Neue Di­no­sau­ri­er­art?

Schwei­zer For­scher­team ist da­von über­zeugt

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO -

Es war ei­ne an­de­re Welt: Was wir heu­te als Mit­tel­eu­ro­pa ken­nen, war be­wach­sen von Wäl­dern aus Far­nen, in den Flüs­sen leb­ten Lun­gen­fi­sche. Ir­gend­wann in die­sen war­men Ta­gen vor 205 bis 210 Mil­lio­nen Jah­ren muss ein Tier ge­lebt ha­ben, das ei­nen lan­gen Hals hat­te, kräf­ti­ge Hin­ter­bei­ne und von die­sen Far­nen fraß. Ei­ni­ge Ex­em­pla­re star­ben in ei­nem Fluss­bett na­he des heu­ti­gen Schleit­heim im Schwei­zer Kan­ton Schaff­hau­sen. Dort ver­stei­ner­ten ih­re Kno­chen und tauch­ten heu­te wie­der auf. Da­von ist ein Schwei­zer For­scher­team über­zeugt.

Für Gra­bungs­lei­ter Heinz Fur­rer ist klar: Was er im Ok­to­ber mit der Na­tur­for­schen­den Ge­sell­schaft Schaff­hau­sen (NGSH) ent­deckt hat, hat sonst noch kei­ner ge­fun­den. „Mit ho­her Wahr­schein­lich­keit han­delt es sich bei un­se­rem Fund um ei­ne neue Di­no­sau­ri­er­art“, sagt er. Und zwar um ei­ne ziem­lich frü­he. Wä­re dem tat­säch­lich so, müss­te die Ge­schich­te die­ser Epo­che um­ge­schrie­ben wer­den: Es wä­re doch ein Hin­weis, dass es schon zu die­ser ver­hält­nis­mä­ßig frü­hen Zeit mehr Di­no­sau­ri­er­ar­ten gab als bis­lang an­ge­nom­men.

Bis­lang muss man mit sol­chen Aus­sa­gen al­ler­dings noch im Kon­junk­tiv blei­ben, denn als of­fi­zi­ell ent­deckt gilt ei­ne neue Di­noArt erst dann, wenn es zu dem Fund ei­ne of­fi­zi­el­le Pu­bli­ka­ti­on gibt. Da­mit das mög­lich ist, müs­sen die ent­deck­ten Kno­chen aber ge­nau un­ter­sucht und be­stimmt wer­den. „Aber so weit sind wir noch nicht. Der­zeit wer­den die Kno­chen von ei­nem Spe­zia­lis­ten prä­pa­riert.“Bis zur Pu­bli­ka­ti­on könn­ten noch ei­ni­ge Mo­na­te ver­ge­hen. Grund zum Op­ti­mis­mus gibt der Fund­ort: Be­reits vor mehr als 60 Jah­ren grub man auf dem Acker Di­no­sau­ri­er­kno­chen aus, die lan­ge ei­ner noch äl­te­ren Spe­zi­es zu­ge­hö­rig schie­nen: Ent­we­der dem Gress­lyo­sau­raus, der schon vor 220 Mil­lio­nen Jah­ren leb­te oder ei­nem eben­so al­ten Pla­teo­sau­rus – da wech­sel­te die For­schung zwi­schen­durch die Mei­nung. „Vor ei­nem Jahr hat man dann den Fund von da­mals ein wei­te­res Mal un­ter­sucht und neu be­wer­tet. Of­fen­sicht­lich han­delt es sich um ei­ne neue Gat­tung und Art“, sagt der Pa­lä­on­to­lo­ge.

In die­sem Zu­sam­men­hang sei auch das In­ter­es­se am Fund­ort wie­der auf­ge­flammt. Mit ein paar Frei­wil­li­gen gru­ben die For­scher ei­ni­ge Wo­chen im Ok­to­ber. Der Fund: Ei­ne Hand­voll Kno­chen. Wahr­schein­lich von meh­re­ren Ex­em­pla­ren der­sel­ben Art. Viel ist es nicht, was die For­scher zu­ta­ge ge­bracht ha­ben, aber es soll­te für die Be­stim­mung der Art rei­chen. „Wir ha­ben zwei Rumpf­wir­bel ge­fun­den, drei ver­schie­den gro­ße Schwanz­wir­bel, ei­nen Ober­arm­kno­chen so­wie ei­ne Rip­pe. Hin­zu kom­men ei­ni­ge wei­te­re, noch un­be­stimm­te Kno­chen­frag­men­te“, sagt Heinz Fur­rer. Das sei bei Di­no­sau­ri­er-Fun­den meis­tens so, ins­be­son­de­re bei den äl­tes­ten Ver­tre­tern aus der spä­ten Tri­as. „Dass man ein kom­plet­tes Di­no­sau­ri­er-Ske­lett fin­det, ist ex­trem sel­ten.“Noch ha­ben die For­scher kei­ne Vor­stel­lung da­von, wie das Tier in Gän­ze ein­mal aus­ge­se­hen ha­ben könn­te – hof­fen aber, die­se im Ver­gleich mit Kno­chen an­de­rer Di­no­sau­ri­er­ar­ten be­kom­men zu kön­nen. Die Spe­zia­lis­ten ge­hen da­von aus, dass es sich um ei­ne Art han­delt, aus de­nen sich vie­le Mil­lio­nen Jah­re spä­ter Gat­tun­gen wie Bra­chio­sau­rus oder Apa­to­sau­rus ent­wi­ckel­ten – je­ne gi­gan­ti­schen Pflan­zen­fres­ser, die je­des Kind kennt. epd

Kno­chen­fun­de im Kan­ton Schaff­hau­sen

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