Gut ge­schenkt

Das (dop­pel­te) Ge­schäft mit Ge­schenk­gut­schei­nen und Ti­ckets

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von He­len Hoff­mann und Dirk Neu­bau­er

Bre­men/Karls­ru­he. Wer auf Num­mer si­cher ge­hen will, schenkt ei­nen Gut­schein. Das ist be­quem, spart Zeit und ver­hin­dert ei­nen Fehl­kauf. Doch ist es tat­säch­lich im­mer der Be­schenk­te, der am meis­ten da­von pro­fi­tiert? Nein, denn ein er­heb­li­cher Teil der Gut­schei­ne wird nie ein­ge­löst.

„Für Händ­ler ist das ein sehr lu­kra­ti­ves Ge­schäft“, sagt der Mar­ke­ting­wis­sen­schaft­ler Thorsten Hen­nig-Thurau von der Uni­ver­si­tät Müns­ter. Ihm zu­fol­ge liegt die Ver­falls­quo­te von Ge­schenk-Gut­schei­nen zwi­schen zehn und 50 Pro­zent. In­zwi­schen bie­tet na­he­zu je­des Ge­schäft Gut­schei­ne zum Ver­schen­ken an. Für Un­ter­neh­men sei das ei­ne pro­fes­sio­nel­le Mar­ke­ting-Me­tho­de und ein Mit­tel der Kun­den­bin­dung, er­klärt Hen­nig-Thurau.

Nach An­ga­ben des Han­dels­ver­ban­des Deutsch­land (HDE) ma­chen die Händ­ler das gro­ße Gut­schein-Ge­schäft in der Vor­weih­nachts­zeit. Den größ­ten Um­satz ge­be es im No­vem­ber und De­zem­ber, sagt ein Spre­cher. „Zu Weih­nach­ten ist das In­ter­es­se der Kun­den an Gut­schei­nen in et­wa dop­pelt so groß wie sonst“, meint auch Hen­nig-Thurau. Ge­ne­rell sei das In­ter­es­se an Gut­schei­nen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nur leicht ge­wach­sen. „Es gibt ei­nen ge­wis­sen Pro­zent­satz an Men­schen, die Gut­schei­ne ver­schen­ken, um die­se wird nun in­ten­si­ver ge­run­gen.“

Ein Ren­ner sind – vor al­lem in die­sen Wo­chen – auch die di­ver­sen Ge­schenk­gut­schei­ne, die Karls­ru­hes Ci­ty-Ma­na­ger Sa­scha Bi­noth in­iti­iert hat. Vor al­lem der in der Groß­re­gi­on er­hält­li­che „Re­gio-Ge­schenk­gut­schein“ist po­pu­lär. Mit ihm wur­den nach frü­he­ren An­ga­ben Bi­no­ths 2015 über 1,8 Mil­lio­nen Eu­ro er­löst. Bei die­sem Gut­schein hat der Be­scher­te die Wahl; er kann ihn bei 850 An­nah­me­stel­len zwi­schen Spey­er und Freu­den­stadt ein­lö­sen. Ne­ben dem Ein­zel­han­del ge­hö­ren da­zu et­wa auch Kul­tur- und Sport­stät­ten. Bi­noth will mit dem re­gio­na­len Gut­schein­sys­tem den hie­si­gen Ein­zel­han­del stär­ken.

Bei Ver­an­stal­tungs­ti­ckets ist die La­ge ähn­lich wie bei Gut­schei­nen – nicht je­des Ti­cket wird ein­ge­löst. In vie­len Fäl­len ver­su­chen die Kar­ten­in­ha­ber al­ler­dings ih­re Ti­ckets wei­ter­zu­ver­kau­fen. Man­ches Un­ter­neh­men hat dar­in ein Ge­schäfts­mo­dell er­kannt. So hat der Ti­cket­händ­ler CTS Even­tim das nach ei­ge­nen An­ga­ben ers­te deut­sche In­ter­ne­tPor­tal spe­zi­ell für den Wei­ter­ver­kauf von Ver­an­stal­tungs­ti­ckets auf­ge­baut. Das Un­ter­neh­men mit Sitz in München, das 2015 rund 89 Mil­lio­nen Eu­ro Ge­winn er­ziel­te, bie­te mit dem In­ter­ne­tPor­tal „Fan­sa­le“seit 2007 ei­nen „trans­pa­ren­ten und si­che­ren Markt­platz“.

Kos­ten­los ist das An­ge­bot al­ler­dings nicht: „Vor al­lem Sie als Käu­fer pro­fi­tie­ren von un­se­ren zu­sätz­li­chen Ser­vices und Ga­ran­ti­en, wel­che von der Pro­vi­si­ons­pau­scha­le in Hö­he von der­zeit 15 Pro­zent ab­ge­deckt wer­den“, heißt es auf der In­ter­net-Sei­te. Für Ver­käu­fer wird ei­ne Pau­scha­le von zehn Pro­zent fäl­lig. An­ga­ben zur Zahl der Nut­zer, Händ­ler und ver­kauf­ten Ti­ckets und Gut­schei­ne macht CTS Even­tim nicht. Für Mar­ke­ting­ex­per­te Hen­nig-Thurau sind Pro­vi­si­ons­pau­scha­len von zehn und 15 Pro­zent nicht zu recht­fer­ti­gen. „Der An­bie­ter ver­dient an der miss­li­chen La­ge, dass Kun­den ei­nen Ter­min nicht wahr­neh­men kön­nen.“Mit dem Wei­ter­ver­kauf von Gut­schei­nen und Ti­ckets wird vie­ler­orts Geld ver­dient. „So­wohl Ti­ckets als auch Gut­schei­ne sind be­lieb­te Ar­ti­kel bei Ebay“, sag­te ei­ne Spre­che­rin. Das Ebay-Toch­ter­un­ter­neh­men Stub­hub hat sich auf Ti­ckets spe­zia­li­siert.

Po­pu­lä­rer Re­gio-Ge­schenk­gut­schein

MIT GUT­SCHEI­NEN und Ver­an­stal­tungs­ti­ckets lässt sich viel Geld ver­die­nen. Man­che Fir­men ha­ben sich auf den Wei­ter­ver­kauf spe­zia­li­siert. Über Platt­for­men kön­nen Kun­den ih­re Kon­zert­kar­te si­cher wei­ter­ver­kau­fen – wenn sie ei­ne Ge­bühr be­zah­len. Foto: dpa

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