„Im­mer in Be­we­gung blei­ben“

Der letz­te Bür­ger­meis­ter von Wei­ler fei­ert heu­te in It­ters­bach sei­nen 90. Ge­burts­tag

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

Karls­bad-It­ters­bach. „Im­mer in Be­we­gung blei­ben“ist das Le­bens­mot­to von Bru­no Bitz. Und: „Nach vor­ne schau­en“. Und das be­zieht sich so­wohl auf den Geist als auch auf den Kör­per. Letz­te­res merkt man dem Schwim­mer Bru­no Bitz auch an, wenn er vor ei­nem her­geht und wie ein jun­ger Mann die Trep­pen­stu­fen zur obers­ten Eta­ge sei­nes Hau­ses in It­ters­bach nimmt. „Im Gar­ten al­ler­dings ma­che ich au­ßer Ra­sen­mä­hen nichts mehr, zu an­stren­gend“, sagt der Mann, der für kur­ze Zeit (1970 bis 1972) bis zur Ein­ge­mein­dung in Wei­ler Bür­ger­meis­ter war und am 20. De­zem­ber nun sei­nen 90. Ge­burts­tag fei­ert. Im Kreis der Fa­mi­lie, wie sich das ge­hört. Al­ler­dings ist sei­ne Frau Irm­gard, mit der er im Jahr 2010 noch dia­man­te­ne Hoch­zeit ge­fei­ert hat, vor ein paar Jah­ren ge­stor­ben, es kommt aber die Fa­mi­lie zu­sam­men, die aus sei­nen bei­den Söh­nen Ul­rich und Tho­mas be­steht, vie­le Ver­wand­te und Be­kann­te fei­ern au­ßer­dem mit. Und es wird ein zwei­tes Fest ge­ben im Sän­ger­heim des ört­li­chen Ge­s­ang­ver­eins. Denn ak­tiv Sin­gen, das ge­hört au­ßer Schwim­men eben­falls zu sei­ner Art, sich fit zu hal­ten.

Was der Ju­bi­lar, der stun­den­lang An­ek­do­ten er­freu­li­cher, trau­ri­ger und auch skur­ri­ler Na­tur aus sei­nem an Er­leb­nis­sen rei­chen Le­ben er­zäh­len könn­te, al­ler­dings nicht mehr kann: In sei­ne ge­lieb­te Ukrai­ne rei­sen. „Das ist jetzt doch zu be­schwer­lich; der Flug von zwei­ein­halb St­un­den wä­re kein Pro­blem, aber das lan­ge Ste­hen – am Zoll un­ter an­de­rem“, sagt Bru­no Bitz. Doch die Men­schen, die er seit An­fang der 1990er Jah­re dort un­ter­stützt sind da­mit nicht aus sei­nem Sinn. Auch zu sei­nem Ge­burts­tag macht er sich nicht nur selbst ei­ne Freu­de mit der Ein­la­dung sei­ner nächs­ten Ver­wand­ten und Freun­de, er wird auch – wie zwei- bis drei­mal im Jahr üb­lich – vier­stel­li­gen Eu­ro-Be­trag für die Ärms­ten der Ar­men in Kiew ge­ben. „Über Wes­tern Uni­on, was auch ganz schön teu­er ist“, sagt er. „Aber die Leu­te ha­ben ja kein Bank­kon­to.“Und wie schon seit Jahr­zehn­ten wird Leh­re­rin Ma­ria An­drit­schuk, die vor Ort im­mer auch als Dol­met­sche­rin fun­giert hat und so et­was wie ei­ne gu­te Freun­din ge­wor­den ist, da­für sor­gen, dass das Geld auch bei den Be­dürf­ti­gen an­kommt.

Die­ses En­ga­ge­ment – aus dem Wis­sen her­aus, „dass es uns hier doch so gut geht und wir ge­nug ha­ben“– ist es auch, was ihn er­füllt und zu­frie­den macht. Der Kon­takt wird auch nicht ab­rei­ßen, in sei­nem Haus ist Bitz von zahl­rei­chen Ge­schen­ken und sta­pel­wei­se Brie­fen um­ge­ben – bis hin zum mit Ko­gnak ge­füll­ten glä­ser­nen Sä­bel. „Ich wä­re jetzt auch wie­der vom neu­en Bür­ger­meis­ter, dem Bo­xer (An­mer­kung: Vi­ta­li Klitsch­ko) ein­ge­la­den ge­we­sen“, sagt Bru­no Bitz nicht oh­ne Stolz, aber auch mit ei­nem ge­wis­sen Be­dau­ern.

Der 90-Jäh­ri­ge mit dem gu­ten Ge­dächt­nis er­in­nert sich auch gut an an­de­re Sta­tio­nen sei­nes Le­bens: et­wa als er Sol­dat bei der Luft­waf­fe war, Rats­schrei­ber, an die Wahl zum Bür­ger­meis­ter 1970, als die Ten­denz zur Ein­ge­mein­dung schon ab­seh­bar war, und die vie­le Ar­beit da­nach und als die Spät­aus­sied­ler ka­men. Und an die Zeit „von mor­gens 8 Uhr mit zwei St­un­den Mit­tag bis abends 22 Uhr“als Amts­ver­we­ser.

Der ehe­ma­li­ge Ge­mein­de­rat und In­ha­ber vie­ler wich­ti­ger Pos­ten sagt oh­ne lan­ge zu zö­gern auf die Fra­ge, was be­son­ders wich­tig in sei­nem Le­ben war und ist: „Die Fa­mi­lie und das Haus.“Von be­sag­tem Haus in It­ters­bach aus hat er denn auch ei­ne schö­ne Aus­sicht auf die Um­ge­bung, die er mit sei­nem Wir­ken tat­kräf­tig mit­ge­stal­tet hat.

Ju­bi­lar un­ter­stützt Men­schen in der Ukrai­ne

BRU­NO BITZ hat in sei­nem Le­ben viel be­wegt und be­wirkt – un­ter an­de­rem mit fi­nan­zi­el­ler Hil­fe für Ar­me in der Ukrai­ne. Von dort be­kommt er im­mer noch viel Post. Heu­te wird der It­ters­ba­cher 90 Jah­re alt. Fo­to: Roth

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