Ein Re­gen­wald­baum un­term Christ­baum

Ur­kun­den der Ar­ten­schutz­stif­tung des Zoos sind be­lieb­te Ge­schen­ke / En­ga­ge­ment für Wie­der­auf­fors­tung in Ecua­dor

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Su­san­ne Jock

Bäum­chen für den Re­gen­wald in Ecua­dor ge­dei­hen un­ter so man­chem Christ­baum in der Re­gi­on. Sym­bo­lisch zu­min­dest: Die Ur­kun­den, die die Ar­ten­schutz­stif­tung Karls­ru­her Zoo für ih­re Un­ter­stüt­zer aus­stellt, sind ge­frag­te Ge­schen­ke, be­rich­tet Cle­mens Be­cker, stell­ver­tre­ten­der Zoo­chef und Ku­ra­tor für Ar­ten­schutz. Wo­bei es zwei Va­ri­an­ten gibt: Für ei­nen ein­zel­nen Baum oder den Bo­den, auf dem neu­er Re­gen­wald her­an­wach­sen oder be­ste­hen­der er­hal­ten wer­den soll, nimmt die Stif­tung Spen­den ent­ge­gen und stellt Ur­kun­den aus – auf Wunsch auf die Na­men der künf­ti­gen „Be­sit­zer“. Mit ei­ner Spen­de von 20 Eu­ro kön­nen 20 Qua­drat­me­ter Bo­den er­wor­ben oder ein Baum ge­pflanzt wer­den. „Gera­de hat ei­ne Frau für ih­re vier En­kel Bäum­chen in Auf­trag ge­ge­ben“, schil­dert Be­cker. Die be­kom­men da­mit nicht nur ei­ne Ur­kun­de, son­dern auch ein wich­ti­ges Si­gnal, fin­det der Ar­ten­schutz-Ku­ra­tor: Das näm­lich, dass die Men­schen Ver­ant­wor­tung für ih­re Um­welt tra­gen. Im Ne­bel­wald am West­hang der An­den, in 1 400 Me­tern Hö­he und rund 110 Ki­lo­me­ter von Ecua­dors Haupt­stadt Qui­to ent­fernt, liegt das Pro­jekt­ge­biet, für das sich die Ar­ten­schutz­stif­tung des Zoos en­ga­giert. „Dort fließt, tropft und plät­schert es über­all“, er­zählt Be­cker. Im Exo­ten­haus des Zoos sei dies ähn­lich, dort ist das Pro­jekt auch the­ma­tisch an­ge­sie­delt. Wei­te­re sol­len fol­gen. Im Di­strikt der Stadt San Mi­guel de los Ban­cos, mit der die Stadt Karls­ru­he ei­ne „Kli­ma­part­ner­schaft“un­ter­hält, wol­len die Karls­ru­her Ar­ten­schüt­zer 35 Hekt­ar un­zer­stör­ten Re­gen­wald und Wei­de­land kau­fen, den Wald vor wei­te­rer Ab­hol­zung schüt­zen und die Wei­den mit hei­mi­schen Baum­ar­ten wie­der auf- fors­ten. 220 000 Eu­ro sind da­für er­for­der­lich. Bei 59 000 Eu­ro steht das Spen­den­ba­ro­me­ter ak­tu­ell. Um 5 000 Eu­ro brach­te gera­de die Fir­ma tex­da­ta soft­ware mit ei­nem Spen­den- scheck die Ar­ten­schüt­zer ih­rem Ziel nä­her. Und für vie­le klei­ne Schrit­te sor­gen Bo­den- und Bäum­chen-Ver­schen­ker.

Faul­tier und Wi­ckel­bär sind im Pro­jekt­ge­biet zu Hau­se, Tu­kan, Fel­sen­hahn und 28 Ko­li­bri-Ar­ten. Ziel ist, ih­ren Le­bens­raum und den un­zäh­li­ger, teils be­droh­ter Pflan­zen­ar­ten zu er­hal­ten. „Pa­ra­die­si­sche Land­schaf­ten mit ei­ner Fül­le von Tier­ar­ten sind die ei­ne Sei­te von Ecua­dor, aus­ge­dehn­te, oft durch Ab­hol­zung ent­stan­de­ne Wei­de­flä­chen die an­de­re“, so Be­cker, der schon mehr­fach in den An­den­staat reis­te. 2014 knüpf­te er den Kon­takt zu den heu­ti­gen Pro­jekt­part­nern. Die deut­sche Or­ni­tho­lo­gin Hei­ke Brisch­ke und ihr Mann Pe­dro Pe­ña­fiel ha­ben mit­ten im Ne­bel­wald bei San Mi­guel de Los Ban­cos das Um­welt­zen­trum und Re­ser­vat „Min­do Lin­do“ge­grün­det und ei­nen „Mo­dell­wald“wie­der auf­ge­fors­tet. Sie be­treu­en auch das Her­an­zie­hen der Setz­lin­ge in klei­nen Baum­schu­len. 20 000 bis 30 000 Pflan­zen wer­den be­nö­tigt. Mit den 20 Eu­ro pro Baum wer­den auch das Pflan­zen und die Pfle­ge­maß­nah­men fi­nan­ziert. 30 hei­mi­sche Baum­ar­ten sol­len so in den Bo­den kom­men, in we­ni­gen Jah­ren zu ei­nem se­kun­dä­ren Re­gen­wald zu­sam­men­wach­sen und dann be­droh­te Ar­ten be­hei­ma­ten.

