Rück­fall in al­te Mus­ter

AfD mel­det sich schnell nach der Tat zu Wort

Pforzheimer Kurier - - TERRORANSCHLAG IN BERLIN - An­ne-Béatri­ce Clas­mann

Wäh­rend auf dem ver­wüs­te­ten Weih­nachts­markt in Ber­lin noch die To­ten fort­ge­tra­gen wer­den, lau­fen bei der AfD die Dräh­te heiß. Die Par­tei will auf das, was da ge­sche­hen ist, schnell re­agie­ren – vor al­lem, als Hin­wei­se auf­tau­chen, der mut­maß­li­che Tä­ter kön­ne als Asyl­be­wer­ber nach Deutsch­land ge­kom­men sein.

Da­bei ist das PR-De­sas­ter vom Ju­li noch in gu­ter Er­in­ne­rung. Da­mals hat­te Par­tei­spre­cher Chris­ti­an Lüth et­was vor­schnell auf Twit­ter ge­schrie­ben: „#AfD wäh­len! Schüs­se am Olym­pia Ein­kaufs­zen­trum: To­te in München – Po­li­zei spricht von aku­ter Ter­ror­la­ge“. Spä­ter stell­te sich her­aus, dass die­ses Blut­bad nicht von ei­ner Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ver­übt wor­den war, son­dern von ei­nem ein­sa­men Amok­schüt­zen.

Die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de Bea­trix von Storch – sonst für schnel­le, schril­le Tö­ne be­kannt – hält sich in den ers­ten St­un­den zu­rück. Der AfD-Bun­des­vor­stand war­tet dies­mal bis zum nächs­ten Mor­gen, be­vor Par­tei­che­fin Frau­ke Pe­try schreibt: „Die­ser Fall ist kein Ein­zel­fall und wird es nicht blei­ben.“Par­tei­vi­ze Alex­an­der Gau­land er­klärt: „Es gilt, be­son­nen und vor al­lem ver­nünf­tig auf den Ter­ror­an­schlag von Ber­lin zu re­agie­ren.“

Doch die­ser Wunsch ist schon längt kon­ter­ka­riert. Der Schnells­te ist Pe­trys Le­bens­ge­fähr­te Mar­cus Pret­zell. Der nord­rhein-west­fä­li­sche AfD-Vor­sit­zen­de schreibt nach dem An­schlag im Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter: „Wann schlägt der deut­sche Rechts­staat zu­rück? Wann hört die­se ver­fluch­te Heu­che­lei end­lich auf? Es sind Mer­kels To­te!“. Vie­le sind em­pört. Der stell­ver­tre­ten­de SPD-Chef Ralf Steg­ner kom­men­tiert sei­ner­seits auf Twit­ter: „Un­fass­bar und ekel­haft!“Sei­ne Par­tei­kol­le­gin, die Bun­des-In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te Ay­dan Özo­guz, meint: „Es ist wi­der­lich und zu ver­ach­ten, dass jetzt ei­ni­ge aus ei­ner sol­chen Gräu­el­tat po­li­ti­sches Ka­pi­tal schla­gen wol­len.“

Doch all das dürf­te die AfD nicht stö­ren. Schließ­lich steht in ih­rem ge­ra­de be­schlos­se­nen Stra­te­gie­pa­pier für den Bun­des­tags­wahl­kampf: „Die di­rek­te An­spra­che des ei­ge­nen Po­ten­zi­als hat Vor­rang vor dem Ap­plaus von Spe­zia­lis­ten, Me­di­en und In­ter­es­sen­grup­pen.“Wäh­rend die Bun­des­tags­par­tei­en stets be­to­nen, die Flücht­lin­ge, die seit 2015 nach Deutsch­land ge­kom­men sind, sei­en im Schnitt nicht kri­mi­nel­ler oder ge­fähr­li­cher als die rest­li­che Be­völ­ke­rung, be­dient sich die AfD ei­ner ganz an­de­ren Lo­gik. Die ba­den-würt­tem­ber­gi­sche AfD-Spit­zen­kan­di­da­tin, Ali­ce Wei­del, sag­te in ei­ner Talk­show, die Ge­fähr­dung ha­be durch die­se Zu­wan­de­rung zu­ge­nom­men. Des­halb sei Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) als Be­für­wor­te­rin der Flücht­lings­po­li­tik im­mer dann mit­schul­dig, wenn ei­ner die­ser Men­schen ei­ne Straf­tat be­ge­he.

Den Flücht­lings­an­drang hat­te Gau­land vor ei­nem Jahr als „Ge­schenk“für sei­ne Par­tei be­zeich­net. Das kam nicht bei al­len gut an. Auf den An­schlag in Ber­lin re­agiert die AfD des­halb vor­sich­ti­ger. Ei­ni­ge er­la­gen je­doch er­neut der Ver­su­chung, die Tat zu in­stru­men­ta­li­sie­ren.

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