­ter Hei­ko Fa­ber zu­frie­den. Ihm war es wich­tig, al­le Be­tei­lig­ten an ei­nen Tisch zu ho­len, um ge­mein­sam an ei­ner Lö­sung zu ar­bei­ten. Et­li­che St­un­den ha­ben Ver­tre­ter der Ge­mein­de Kie­sel­bronn, des Ge­mein­de­tags, des Land­rats­am­tes, Pforz­heims Ober­bür­ger­meis­ter Gert Ha­ger, Bun­des- und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te, Mit­ar­bei­ter der Bahn, des Um­welt­mi­nis­te­ri­ums und von Trans­net BW ges­tern Vor­mit­tag im Sit­zungs­saal des Kie­sel­bron­ner Rat­hau­ses dis­ku­tiert. Da­bei ha­be man viel über Strom­tras­sen ge­lernt und sei „sub­stan­zi­ell für die Re­gi­on vor­an­ge­kom­men“, wie SPD-Bun­des­tags­mit­glied Kat­ja Mast be­fin­det.

Von ei­ner „Lö­sung mit Si­gnal­wir­kung“spricht auch Lothar Beck­ler vom Bun­des­ver­band Kom­pakt­lei­tung. Sein Ver­ein hat­te im Sep­tem­ber bei ei­ner Bür­ger­ver­samm­lung über die Vor­tei­le von Kom­pakt­mas­ten in­for­miert. Eben­falls mit dem Er­geb­nis zu­frie­den zeig­te sich Pforz­heims Ober­bür­ger­meis­ter Gert Ha­ger: „Was er­reicht wur­de, ist al­ler Eh­ren wert.“Al­ler­dings bit­tet er dar­um, zu über­prü­fen, ob Voll­wand­mas­ten nicht auch in den Be­rei­chen Pforz­heims rea­li­siert wer­den kön­nen, in de­nen die Lei­tung nah an Wohn­be­bau­ung ver­läuft.

Ähn­li­ches hat der FDP/DVP-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Hans-Ul­rich Rül­ke zu sa­gen. Er lobt zwar, man sei durch den Dia­log ei­nen Schritt wei­ter­ge­kom­men, for­dert aber, auch in Pforz­heim sol­le in der Nä­he von Wohn­be­bau­ung der Voll­wand­mast er­rich­tet wer­den. „Was für die Bür­ger in Kie­sel­bronn gilt, muss auch für Pforz­heim gel­ten.“

In­be­trieb­nah­me ist für 2019 ge­plant

SIT­ZEN AN EI­NEM TISCH: Klaus Den­zin­ger vom Bun­des­ver­band Kom­pakt­lei­tung (von links), Hei­ko Lün­ser vom Um­welt­mi­nis­te­ri­um, Hans-Ul­rich Rül­ke, Kat­ja Mast, Gun­ther Krich­baum, Hei­ko Fa­ber und Gert Ha­ger. Fo­to: Rol­ler

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