„Klare Kan­te“ge­for­dert

DLV-Chef Prokop rügt Bach und IOC we­gen Nicht­aus­schluss Russ­lands

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Rein­hard Sogl

Karls­ru­he. DLV-Chef Cle­mens Prokop ver­misst beim In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tee un­ter IOC-Prä­si­dent Tho­mas Bach ei­ne „klare Kan­te“ge­gen das Staats­do­ping Russ­lands. Die zö­ger­li­che IOC-Hal­tung ge­gen den flä­chen­de­cken­den Be­trug im Macht­be­reich Mos­kaus ge­fähr­de die Zu­kunft des Sports. „Wenn Skan­da­le auf­ge­deckt und gro­be Ver­stö­ße ge­gen den Welt-An­ti-Do­pingCo­de dar­ge­legt wer­den und da­nach nichts ge­schieht, dann be­kom­men wir ein Rie­sen­pro­blem“, sag­te der Prä­si­dent des Deut­schen Leicht­ath­le­tik-Ver­bands im Gespräch mit die­ser Zei­tung und stell­te die Fra­ge: „Wie wol­len wir künf­tig noch Ta­len­te mo­ti­vie­ren, ihr Le­ben auf den Sport aus­zu­rich­ten, wenn kei­ne glei­chen Be­din­gun­gen ge­ge­ben sind?“

Sehr zur „Ent­täu­schung“Prokops hat­te das IOC nach der Ver­öf­fent­li­chung des McLa­ren-Re­ports über sys­te­ma­ti­sches Do­ping in Russ­land mit­tels „in­sti­tu­tio­nel­ler Ver­schwö­rung“ei­ne Kol­lek­tivstra­fe er­neut ab­ge­lehnt. Wie be­rich­tet, hat­te Er­mitt­ler Richard McLa­ren im Zei­t­raum von 2011 bis 2015 Do­ping von mehr als 1 000 rus­si­schen Ath­le­ten in 30 Sport­ar­ten nach­ge­wie­sen. Wie schon vor den Spie­len im Au­gust in Rio, als McLa­ren be­reits über Do­ping im gro­ßen Stil in Russ­land be­rich­tet hat­te, über­ant­wor­te­te das IOC mög­li­che Kon­se­quen­zen in die Hän­de der Ver­bän­de. „Wenn die Ver­ant­wor­tung so de­le­giert wird, führt das zu un­ge­rech­ten Er­geb­nis­sen“, sag­te Prokop und er­klär­te: „Wenn ein Pro­blem sys­tem­über­grei­fend be­steht, dann muss es auch sport­ar­ten­über­grei­fend ge­löst wer­den. Ei­ne ein­heit­li­che Lö­sung kann aber nur das IOC fin­den.“

Für den 59 Jah­re al­ten Ju­ris­ten ist die kom­pro­miss­lo­se Hal­tung des Leicht­ath­le­tik-Ver­bands IAAF, sämt­li­che rus­si­schen Läu­fer, Sprin­ger und Wer­fer zu sper­ren, al­ter­na­tiv­los. „Das ist der kon­se­quen­te und ein­zi­ge Weg. Bei sys­tem­be­ding­tem Do­ping kann man nur Druck auf­bau­en, wenn man gan­ze Län­der so lan­ge aus­schließt, bis sich Ve­rän­de­run­gen ein­stel­len.“Die lie­ßen aber in Russ­land wei­ter auf sich war­ten, von Moskau wer­de das Pro­blem wei­ter ab­ge­strit­ten.

Der Prä­si­dent des Amts­ge­richts Re­gens­burg kri­ti­sier­te Bachs Li­nie scharf, in­sti­tu­tio­nel­les Do­ping als in­di­vi­du­el­len Be­trug dar­zu­stel­len. Prokop wi­der­sprach dem IOC-Chef auch in der Mei­nung, das Na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee Russ­lands nicht aus­schlie­ßen zu kön­nen, weil McLa­ren ja kei­ne Be­wei­se für ein Mit­wir­ken des NOK ge­fun­den ha­be. In der FAZ schrieb Prokop: „Mit die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on stellt sich Bach aber in Wi­der­spruch zu Re­gel 59 der IOC-Char­ta, wo­nach aus­drück­lich Na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tees sus­pen­diert wer­den kön­nen.“Laut Re­gel 27 der IOC-Char­ta ob­lie­ge den NOKs, den World-An­ti-Do­ping-Co­de um­zu­set­zen. Wenn so vie­le Sport­ler von or­ga­ni­sier­tem Do­ping pro­fi­tier­ten und sys­te­ma­tisch der Do­ping-Kon­troll­pro­zess ma­ni­pu­liert wor­den sei, ha­be das rus­si­sche NOK sei­ne Auf­ga­be nach der IOC-Char­ta nicht er­füllt. „Da­her spielt es kei­ne Rol­le, ob sich die Ver­ant­wort­li­chen des rus­si­schen NOK auch nach­weis­lich ei­ner ak­ti­ven Mit­wir­kung schul­dig ge­macht ha­ben“, schrieb Prokop. Ent­schei­dend sei, dass sich die NOKs der na­tio­na­len An­ti-Do­ping-In­stan­zen be­dien­ten und sich da­mit auch de­ren Ver­schul­den zu­rech­nen las­sen müss­ten.

KLARE KON­SE­QUEN­ZEN des IOC ge­gen den do­ping­ver­seuch­ten rus­si­schen Sport ver­misst Cle­mens Prokop.

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