Nichts ge­se­hen und nie­man­den er­kannt

Be­wäh­rungs­stra­fen für zwei An­ge­klag­te / Nutz­lo­se Aus­sa­gen von Ein­bruchsop­fer

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

Das Ge­schenk ei­ner neu­en Chan­ce er­hiel­ten ges­tern zwei An­ge­klag­te am Pforz­hei­mer Amts­ge­richt, des­sen Di­rek­tor Oli­ver Weik ei­nen Wie­der­ho­lungs-Straf­tä­ter für La­den-Dieb­stäh­le zu ei­ner Stra­fe von ei­nem Jahr ver­ur­teil­te. Sein Schwie­ger­sohn, ihm wur­de ein Über­fall auf ei­nen be­trun­ke­nen Mann am Schloss­berg vor­ge­wor­fen, wur­de zu ei­nem Jahr und drei Mo­na­ten ver­ur­teilt. Bei­de Stra­fen wur­den zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt.

Im Ver­lauf der Ver­hand­lung muss­te Staats­an­walt Alex­an­der Diel zu­se­hen, wie ihm die Fäl­le von Woh­nungs­ein­bruch und ei­ner hand­greif­li­cher Be­dro­hung auf­grund frag­wür­di­ger Zeu­gen da­von­schwam­men. So schien der Nach­bar des Op­fers sich bei sei­nen Aus­sa­gen mehr am am­tie­ren­den bes­ten Sauf­kum­pan zu ori­en­tie­ren als an der Wahr­heit. War bei der ers­ten Po­li­zei­ver­neh­mung nach den bei­den Ta­ten im Ju­ni 2015 noch der An­ge­klag­te der Bö­se­wicht, mu­tier­te der Be­las­tungs­ei­fer des Zeu­gen ein­ein­halb Jah­re spä­ter vor Ge­richt zum Rein­wasch-Gang für den 49-jäh­ri­gen An­ge­klag­ten. An der Schrumpf­kur, die Staats­an­walt Diel der Lis­te sei­ner Tat­vor­wür­fe ver­ord­nen muss­te, än­der­te auch der gest­ri­ge Auf­tritt des Op­fers nichts, das am ers­ten Ver­hand­lungs­tag „un­be­kannt ver­zo­gen“war. Die Aus­sa­ge des Man­nes: ein schwar­zes Loch.

„Ich ha­be mich ver­steckt, nichts ge­se­hen und nie­man­den er­kannt. Ich ha­be mei­nen Nach­barn ge­fragt, was ich der Po­li­zei sa­gen soll“, er­klär­te das Ein­bruchs-Op­fer. Dass sich der Bestoh­le­ne so­gar schwer tat, sein Ei­gen­tum zu iden­ti­fi­zie­ren – dar­un­ter ei­ne gol­de­ne Ket­te, die au­ßer­or­dent­li­chen Wert­schwan­kun­gen von 20 bis 400 Eu­ro un­ter­lag – trug eben­falls nicht da­zu bei, die An­kla­ge zu un­ter­mau­ern. Schließ­lich for­der­te Diel für den Be­wäh­rungs­bre­cher mit el­len­lan­ger Vor­stra­fen­lis­te für zwei Dieb­stäh­le in ei­ner Pforz­hei­mer Kauf­land-Fi­lia­le, bei der er Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik im Wert von rund 100 Eu­ro mit­ge­hen ließ, ei­ne Frei­heits­stra­fe von ei­nem Jahr und neun Mo­na­ten oh­ne Be­wäh­rung. Da­bei sprach ge­gen den An­ge­klag­ten auch, dass er ein­mal ein Mes­ser in der Ta­sche hat­te – Ar­beits­werk­zeug hin oder her. Be­reits das Mit­füh­ren ei­ner Waf­fe wirkt sich straf­ver­schär­fend aus. Man­gels der er­for­der­li­chen Er­folgs­aus­sich­ten ei­ner sta­tio­nä­ren Be­hand­lung sei­ner Al­ko­hol­sucht, kam für den An­ge­klag­ten ei­ne Un­ter­brin­gung in ei­ner The­ra­pie­ein­rich­tung eben­falls nicht in­fra­ge. Für den 29-jäh­ri­gen, der sei­nen Schwie­ger­va­ter zum Dieb­stahl er­mun­ter­te und der für den Staats­an­walt nach­weis­lich hin­ter dem Über­fall am Schloss­berg steck­te, plä­dier­te Diel auf ei­ne Be­wäh­rungs­stra­fe von ei­nem Jahr und vier Mo­na­te. Rechts­an­walt Ste­fan Schölch sah den Vor­wurf des Rau­bes bei sei­nem Man­dan­ten kei­nes­wegs als er­wie­sen an. Ei­ne Geld­stra­fe von 30 Ta­ges­sät­zen er­ach­te­te er für den nicht vor­be­straf­ten Mann als aus­rei­chend. Ei­ne Frei­heits­stra­fe von neun Mo­na­ten, aus­ge­setzt zur Be­wäh­rung, er­bat Rechts­an­walt Ma­thi­as Bürck­le vom Ge­richt für den 49-jäh­ri­gen Dieb. „Er hat sich im ver­gan­ge­nen Jahr für sei­ne Ver­hält­nis­se gut ge­macht. Er soll­te die Chan­ce be­kom­men.“Ei­ne Chan­ce, die der Wie­der­ho­lungs­tä­ter und Be­wäh­rungs­bre­cher be­kam: Weik ver­ur­teil­te ihn zu ei­ner Stra­fe von ei­nem Jahr, aus­ge­setzt auf ei­ne Be­wäh­rungs­zeit von vier Jah­ren. Da­zu kom­men stren­ge Auf­la­gen: Er darf in der Zeit kei­nen Al­ko­hol trin­ken und muss dies auf An­for­de­rung je­der­zeit durch Tests auf sei­ne Kos­ten nach­wei­sen. Im Fall des Schwie­ger­soh­nes folg­te das Ge­richt der Staats­an­walt­schaft. Er wur­de zu ei­ner Frei­heits­stra­fe von ei­nem Jahr und drei Mo­na­ten, für drei Jah­re aus­ge­setzt zur Be­wäh­rung, und ei­ne Geld­auf­la­ge von 1 200 Eu­ro ver­ur­teilt. Isa­bel Han­sen

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