Deutsch­land un­ter Schock

Kommentar, Mei­nun­gen und Re­ak­tio­nen Ver­schär­fung der Si­cher­heits­maß­nah­men Neu­es­te Ent­wick­lun­gen gibt es auf bnn.de

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Mar­tin Ferber KANZ­LE­RIN MER­KEL be­such­te ges­tern den An­schlags­ort. Fotos: dpa/AFP

Ber­lin/Karls­ru­he. Nach dem To­des­fah­rer von Ber­lin wird wei­ter ge­fahn­det. Ei­nen Tag nach dem Ter­ror­an­schlag auf den Weih­nachts­markt am Ber­li­ner Breit­scheid­platz, bei dem zwölf Men­schen uns Le­ben ka­men und 48 ver­letzt wur­den, kam der vor­über­ge­hend fest­ge­nom­me­ne Pa­kis­ta­ner wie­der frei. Ge­ne­ral­bun­des­an­walt Pe­ter Frank teil­te ges­tern Abend mit, die bis­he­ri­gen Er­mitt­lungs­er­geb­nis­se hät­ten kei­nen drin­gen­den Tat­ver­dacht ge­gen den Be­schul­dig­ten er­ge­ben. Die­ser ha­be in ei­ner po­li­zei­li­chen Ver­neh­mung um­fang­rei­che An­ga­ben ge­macht, ei­ne Tat­be­tei­li­gung je­doch ve­he­ment be­strit­ten. Die kri­mi­nal­tech­ni­schen Un­ter­su­chun­gen hät­ten ei­ne An­we­sen­heit des Be­schul­dig­ten wäh­rend des Tat­ge­sche­hens im Füh­rer­haus des Last­wa­gens bis­lang nicht be­le­gen kön­nen, hieß es.

Aus Sicht der Er­mitt­lungs­be­hör­den spricht aber al­les da­für, dass es sich um ei­nen ter­ro­ris­ti­schen An­schlag ge­han­delt hat, was da­durch er­här­tet wird, dass sich in­zwi­schen die Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) zum An­schlag be­kannt hat. Das IS-Sprach­rohr Amak mel­de­te ges­tern am spä­ten Abend im In­ter­net, ein IS-Kämp­fer sei für den An­griff ver­ant­wort­lich ge­we­sen.

Der zu­nächst ver­däch­ti­ge 23-jäh­ri­ger Pa­kis­ta­ner, der En­de ver­gan­ge­nen Jah­res oh­ne Pass über die Bal­kan­rou­te nach Deutsch­land ge­kom­men war, war noch am Tat­abend von der Po­li­zei na­he der Ber­li­ner Sie­ges­säu­le fest­ge­nom­men wor­den. Ein Au­gen­zeu­ge hat­te ihn bei sei­ner Flucht durch den Ber­li­ner Tier­gar­ten ver­folgt und den No­t­ruf ge­wählt.

