Wind­kraft-Bri­se ist auch im Bis­tro spür­bar

CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter Krich­baum fin­det in Strau­ben­hardt dis­kus­si­ons­freu­di­ge Run­de vor

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

Strau­ben­hardt-Con­wei­ler. Of­fen­bar ist in der Vor­weih­nachts­zeit nicht nur der Be­darf nach Be­sinn­li­chem, nach Ru­he vor der „Welt da drau­ßen“vor­han­den. In die­sem Fall zwar nicht bis un­ter den Weih­nachts­baum, aber doch un­ter die Blät­ter ei­ner Kunst­pal­me im Bis­tro „Bo­le­ro“in Con­wei­ler ver­fol­gen die po­li­ti­schen Ge­scheh­nis­se mehr Bür­ger als vom Strau­ben­hard­ter CDU-Vor­sit­zen­den Mat­ti­as Iser ver­mu­tet. So muss für 22 Per­so­nen ei­ner der Bil­lard­ti­sche wei­chen, auf die Kan­te des zwei­ten setzt sich dann hin und wie­der Gun­ther Krich­baum. Der di­rekt ge­wähl­te CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te des Wahl­krei­ses Pforz­heim und Vor­sit­zen­de des Eu­ro­paAus­schus­ses fin­det sich in ei­ner manch­mal emo­ti­ons­ge­la­de­nen und auch nach zwei St­un­den noch äu­ßerst dis­kus­si­ons­freu­di­gen Sze­ne­rie wie­der. So­gar von Rem­chin­gen ist je­mand von der An­tiLärm-Bür­ger­initia­ti­ve ge­kom­men.

Nach ei­nem ver­ba­len Rund­gang – des­sen Wort­laut Ken­ner Krich­baums schon ken­nen – durch „un­ru­hi­ge Zei­ten, um­ge­ben von Kri­sen und Krie­gen“mit „blan­kem Ent­set- zen“an­ge­sichts der dra­ma­ti­schen La­ge in Alep­po und der Schluss­fol­ge­rung, dass sei­ne Par­tei al­lein schon „we­gen dem C im Na­men“es schul­dig sei, zu hel­fen, füllt sich Gun­ther Krich­baums No­tiz­zet­tel in ra­sen­der Ge­schwin­dig­keit mit Fra­gen und An­mer­kun­gen der Be­su­cher.

Er kehrt gut durch mit dem ei­ser­nen Be­sen, fegt Kli­schees auf die Sei­te von ei­nem Kroa­ti­en, das mit dem Rechts­sys­tem zwei Jah­re hin­ten­dran und so­wie­so kor­rupt sei („stimmt nicht“) und re­vi­diert die Mei­nung, dass Grie­chen­land noch nie Auf­nah­me­kri­te­ri­en in die EU ein­ge­hal­ten ha­be („ja, hin­ein­ge­mo­gelt ha­ben sie sich, aber al­les an­de­re hät­te ei­nen Do­mi­no-Ef­fekt ge­habt, da wä­re der Ret­tungs­schirm für an­de­re Län­der gar nicht groß ge­nug ge­we­sen“). Krich­baum geht auch ei­sern zwi­schen Vor­ur­tei­le, dass „de­nen da oben“wie Groß­ban­ken oder Kon­zer­nen nichts ge­sche­he, wenn die­se be­trü­gen – „und der Mit­tel­stand hat al­le zwei Jah­re den Steu­er­prü­fer im Haus“. Das stim­me nicht, dar­um küm­mer­ten sich die Jus­tiz und Kom­mis­sio­nen.

Gun­ther Krich­baum be­müht sich, der Glo­ba­li­sie­rung das rein wirt­schaft­li­che Ge­sicht zu neh­men. Das nur aus die­ser Per­spek­ti­ve zu be­trach­ten sei ein Feh­ler. „Es geht dar­um, dass die Welt en­ger zu­sam­men­ge­rückt ist.“Von we­gen Ta­ges­schau, dann noch das Wetter und gut ist. Die Aus­wir­kun­gen der Krie­ge be­kom­me man un­mit­tel­bar zu spü­ren. „Die Op­fer sind über­mor­gen hier. In Pforz­heim, im Enz­kreis.“Ei­nen Kri­ti­ker Mer­kels und ih­rer „1 000-mal ge­sag­ten Wor­te: Wir schaf­fen das“fragt er: „Was hät­te man ma­chen sol­len, als Tau­sen­de Rich­tung Gren­ze ge­lau­fen sind? Grenz­sol­da­ten mit Waf­fe? Und auf der an­de­ren Sei­te ei­ne Frau mit Kind, die um Hil­fe bit­tet? Das hät­te su­per Bil­der ge­ge­ben“, be­merkt er iro­nisch. Es bläst ihm an die­sem Abend er­war­tungs­ge­mäß die in Strau­ben­hardt emo­tio­nal dis­ku­tier­te raue Wind­kraft­bri­se ent­ge­gen. In kom­mu­na­le Ent­schei­dun­gen will er sich nicht ein­mi­schen. Und „Off­s­hore“wä­re ihm auch am liebs­ten. Und klar sei auch, dass es kei­ne al­ter­na­ti­ve Ener­gie­ge­win­nung ge­be, die den Be­darf al­lei­ne stem­men kön­ne. Aber die Ener­gie­wen­de, sie ist schon lan­ge be­schlos­se­ne Sa­che ge­we­sen. „Wir ma­chen jetzt nur den Aus­stieg aus dem Aus­stieg“, be­zieht er sich auf die be­schlos­se­ne Ab­schal­tung der Atom­kraft­wer­ke.

Foto: Roth

SIEHT AUCH GU­TE SEI­TEN DER GLO­BA­LI­SIE­RUNG: Der CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Gun­ther Krich­baum lud in Con­wei­ler zum Bür­ger­ge­spräch ein.

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