Mit der Kom­bi­na­ti­on aus Stif­tung und kon­kre­ter Pro­jekt­ar­beit ist der Karls­ru­her Zoo deutsch­land­weit Vor­rei­ter, er­klärt Be­cker. Idea­ler­wei­se soll die Art­er­hal­tung im Zoo künf­tig bei vie­len Tie­ren auch mit En­ga­ge­ment für ih­re Art­ge­nos­sen in der Na­tur und ih­rem Le­bens­raum ver­knüpft wer­den. Ne­ben ei­ge­nen Pro­jek­ten wie in Ecua­dor sind vie­le Ko­ope­ra­tio­nen denk­bar. Jüngs­tes Bei­spiel sind die Vo­gel­freun­de Achern. Sie über­reich­ten 5 000 Eu­ro für die Ar­ten­schutz­stif­tung und reg­ten ein ge­mein­sa­mes Pro­jekt für den Oran­ge­hau­benk­a­ka­du an. Des­sen Le­bens­raum auf Su­la­we­si und den Klei­nen Sun­da­in­seln ist bis auf we­ni­ge Wald­in­seln zer­stört, es gibt nur noch rund 500 Tie­re. Mit dem Geld soll ein Frei­land­pro­jekt auf der In­sel Sum­ba un­ter­stützt wer­den. Zu­dem will sich der Karls­ru­her Zoo an der Er­hal­tungs­zucht be­tei­li­gen. Zwar sei die Rea­li­sie­rung noch von ei­ni­gen Fak­to­ren ab­hän­gig, meint Zoo­chef Mat­thi­as Rein­schmidt, brennt aber be­reits für die Idee. „Für den Karls­ru­her Zoo wä­re die­se Tier­art ein wei­te­res Ju­wel“, sagt der Pa­pa­geien­ex­per­te. „Es sind Tie­re, von de­nen man in Deutsch­land kaum et­was weiß. Sie kön­nen als Bot­schaf­ter für al­le Oran­ge­hau­benk­a­ka­dus und für den Er­halt des Le­bens­raums fun­gie­ren.“

Wer dem Ecua­dor-Pro­jekt min­des­tens 20 Eu­ro spen­det, er­hält, so­bald das Geld auf dem Kon­to der Ar­ten­schutz­stif­tung ist, ei­ne Ur­kun­de, je nach Sum­me als Gold-, Sil­ber oder Bron­ze-Zer­ti­fi­kat. Per E-Mail, Post oder On­line-Ban­king soll­te man auch mit­tei­len, auf wel­chen Na­men die Ur­kun­de aus­ge­stellt sein soll. Sie geht dem Spen­der zu­sam­men mit der Spen­den­quit­tung per Post zu.

i Kon­takt

• Po­st­adres­se: Ar­ten­schutz­stif­tung Zoo Karls­ru­he, Ett­lin­ger Stra­ße 6, 76137 Karls­ru­he • Te­le­fon: (07 21) 133 68 01 • E-Mail: ar­ten­schutz­stif­tung@ zoo.karls­ru­he.de • Spen­den­kon­to: Volks­bank Karls­ru­he, IBAN DE07 6619 0000 0000 2121 21. • In­ter­net www.ar­ten­schutz­stif­tung.de.

DER HYAZINTH-KO­LI­BRI ist im Pro­jekt­ge­biet der Ar­ten­schutz­stif­tung Zoo Karls­ru­he zu Hau­se. Die­se will da­zu bei­tra­gen, sei­nen Le­bens­raum zu er­hal­ten. Fo­tos: Zoo Karls­ru­he

SETZ­LIN­GE FÜR DIE WIE­DER­AUF­FORS­TUNG wer­den in vie­len klei­nen Baum­schu­len in der Re­gi­on San Mi­guel ge­zo­gen. Cle­mens Be­cker in­for­mier­te sich bei Min­do Lin­do.

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