„Ich fie­be­re mit je­der Dar­bie­tung mit“

Mo­ni­ka Sper­lich ist ein Zir­kus­kind – und führt beim Karls­ru­her Weih­nacht­scir­cus Re­gie

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO -

Karls­ru­he. Der Zir­kus ist ih­re Welt: Mo­ni­ka Sper­lich ist in ei­ner Zir­kus­fa­mi­lie auf­ge­wach­sen, stand selbst schon mit meh­re­ren Num­mern in der Ma­ne­ge und führt in­zwi­schen beim Karls­ru­her Weih­nacht­scir­cus Re­gie. Mit ihr sprach BNN-Re­dak­teur Bernd Kam­leit­ner.

Für den Weih­nacht­scir­cus ist es das ach­te Gast­spiel. Für Sie be­deu­tet das, dass Sie wie­der­um Weih­nach­ten und den Jah­res­wech­sel in Karls­ru­he ver­brin­gen. Wie hei­misch füh­len Sie sich hier?

Sper­lich: Wir füh­len uns schon sehr hei­misch. Auch wenn wir nur an Karls­ru­he vor­bei­fah­ren den­ken wir dar­an. An Weih­nach­ten und Sil­ves­ter füh­len wir uns in Karls­ru­he so­gar schon ein biss­chen mehr hei­misch als Zu­hau­se. (lacht).

Was schät­zen Sie an der Stadt?

Sper­lich: Das Karls­ru­her Schloss fin­de ich traum­haft. Auf der dor­ti­gen Eis­bahn ge­he ich öf­ter Schlitt­schuh lau­fen. Auch der Karls­ru­her Weih­nachts­markt ge­fällt mir sehr gut. Vor ein paar Ta­gen wa­ren wir da mit der gan­zen Mann­schaft.

Das Karls­ru­her Schloss soll Be­stand­teil ei­ner Num­mer in der Ma­ne­ge sein …

Sper­lich: Das ist un­se­re Über­ra­schung in die­sem Pro­gramm. Wir ha­ben ei­nen Sand­ma­ler, den man so im Zir­kus ei­gent­lich noch nie ge­se­hen hat. Ein Mo­tiv wird das Karls­ru­her Schloss sein. Was er in den Sand malt, wird li­ve auf Lein­wän­de pro­ji­ziert, da­mit es die Zu­schau­er gut se­hen kön­nen.

Das Pro­gramm ist in die­ser Zu­sam­men­stel­lung so nur in Karls­ru­he zu se­hen. Wie wer­den Sie denn auf die Ar­tis­ten auf­merk­sam?

Sper­lich: Es gibt Zir­kus­fes­ti­vals, die wir be­su­chen. Ei­nes der be­kann­tes­ten ist in Mon­te Car­lo mit der höchs­ten Aus­zeich­nung, die es in der Zir­kus­welt gibt. Da kom­men die Bes­ten der Bes­ten hin. Wir neh­men dann vor Ort Kon­takt mit den Künst­lern auf, die wir ger­ne ver­pflich­ten wür­den. Was macht in Ih­ren Au­gen ei­ne be­son­de­re gu­te Zir­kus­num­mer aus?

Sper­lich: Sie muss Sym­pa­thie mit­brin­gen. Es ist nicht nur der drei­fa­che Sal­to, der stim­men muss, son­dern das Ge­samt­bild macht die Num­mer aus, al­so auch Ko­s­tüm und Mu­sik. Beim Weih­nacht­scir­cus ver­pa­cken wir das mit Li­ve-Mu­sik und Ge­sang, da­mit die tol­le Num­mer noch spek­ta­ku­lä­rer wird.

Sie stam­men selbst aus ei­ner Zir­kus­fa­mi­lie. Ha­ben sie per­sön­li­che Fa­vo­ri­ten?

Sper­lich: In die­sem Jahr sind wir ganz stolz, dass wir die Trup­pe Fi­li­nov mit der dop­pel­ten Rus­si­schen Schau­kel und atem­be­rau­ben­den Sprün­gen prä­sen­tie­ren kön­nen. Dar­auf ha­ben wir acht Jah­re ge­war­tet. Ich ha­be jetzt schon Gän­se­haut, wenn ich dar­an den­ke, dass die bei uns auf­tre­ten.

Fie­bern Sie als Re­gis­seu­rin in je­der Vor­stel­lung bei den Num­mern mit?

Sper­lich: Na­tür­lich. Ich bin selbst Ar­tis­tin und weiß, wie schwer das mit Kunst­stü­cken ist, die li­ve in der Ma­ne­ge ge­zeigt wer­den. Wenn dann das Zelt voll ist, hat man noch mehr Ner­ven­kit­zel, bei der Pre­mie­re so­wie­so. Ich fie­be­re stets mit al­len Dar­bie­tun­gen mit – und da­von gibt es in je­der Vor­stel­lung elf.

Krib­belt es manch­mal beim Zu­schau­en und Sie hät­ten Lust, wie­der selbst auf­zu­tre­ten?