Der Last­wa­gen wur­de ges­tern vom Breit­scheid­platz ab­trans­por­tiert und vom Bun­des­kri­mi­nal­amt kri­mi­nal­tech­nisch auf Spu­ren un­ter­sucht. An­ge­sichts der neu­en La­ge rief der Ber­li­ner Po­li­zei­prä­si­dent die Be­völ­ke­rung auf, wach­sam zu blei­ben. Die Er­mitt­lun­gen könn­ten noch län­ger an­dau­ern. BKA-Chef Münch sag­te, da auch die Tat­waf­fe noch nicht ge­fun­den sei, sei sei­ne Be­hör­de „hoch­alar­miert“. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel, In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (bei­de CDU), Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er und Ber­lins Re­gie­ren­der Bür­ger­meis­ter Michael Mül­ler (bei­de SPD) be­such­ten ges­tern Nach­mit­tag den Tat­ort im Her­zen der Ci­ty-West, leg­ten Blu­men nie­der und lie­ßen sich von Ver­tre­tern der Si­cher­heits­be­hör­den über den Ablauf des Ge­sche­hens in­for­mie­ren. Am Abend fand ein Ge­denk­got­tes­dienst in der evan­ge­li­schen Ge­dächt­nis­kir­che statt, nach­dem es am Mit­tag be­reits ei­ne And­acht in der ka­tho­li­schen Hed­wigs­ka­the­dra­le ge­ge­ben hat­te. Zu­dem wur­de ges­tern Abend das Bran­den­bur­ger Tor in den Deutsch­land­far­ben an­ge­strahlt. Po­li­ti­ker al­ler Par­tei­en ver- ur­teil­ten den An­schlag, gleich­zei­tig ent­brann­te ei­ne neue De­bat­te über die Flücht­lings- und die Si­cher­heits­po­li­tik. Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck ap­pel­lier­te an den Zu­sam­men­halt der frei­heit­li­chen Ge­sell­schaft. „Der Hass der Tä­ter wird uns nicht zu Hass ver­füh­ren. Er wird un­ser Mit­ein­an­der nicht spal­ten“, sag­te er in Schloss Bel­le­vue. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel zeig­te sich er­schüt­tert. „Ich weiß, dass es für uns al­le be­son­ders schwer zu er­tra­gen wä­re, wenn sich be­stä­ti­gen wür­de, dass ein Mensch die­se Tat be­gan­gen hat, der in Deutsch­land um Schutz und Asyl ge­be­ten hat.“

CSU-Chef Horst See­ho­fer for­der­te Kon­se­quen­zen durch die Po­li­tik. „Wir sind es den Op­fern, den Be­trof­fe­nen und

Fol­gen­schwers­ter An­schlag in Deutsch­land

der ge­sam­ten Be­völ­ke­rung schul­dig, dass wir un­se­re ge­sam­te Zu­wan­de­rungs- und Si­cher­heits­po­li­tik über­den­ken und neu jus­tie­ren“, sag­te er in München. Der saar­län­di­sche In­nen­mi­nis­ter und der­zei­ti­ge Vor­sit­zen­de der In­nen­mi­nis­ter­kon­fe­renz, Klaus Bouillon (CDU), sprach gar von ei­nem „Kriegs­zu­stand“. Gleich­zei­tig kün­dig­te er ver­schärf­te Si­cher­heits­maß­nah­men an. Ges­tern hat­ten al­le Weih­nachts­märk­te in Ber­lin ge­schlos­sen. Im Süd­wes­ten ver­stär­ken Po­li­zei und Ver­an­stal­ter die Si­cher­heits­vor­keh­run­gen auf den Weih­nachts­märk­ten. „Die Po­li­zei­prä­senz wird an be­stimm­ten Punk­ten sicht­bar ver­stärkt wer­den“, sag­te In­nen­mi­nis­ter Strobl (CDU) in Stuttgart. Er und Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) zeig­ten sich be­stürzt über den An­schlag. Die Lan­des­re­gie­rung ord­ne­te Trau­er­be­flag­gung an.

Der badische Lan­des­bi­schof Jo­chen Cor­ne­li­us-Bund­schuh warn­te in ei­nem BNN-Interview vor un­über­leg­ten For­de­run­gen. „Zu­nächst ist es wich­tig, dass wir der Trau­er Raum ge­ben. Dass wir still wer­den kön­nen, um das un­fass­ba­re Grau­en ein­fach zu er­tra­gen,“, sag­te der evan­ge­li­sche Bi­schof und rief zu mehr Mit­ein­an­der und Auf­ein­an­der­zu­ge­hen auf. Un­ter­des­sen wur­den die Bahn­rei­sen­de in Köln kurz ge­schockt. Nach ei­ner Bom­ben­dro­hung muss­ten sie den Haupt­bahn­hof ver­las­sen. Die Po­li­zei fand bei der Durch­su­chung aber nichts Ver­däch­ti­ges und der Bahn­ver­kehr wur­de am Abend wie­der frei­ge­ge­ben.

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