RB ver­leiht Re­fle­xe

Vor dem Bun­des­li­ga-Gip­fel zei­gen die Bay­ern ge­wohn­te Ver­hal­tens­mus­ter, die sich bei Miss­er­folg noch ver­stär­ken

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

München (ros). Car­lo An­ce­lot­ti nahm Platz, sag­te, dass nur der an der Schul­ter ope­rier­te Jé­rô­me Boateng und Kings­ley Co­man ge­gen RB Leip­zig nicht spie­len könn­ten, dass man die „eigene Qua­li­tät auf den Platz brin­gen“so­wie „un­se­ren Stil“zei­gen müs­se, und dass das heu­ti­ge Top-Spiel „wich­tig“, aber „nicht ent­schei­dend“sei, weil die Sai­son noch lang ist. „Aber wir wol­len das Spiel ge­win­nen, das ist klar“, sag­te der Trai­ner des FC Bay­ern ges­tern.

Der Ita­lie­ner ist gut be­ra­ten, den punkt­glei­chen Kon­kur­ren­ten nicht zu­sätz­lich an­zu­sta­cheln. Sein Ar­beit­ge­ber hat dies oh­ne­hin ge­tan, und dass die Münch­ner Ver­hal­tens­mus­ter zu­ver­läs­sig grei­fen, hat­te sich schon vor der Rück­kehr von Uli Ho­en­eß be­stä­tigt.

„Wie ich Herrn Ma­te- schitz ken­ne, wird er, wenn es an Weih­nach­ten not­wen­dig ist, noch ein paar Mil­li­ön­chen drauf­le­gen“, hat­te der FCB-Prä­si­dent über den Mil­li­ar­där des Her­aus­for­de­rers ge­sagt. Auch den Hin­weis, „die ha­ben na­tür­lich den Vor­teil, dass sie wäh­rend der Wo­che im­mer auf der Couch lie­gen, wenn wir im Cham­pi­ons-Le­ague-Rhyth­mus sind“, woll­te sich Ho­en­eß nicht ver­knei­fen. Eben­so we­nig die An­sa­ge, man ha­be ne­ben Bo­rus­sia Dort­mund nun ei­nen zwei­ten Ri­va­len, den man „at­ta­ckie­ren“und „rich­tig be­kämp­fen“kön­ne.

RB ver­leiht Re­fle­xe. Es ist ei­ne Re­ak­ti­on, die sich bei den Münch­nern ähn­lich zu­ver­läs­sig ein­stellt wie das Ok­to­ber­fest. So ließ sich auch Ho­en­eß’ jüngs­te Elo­ge im ki­cker auf Leip­zigs Trai­ner Ralph Ha­sen­hüttl wer­ten. „Wenn wir ir­gend­wann ein­mal ei­nen deutsch­spra­chi­gen Trai­ner su­chen soll­ten, ge­hört er mit Si­cher­heit zu den drei Kan­di­da­ten, über die man nach­den­ken muss“, sag­te er. Ei­ne De­bat­te im La­ger des Geg­ners zu streu­en, ge­hört zu sei­nem Stra­te­gie­mus­ter wie das Ab­wer­ben wich­ti­ger Säu­len aus dem ki­cken­den Per­so­nal. Da macht es kei­nen Un­ter­schied, dass die Münch­ner Trans­fers her­aus­ra­gen­der Spie­ler nicht als ge­ziel­te Schwä­chung der Kon­kur­renz ver­stan­den wis­sen wol­len, son­dern als Stär­kung des ei­ge­nen Ka­ders. Der Ne­ben­ef­fekt wird den­noch gern mit­ge­nom­men. Der Ta­bel­len­drit­te TSG Hof­fen­heim muss sich dar­auf ge­ra­de we­gen Se­bas­ti­an Ru­dy und Ni­k­las Sü­le vor­be­rei­ten, die bei den Bay­ern für die kom­men­de Sai­son im Wort ste­hen sol­len.

In Hof­fen­heim wis­sen sie seit 2008, was Er­fol­ge auf ei­nem ge­mein­sa­men Ge­schäfts­feld mit dem FC Bay­ern mit sich brin­gen. Als die TSG, wie jetzt Leip­zig, als Auf­stei­ger auf die Herbst­meis­ter­schaft zu­steu­er­te und die­sen Etap­pen­er­folg tat­säch­lich er­reich­te, hat­ten die Münch­ner vor al­lem dem da­ma­li­gen Hof­fen­hei­mer Trai­ner und heu­ti­gen RBS­port­di­rek­tor Ralf Rang­nick die Stirn ge­bo­ten. Vor­stands­chef Karl-Heinz Rum­me­nig­ge frag­te da­mals vorm letz­ten Heim­spiel des Jah­res „ge­gen ei­ne Mann­schaft na­mens 1899 Hof­fen­heim: Wo ha­ben die sich 100 Jah­re lang ver­steckt?“Ho­en­eß sti­chel­te: „In Hof­fen­heim wird sehr pro­fes­sio­nell ge­ar­bei­tet – und mehr be­zahlt, als sie übe­r­all ru­mer­zäh­len.“Rang­nick er­wi­der­te, es ge­he dar­um, „uns den Skalp zu si­chern“. Eben­so in Er­in­ne­rung ge­blie­ben ist sei­ne Re­plik: „Wenn Sie flot­te Sprü­che hö­ren wol­len, müs­sen Sie nach München fah­ren. Wenn Sie flot­ten Fuß­ball se­hen wol­len, sind Sie hier rich­tig.“

Nun fal­len die Net­tig­kei­ten zwi­schen Bay­ern und Sach­sen ver­gleichs­wei­se harm­los aus. Rang­nick sag­te, RB kön­ne in München nur ge­win­nen und wit­zel­te, auf den Ös­ter­rei­cher Ha­sen­hüttl tref­fe „deutsch­spra­chig nur be­dingt“zu. Die­ser wünscht sich im­mer­hin, „die Bay­ern sol­len schon am nächs­ten Tag spü­ren, dass sie ge­gen RB Leip­zig ge­spielt ha­ben.“Und: „Wir spie­len nicht elf Mal eins ge­gen eins, da ist Bay­ern si­cher über­le­gen. Wir spie­len ein Mal elf ge­gen elf.“Ke­cke Ge­las­sen­heit al­so vorm „Bo­nus­spiel“, nach dem die Bay­ern „al­les an­de­re als ei­nen Sieg als Ma­jes­täts­be­lei­di­gung“emp­fän­den, wie Ha­sen­hüttl weiß. Dass sich die Münch­ner Re­fle­xe bei ei­nem Miss­er­folg ver­stär­ken dürf­ten, wis­sen die Leip­zi­ger eben­so, aber sie sind ziem­lich ent­spannt, weil ih­re Fi­nanz­kraft die be­kann­ten Me­tho­den des Bran­chen­füh­rers nur be­dingt grei­fen las­sen dürf­te.

RB-SPORT­DI­REK­TOR Ralf Rang­nick. Foto: dpa

FCB-PRÄ­SI­DENT Uli Hoe- neß. Foto: dpa

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