Ein Schwa­be ver­liert sich im Mul­ti­kul­ti

Ge­s­ang­ver­ein „Lie­der­kranz“Öl­bronn über­rascht bei Weih­nachts­fei­er mit Thea­ter­stück

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Öl­bronn-Dürrn (msch). Ein zu­ver­läs­si­ges Mit­tel, sich auf die be­vor­ste­hen­den Fest­ta­ge ein­zu­stim­men, ist die öf­fent­li­che Weih­nachts­fei­er des Ge­s­ang­ver­eins „Lie­der­kranz“Öl­bronn in der voll be­setz­ten Ge­mein­de­hal­le. „Die­ses gro­ße Be­su­cher­inter­es­se ist uns ei­ne ech­te Freu­de“, er­klär­te Tho­mas Sch­renk, der Vor­sit­zen­de des Ge­s­ang­ver­eins, in sei­ner Be­grü­ßung. Zum Auf­takt gab es et­was Be­son­de­res: Ein gro­ßer Män­ner­chor mit sei­nem cha­rak­te­ris­ti­schen Klang­bild, frü­her der „Nor­mal­fall“in Ge­s­angs­ver­ei­nen, ist heu­te ei­ne Sel­ten­heit ge­wor­den. Ge­mein­sam san­gen die „Ver­ei­nig­ten Män­ner­chö­re“des „Lie­der­kran­zes“Öl­bronn und der Ge­s­ang­ver­ei­ne aus Arn­bach, Lan­gen­brand und Grä­fen­hau­sen un­ter der Lei­tung und am Kla­vier be­glei­tet von Es­t­her Rau „Der Traum der Weih­nachts­zeit“und „Weih­nacht ist bald“aus der Fe­der von Pas­qua­le Thi­baut und lie­ßen mit Franz Mä­ding und Her­mann Son­net die „Weih­nachts­glo­cken“er­klin­gen.

„Weih­nacht zu Hau­se“ist doch am bes­ten, be­fand der Kin­der­chor „Ra­ben­sin­gers“un­ter der Lei­tung von Claudia Zim­mer­mann. Mit Rolf Zuckow­ski be­san­gen sie den Ad­vents­ka­len­der für „Klei­ne Kin­der, gro­ße Kin­der“und stell­ten die Fra­ge al­ler Fra­gen: „Wann kommst Du, Weih­nachts­mann?“In ei­ner hei­te­ren Weih­nachts­lie­der-Dis­co lu­den die Kin­der den Saal ein, mit ih­nen Weih­nachts­lie­der zu sin­gen.

Udo Jürgens ist auch für sei­ne fein­füh­len­den Weih­nachts­lie­der be­kannt. Bei dem Künst­ler wur­den so­wohl der mo­der­ne Chor „Fu­ture“mit „Weih­nachts­zeit, Kin­der­zeit“als auch der ge­misch­te Chor des „Lie­der­kran­zes“mit „Wün­sche zur Weih­nachts­zeit“fün­dig. „Fu­ture“er­freu­te zu­dem mit dem „Christ­mas Lul­la­by“von Amy Grant und ei­nem be­mer­kens­wert in­to­nier­ten „Hal­le­lu­jah“aus der Fe­der von Leo­nard Co­hen.

Der ge­misch­te Chor trug mit „In der Stil­le der Nacht“und „Vom Flü­gel ei­nes En­gels be­rührt“zwei Stü­cke von Kom­po­nist Bernd Stall­mann vor. Vom di­ri­gie­ren­den Schul­meis­ter bis zum But­ten­trä­ger aus dem Wein­berg ver­sam­mel­te der Män­ner­ver­ein al­le Sor­ten von Men­schen im lus­ti­gen Lied „D’r Gs­ang­ve­rei“von Se­bas­ti­an Blau und Hu­bert Di­rin­ger. Ju­lia Rau, die zwölf­jäh­ri­ge Toch­ter von Di­ri­gen­tin Es­t­her Rau, be­zau­ber­te mit ih­rem Vor­trag von Jo­hann Pa­chel­bels „Ka­non D-Dur“auf der Gei­ge. Die Thea­ter­grup­pe des „Lie­der­kran­zes“mit Re­gis­seur Ger­hard Schei­b­le an der Spit­ze hat­te für den zwei­ten Teil der Weih­nachts­fei­er das neue Stück „Mul­ti­kul­ti und ein Schwa­be – Schwä­bi­sches Lust­spiel für drei männ­li­che und drei weib­li­che Per­so­nen“ein­stu­diert. Das Mun­d­art-Lust­spiel ist ein Ei­gen­ge­wächs des Lie­der­kran­zes, ver­fasst vom jun­gen Ge­s­ang­ver­eins­mit­glied Mi­ri­am Gei­ger. Die 28-Jäh­ri­ge setzt da­mit gleich­sam ei­ne Fa­mi­li­en­tra­di­ti­on fort. Auch Va­ter Hans Gei­ger, Schrift­füh­rer beim Lie­der­kranz, hat­te in frü­he­ren Jah­ren schon zur Fe­der ge­grif­fen und Tex­te für die Thea­ter­grup­pe ge­schrie­ben. Zum Stück: Horst Böck­le, ur­schwä­bi­scher, gut be­tuch­ter Bau­un­ter­neh­mer, dar­ge­stellt von Tho­mas Sch­renk, hat ein Pro­blem: Bis­her hat er wun­der­bar vom Con­tai­nerBoom für Flücht­lings­woh­nun­gen pro­fi­tiert. Jetzt je­doch droht die Bil­lig-Kon­kur­renz aus Fer­n­ost die schwä­bi­sche Wert­ar­beit zu ver­drän­gen. Mit Mul­ti­kul­ti hat es Böck­le nicht so, auch wenn er von sei­ner Haus­halts­hil­fe Mai Ling (Bi­an­ca Ilu­an) stän­dig thai­län­di­sche Spe­zia­li­tä­ten ser­viert und von der Nach­ba­rin Öz­türk täg­lich tür­ki­sches Es­sen zum Pro­bie­ren be­kommt. Oft gibt es Zoff mit sei­ner welt­of­fe­nen Ehe­frau Han­ne­lo­re Böck­le (Claudia Zim­mer­mann). Die hat vor al­lem das Lie­bes­glück ih­rer Toch­ter Ma­rie (Mi­ri­am Gei­ger) im Au­ge, die mit ei­nem Afri­ka­ner heim­lich ver­lobt ist. Va­ter Böck­le hat an­de­re Plä­ne: Ma­rie soll ei­nen Schwa­ben, am bes­ten Mal­te, den Sohn sei­nes bes­ten Freun­des Adolf Fischer (Mar­tin Non­nen­mann) hei­ra­ten, die Fir­ma über­neh­men und ihr neu­en Schwung ver­lei­hen. Es kommt je­doch an­ders: Mal­te ist „an­ders­her­um“, und Ma­rie be­kommt schließ­lich ih­ren dun­kel­häu­ti­gen Ver­lob­ten Um­ber­to Fang-Ga­zell (Ni­co­lai Ar­nold). Jetzt wer­den die Con­tai­ner eben nach Süd­afri­ka ge­lie­fert.

Lust­spiel stammt von Mi­ri­am Gei­ger

EIN HEITERES SINGSPIEL über das bun­te Le­ben im Ge­s­ang­ver­ein bot der Män­ner­chor bei der Weih­nachts­fei­er des „Lie­der­kran­zes“. Fo­to: Mar­tin Schott

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