Po­li­zei soll mehr Prä­senz zei­gen

Lan­des­re­gie­rung re­agiert be­stürzt / „Die Vor­ge­hens­wei­se ist nie­der­träch­tig und fei­ge“

Pforzheimer Kurier - - TERRORANSCHLAG IN BERLIN - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Es ge­be kei­nen Grund ängst­lich, wohl aber acht­sam zu sein, sagt Tho­mas Strobl. Er selbst wer­de auch künf­tig zu­sam­men mit sei­ner Frau auf Weih­nachts­märk­te ge­hen, um Wurst zu es­sen und Glüh­wein zu trin­ken, mach­te der Vi­ze-Re­gie­rungs­chef deut­lich. Zu­gleich weist der CDU-In­nen­mi­nis­ter die Po­li­zei aber an, ver­stärkt Prä­senz zu zei­gen. Au­ßer­dem wur­den in der Lan­des­haupt­stadt an mög­li­chen Zu­fahr­ten zum Weih­nachts­markt Bar­rie­ren auf­ge­stellt, um die Zu­fahrt für Au­tos zu ver­hin­dern. Auch be­rit­te­ne Be­am­ten zeig­ten in

Trau­er­be­flag­gung im gan­zen Land

Stuttgart ne­ben Po­li­zis­ten mit Ma­schi­nen­pis­to­len Prä­senz. Ähn­li­ches gilt für die Weih­nachts­märk­te in der Re­gi­on, von de­nen ei­ni­ge al­ler­dings schon ge­schlos­sen ha­ben oder oh­ne­hin nur noch bis mor­gen of­fen sind. Die Lust auf Weih­nachts­markt dürf­te nach dem An­schlag in Ber­lin bei Be­su­chern und Händ­lern oh­ne­hin ge­dämpft sein.

Mit Be­stür­zung re­agiert Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) auf den Ter­ror­an­schlag. „Wir sind schwer er­schüt­tert“, sagt der Pre­mier nach der gest­ri­gen Ka­bi­netts­sit­zung, bei der die Lan­des­re­gie­rung mit ei­ner Trau­er­mi­nu­te der Op­fer ge­dacht hat­te. Kret­sch­mann ord­ne­te als Zei­chen der An­teil­nah­me Trau­er­be­flag­gung an den Di­enst­ge­bäu­den des Lan­des an. „Die Vor­ge­hens­wei­se ist ver­ab­scheu­ungs­wür­dig, nie­der­träch­tig und fei­ge“, sagt Strobl mit Blick auf die Amok-Fahrt in ei­nem ge­ka­per­ten 40-Ton­ner. Ein sol­ches Er­eig­nis hin­ter­las­se Ve­r­un­si­che­rung und Angst, räumt er ein. Das Land tue aber al­les, um ei­ne ähn­li­che Tat in Ba­denWürt­tem­berg zu ver­hin­dern. Es sei sehr wohl denk­bar, dass Po­li­zei­be­am­te ei­nen in ver­bre­che­ri­scher Ab­sicht ge­steu­er­ten Last­wa­gen stop­pen könn­ten, zeig­te sich Strobl über­zeugt. Gleich­wohl kön­ne es kei­ne hun­dert­pro­zen­ti­ge Si­cher­heit ge­ben, räum­te der In­nen­mi­nis­ter ein. Die Ein­schät­zung des Vor­sit­zen­den der In­nen­mi­nis­ter­kon­fe­renz, des Saar­brü­cker Res­sort­chefs Klaus Bouillon, Deutsch­land sei „im Kriegs­zu­stand“kom­men­tier­te Strobl dis­tan­ziert: Krieg sei in Alep­po. Auch auf den Jah­res­wech­sel sei­en die Si­cher­heits­be­hör­den des Lan­des vor­be­rei­tet. Stutt­garts Ober­bür­ger­meis­ter Fritz Kuhn (Grü­ne) stellt klar, dass der Weih­nachts­markt in der Lan­des­haupt­stadt wie ge­plant bis Frei­tag wei­ter­ge­he. Wer ihn jetzt ab­sa­gen wol­le, ge­be ge­gen­über den Ter­ro­ris­ten nach. „Der furcht­ba­re An­schlag macht uns fas­sungs­los“, er­klärt Jus­tiz­mi­nis­ter Gui­do Wolf (CDU). Die Tat von Ber­lin füh­re schmerz­haft vor Au­gen, mit wel­chen im­men­sen Her­aus­for­de­run­gen die Si­cher­heits- und Jus­tiz­be­hör­den kon­fron­tiert sei­en. Es müs­se nun al­les ge­tan wer­den, um den An­schlag und sei­ne Hin­ter­grün­de auf­zu­klä­ren. CDU-Frak­ti­ons­chef Wolf­gang Rein­hart sprach von ei­nem „An­griff auf die west­li­che Welt und un­se­re Wer­te. Es ge­he nun dar­um, die Ge­sell­schaft für ein Le­ben in ei­ner frei­en Welt best­mög­lich zu schüt­zen.

Für Jörg Meu­then, den Bun­des­spre­cher und Vor­sit­zen­den der Land­tags­AfD, ist der „Krieg ge­gen die Wer­te des auf­ge­klär­ten Eu­ro­pas in Deutsch­land an­ge­kom­men“. Meu­then zeig­te sich schon früh über­zeugt da­von, „dass ein Flücht­ling aus Pa­kis­tan, der an­geb­lich hier Schutz such­te, die­sen ab­scheu­li­chen An­schlag be­gan­gen hat.“Meu­then at­tes­tier­te Kanz­le­rin Mer­kel „hoh­le Phra­sen zu dre­schen.“Am Nach­mit­tag wird be­kannt, dass der ver­däch­ti­ge Pa­kis­ta­ni mit dem An­schlag wohl nichts zu tun hat.

Der frü­he­re Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te der Grü­nen und jet­zi­ge Vor­sit­zen­de des Bun­des­zu­wan­de­rungs- und In­te­gra­ti­ons­rats, Me­met Ki­lic, be­tont, nun sei­en So­li­da­ri­tät und Ent­schie­den­heit ge­fragt, an­statt Angst und Hass.

POLIZEIPATROUILLE: Der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl hat die Po­li­zei ges­tern an­ge­wie­sen, auf den Weih­nachts­märk­ten mas­si­ve Prä­senz zu zei­gen. Foto: dpa

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