Sau­be­re Schnitt­kan­ten

Land­rat er­kun­det Ul­tra­schall­tech­nik bei Eu­ro­so­nic in Kel­tern

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFTSREGION - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ni­co Rol­ler

Kel­tern. Zu­erst geht es um nicht hör­ba­ren Ul­tra­schall, dann um Hoch­pro­zen­ti­ges. Kon­trast­rei­cher hät­te der Vor­mit­tag für Karl Rö­ckin­ger und sei­ne Be­glei­ter kaum sein kön­nen. Der Land­rat war auf Fir­men­be­such in Kel­tern und be­kam da­bei Au­ßer­ge­wöhn­li­ches zu se­hen. Da­für sorg­ten Her­mann Al­f­red Be­cker in sei­ner Bren­ne­rei und die Fir­ma Eu­ro­so­nic, die im in­ter­kom­mu­na­len Ge­wer­be­ge­biet Damm­feld an der Gren­ze zu Bir­ken­feld zu fin­den ist.

Dass die 1998 ge­grün­de­te Fir­ma Eu­ro­so­nic im Jahr 2013 den Neu­bau auf Kel­ter­ner Ge­mar­kung er­rich­tet hat, war kein ein Zu­fall. Schließ­lich wuchs Ge­schäfts­füh­rer Ro­bert Ne­u­mann in Ell­men­din­gen auf. Zu­sam­men mit Frau und Sohn lei­tet er den Fa­mi­li­en­be­trieb, mit ak­tu­ell rund 20 Mit­ar­bei­ter. Bei Eu­ro­so­nic wer­den Ul­tra­schall-Kom­po­nen­ten für Ma­schi­nen­her­stel­ler ge­fer­tigt. Sie die­nen zum Schwei­ßen, zum Sie­ben und zum Schnei­den. Ge­ra­de bei Letz­te­rem sor­ge der Ul­tra­schall für sau­be­re Schnitt­kan­ten und ei­nen ge­rin­gen Werk­zeug­ver­schleiß, sagt Ne­u­mann.

Ver­pa­ckungs­in­dus­trie, der Le­bens­mit­tel­bran­che, dem Au­to­mo­bil­bau und der che­mi­schen In­dus­trie ge­hö­ren zur Kund­schaft. Seit rund vier Jah­ren un­ter­hält Eu­ro­so­nic ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit ei­ner chi­ne­si­schen Fir­ma. „Das läuft sehr gut“, be­rich­tet Ne­u­mann. Na­tür­lich wis­se er, dass Chi­na auch an der in­no­va­ti­ven Tech­nik sei­ner Fir­ma in­ter­es­siert sei. Da­ge­gen hel­fe nur, im­mer ei­nen Schritt vor­aus zu sein. Des­halb ha­be das Un­ter­neh­men ei­ne eigene Ab­tei­lung, in der Soft­ware­ent­wick­ler und Hard­ware-Ex­per­ten neue Tech­no­lo­gi­en ent­wi­ckeln.

Der Vor­teil die­ser An­ord­nung liegt für Ju­ni­or­chef Jens Ne­u­mann auf der Hand: „Schnel­le Kom­mu­ni­ka­ti­on durch kur­ze Lauf­we­ge.“Mo­men­tan geht es dort um die Soft­ware­ent­wick­lung für ei­nen Ul­tra­schall­ge­ne­ra­tor. Mehr will Fir­men­chef Ro­bert Ne­u­mann dann aber im Ku­ri­er-Gespräch nicht ver­ra­ten. „Ul­tra­schal­ler sind gern für sich“, hat­te sein Sohn vor­her schon ge­sagt. Land­rat zeigt sich be­ein­druckt von dem „dy­na­mi­schen Un­ter­neh­men, das be­mer­kens­wer­te Pro­duk­te her­stellt“. Beim The­ma, wie der Nach­wuchs an qua­li­fi­zier­ten Mit­ar­bei­tern ge­si­chert wer­den kann, kommt Hoch­schul­rek­tor Ul­rich Jautz mit den Ne­u­manns ins Gespräch.

Spi­ri­tuo­sen von Streu­obst­wie­sen in Wei­ler

Von der In­no­va­ti­on im Ul­tra­schall geht es zu ei­nem nicht we­ni­ger in­no­va­ti­ven Un­ter­neh­men, das aus land­wirt­schaft­li­chen Er­zeug­nis­sen Li­kö­re und Schnäp­se her­stellt. Die Bren­ne­rei Her­mann Al­f­red Be­cker in Wei­ler. Sein Va­ter war ge­lern­ter De­stil­la­teur und hat­te ne­ben­her Land­wirt­schaft be­trie­ben. Bei ihm sei es um­ge­kehrt ge­we­sen, er­zählt Be­cker: „Ich war ei­gent­lich Land­wirt und bin dann zum De­stil­la­teur ge­wor­den.“

Das war vor mehr als 20 Jah­ren. Seit­her pro­du­ziert Be­cker Schnaps, Li­kör und Whis­key. Er fährt da­bei zwei­glei­sig: Ei­ner­seits brennt er ei­ge­nen Spi­ri­tuo­sen, vor al­lem aus dem Obst von sei­nen Streu­obst­wie­sen. An­de­rer­seits stellt er Schnaps und Li­kör aus der Mai­sche her, die Leu­te ihm brin­gen. Rund 1 200 Kun­den hat er mitt­ler­wei­le. „Bis jetzt wa­ren al­le zuf­rie­den.“Am meis­ten zu tun hat er von En­de Sep­tem­ber bis April. Bei vor­ge­heiz­ter An­la­ge dau­ert ein Brenn­vor­gang rund an­dert­halb St­un­den. Sei­nen ei­ge­nen Whis­key la­gert Be­cker drei Jah­re lang in Holz­fäs­sern, Schnaps und Li­kör sind in rie­si­gen, rund 60 Jah­re al­ten Ton­ge­fä­ßen. „Die ha­be ich von mei­nem Groß­va­ter ge­erbt“, er­zählt Be­cker. Kel­terns Bür­ger­meis­ter Stef­fen Bochin­ger freut sich, dass es die­se al­te Hand­werks­kunst in sei­ner Ge­mein­de noch gibt. „Das ist nicht selbst­ver­ständ­lich“, sagt er.

ÜBER EU­RO­SO­NIC in­for­mie­ren Mar­co von Bleyle und Ro­bert Ne­u­mann Land­rat Rö­ckin­ger, BM Bochin­ger, WfG-Chef Jo­chen Prot­zer und Rek­tor Jautz (vor­ne von links).

Fotos: Rol­ler

DEN KOR­KEN aufs Whis­key­fass schlägt Her­mann Be­cker.

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