Je zwei Kar­ten für die Vor­stel­lung des Karls­ru­her Weih­nacht­scir­cus am 23. De­zem­ber, 15.30 Uhr, ge­hen an: Su­san­ne Amend (Ub­stadt-Wei­her), Si­mon Bi­ckel (Gr­a­ben-Neu­dorf), Ralph Es­sig (Rhein­au), Bir­git Haitz (Eg­gen­stein), An­ke Henz (Karls­ru­he), Ani­ta Ma­rent (Öl­bronn-Dürrn), Andrea Mau­tes (Bühl), In­grid Pel­lin (Ett­lin­gen), Hans-Joa­chim Rei­ber (Bret­ten) und Markus Ring (Neuthard). Für die Ge­win­ner gibt es zu­dem bei ei­ner Füh­rung ei­nen ex­klu­si­ven Blick hin­ter die Zir­kus­ku­lis­sen. Herz­li­chen Glück­wunsch! kam Sper­lich: Seit zwei Jah­ren war ich als Ar­tis­tin nicht mehr in der Ma­ne­ge, son­dern nur noch als Mo­de­ra­to­rin. Es krib­belt aber schon und ich möch­te auch wie­der was Neu­es ma­chen. Ich wür­de ger­ne mal in die Luft ge­hen. Mal se­hen, vi­el­leicht klappt es in den nächs­ten Jah­ren. Da­für ist har­tes Trai­ning von zwei bis drei St­un­den täg­lich er­for­der­lich. In der Ver­gan­gen­heit bin ich mit See­lö­wen, als Hu­la-Ho­op-Ar­tis­tin und auf dem Draht­seil auf­ge­tre­ten. Die Hu­la-Ho­opNum­mer ha­be ich von mei­ner Mut­ter ge­lernt, das Draht­seil­lau­fen von mei­nem Va­ter.

Wie wich­tig ist der Clown für den Zir­kus?

Sper­lich:

Sehr wich­tig! Es gibt spek­ta­ku­lä­re Num­mern und viel Ner­ven­kit­zel im Zir­kus, aber das wah­re Ko­mik­fee­ling kommt mit den Clowns: Man kann la­chen und hat Spaß.

Im­mer mehr Men­schen äu­ßern sich da­ge­gen kri­tisch zum Auf­tritt von Wild­tie­ren wie Ele­fan­ten oder Raub­tie­ren im Zir­kus. Wie ste­hen Sie da­zu?

Sper­lich: Ich bin ein Zir­kus­kind und lie­be die Tie­re im Zir­kus wie den Clown. Schwar­ze Scha­fe bei der Hal­tung von Tie­ren gibt es nicht nur im Zir­kus. Wir ach­ten aber schon bei der Aus­wahl von Ti­er­num­mern dar­auf, wie die Tie­re ge­hal­ten wer­den und schau­en uns das vor ei­ner Ver­pflich­tung ge­nau an. Vor Ort kon­trol­liert das auch der Amt­s­tier­arzt.

Beim Weih­nacht­scir­cus steht na­tür­lich das Pro­gramm in der Ma­ne­ge im Mit­tel­punkt. Aber auch drum­her­um und im Vor­zelt glit­zert und leuch­tet es …

Sper­lich: Es heißt ja Weih­nacht­scir­cus. Des­halb le­gen wir sehr gro­ßen Wert dar­auf und ver­su­chen, so viel Weih­nachts­zau­ber wie mög­lich auch in die Show zu brin­gen. Lich­ter­ket­ten, Weih­nachts­bäu­me und – ku­geln und vie­les mehr im Foy­er­zelt ge­hö­ren auch da­zu.

In Ver­ei­nen und an Schu­len gibt es Mit­mach­zir­kus­se für Kin­der. Be­ob­ach­ten Sie sol­che An­ge­bo­te?

Sper­lich: Ich fin­de das wirk­lich toll – nicht nur aus der Sicht des Zir­kus­un­ter­neh­mens. Ich ha­be schon vie­le sol­cher Dar­bie­tun­gen ge­se­hen. Die Kin­der sind be­geis­tert da­bei. Da sieht man, dass Kin­der sich am Zir­kus er­freu­en und ihn auch wol­len.

Der Weih­nacht­scir­cus will ein Pro­gramm für die gan­ze Fa­mi­lie bie­ten. Gibt es Un­ter­schie­de in der Pu­bli­kums­re­so­nanz zwi­schen ei­ner Nach­mit­tags­vor­stel­lung mit vie­len Kin­dern und der Show am Abend mit vor­wie­gend Er­wach­se­nen?

Sper­lich: Die gibt es, be­son­ders bei den Clowns oder bei Ti­er­num­mern. Die Er­wach­se­nen se­hen mehr die Kunst und die Kin­der freu­en sich schon rie­sig, wenn zwei Po­nys in die Ma­ne­ge lau­fen. Dann wür­den sie am liebs­ten hin­lau­fen und die Tie­re strei­cheln.

LEBT FÜR DEN ZIR­KUS: Mo­ni­ka Sper­lich stand als Ar­tis­tin auch schon beim Weih­nacht­scir­cus in der Ma­ne­ge. Foto: Mo­ri Mon­tei­ro

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