„Wir strei­cheln die Tie­re auch nicht zu To­de“

Im­mer mehr Frau­en ge­hen auf die Jagd / An­teil in Jagd­schu­len liegt bei über 20 Pro­zent

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Franz Lech­ner

Karls­ru­he. Su­san­ne Kai­ser-Sch­mitt re­det nicht gern um den hei­ßen Brei her­um. „Ich bin nicht Jä­ge­rin ge­wor­den, um Tie­re zu be­ob­ach­ten, ich bin Jä­ge­rin weil ich ger­ne ja­ge“, be­tont die re­so­lu­te Frau und fügt dann mit ent­waff­nen­der Lo­gik hin­zu „zum Tie­re Be­ob­ach­ten bräuch­te ich ja kei­ne Waf­fe“. Die Jagd­päch­te­rin aus Wie­sen­bach ist Ob­frau des Jä­ge­rin­nen­fo­rums für den Re­gie­rungs­be­zirk Karls­ru­he und al­lein die­ser Ti­tel zeigt: Es hat sich gründ­lich was ge­än­dert in der Jä­ger­schaft des Lan­des.

Ei­ne Ob­frau für Jä­ge­rin­nen wä­re vor we­ni­gen Jahr­zehn­ten noch ziem­lich ein­sam ge­we­sen in der da­mals von Män­nern do­mi­nier­ten Jä­ger­schaft. Noch in den sieb­zi­ger Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts war ei­ne Frau in ei­ner Jagd­ge­sell­schaft noch et­was Exo­ti­sches. Deut­lich we­ni­ger als ein Pro­zent al­ler Jä­ger wa­ren da­mals weib­lich und noch vor zwan­zig Jah­ren lag ihr An­teil ge­ra­de mal bei ei­nem Pro­zent. Frau­en, die in ih­rer Frei­zeit Tie­re tö­ten, das schien lan­ge Zeit ein­fach nicht zu­sam­men zu pas­sen. Und die we­ni­gen Frau­en, die sich auch schon in den sieb­zi­ger Jah­ren in die­ses Män­ner­ge­schäft wag­ten, wur­den nicht nur von ih­ren ei­ge­nen Ge­schlechts­ge­nos­si­nen schräg an­ge­schaut „Frü­her wur­den Frau­en, die zur Jagd gin­gen, häu­fig als Fl­in­ten­wei­ber be­schimpft“, er­in­nert sich Eli­sa­beth Keil, Lan­des­ob­frau des Jä­ge­rin­nen­fo­rums und Kreis­jä­ger­meis­te­rin der Jä­ger­ver­ei­ni­gung Frei­burg, an die Zeit als die Jagd noch ei­ne rei­ne Män­ner­ge­sell­schaft war.

Das hat sich gründ­lich ge­än­dert. Frau­en er­obern der­zeit mit der Jagd ei­ne der letz­ten Män­ner­bas­tio­nen. „Mehr als zehn Pro­zent al­ler ba­den­würt­tem­ber­gi­schen Jä­ger sind in­zwi­schen weib­lich“, be­rich­tet die Jä­ge­rin De­ni­se Reb­stock, die für den Lan­des­jagd­ver­band ei­ne Face­book Sei­te be­treut. Noch deut­li­cher wird die Ent­wick­lung, wenn man die Zah­len der ver­schie­de­nen Jagd­schu­len be­trach­tet, in de­nen die an­ge­hen­den Waid­män­ner auf die Jä­ger­prü­fung vor­be­rei­tet wer­den. „Da liegt der An­teil an Frau­en ak­tu­ell so­gar schon über 20 Pro­zent“, sagt Reb­stock. Von Fl­in­ten­wei­bern spre­che da schon lan­ge kei­ner mehr. Auch wenn Frau­en nicht grund­sätz­lich an­ders jag­ten als Män­ner. „Wir strei­cheln die Tie­re auch nicht zu To­de“, sagt Su­san­ne Kai­ser-Sch­mitt. Und wie al­le Jä­ger müs­sen auch Frau­en das er­leg­te Reh oder Wild­schwein nach der Jagd auf­bre­chen, al­so auf­schnei­den und die Ein­ge­wei­de aus dem Kör­per ho­len. Ei­ne Ar­beit, bei der man sich zwangs­läu­fig blu­ti­ge Hän­de holt. „Das ge­hört zur Jagd da­zu“, sagt Eli­sa­beth Keil.

Die Kreis­jä­ger­meis­te­rin glaubt, dass Frau­en die­se Ar­beit so­gar be­son­ders sorg­fäl­tig aus­füh­ren. „Schließ­lich sind wir es, die das er­leg­te Wild dann als Sonn­tags­bra­ten zu­be­rei­ten“, meint sie. Dass Frau­en dies mög­li­cher­wei­se noch öf­ter tun als Män­ner, ist aber nicht der ein­zi­ge Un­ter­schied zwi­schen den „Waid­frau­en“und ih­ren männ­li­chen Kol­le­gen. „Wir Jä­ge­rin­nen prü­fen ge­nau, be­vor der Schuss fällt, wir war­ten lie­ber auf ei­ne nächs­te Ge­le­gen­heit, be­vor wir et­was ris­kie­ren“, meint Keil.

Rich­tig deut­lich wird der Un­ter­schied zwi­schen Waid­män­nern und -frau­en aber erst, wenn die Frau­en un­ter sich sind. Bei­spiels­wei­se bei den Aus­flü­gen oder Jag­den, die das Jä­ge­rin­nen­fo­rum spe­zi­ell für Frau­en or­ga­ni­siert. Jä­ger­la­tein und an­de­re „Hel­den­ge­schich­ten“sind dann kein The­ma. „Wir be­spre­chen un­ter­ein­an­der die Aus­bil­dung un­se­rer Jagd­hun­de, re­den über un­se­re Kin­der oder über das Zu­be­rei­ten von Wild­ge­rich­ten“, er­zählt Eli­sa­beth Keil.

Von „Fl­in­ten­wei­bern“spricht lan­ge kei­ner mehr

DE­NI­SE REB­STOCK be­treut für den Lan­des­jagd­ver­band ei­ne Face­book Sei­te. Foto: Lech­ner

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