„Ge­schäfts­mo­dell Kran­ken­haus be­droht“

Enz­kreis-Kli­ni­ken wol­len Stell­schrau­ben neu jus­tie­ren / Me­di­zi­ni­sche An­ge­bo­te und Di­gi­ta­li­sie­rung

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Nor­bert Koll­ros

Mühl­acker. Im­mer mehr be­wahr­hei­tet sich, dass Kli­ni­ken in der Grö­ßen­ord­nung der bei­den Häu­ser in Mühl­acker und Neu­en­bürg nur un­ter dem Dach ei­nes leis­tungs­fä­hi­gen Ver­bunds ei­ne Zu­kunfts­per­spek­ti­ve be­sit­zen. Und die­se sei oh­ne Ab­stri­che vor­han­den, ver­si­cher­te der Ge­schäfts­füh­rer der Kli­ni­ken-Hol­ding, Pro­fes­sor Jörg Mar­tin, bei ei­nem Pres­se­ge­spräch zur Un­ter­neh­mens­pla­nung fürs nächs­te Jahr.

Da­mit sich die bei­den Enz­kreis-Kli­ni­ken auch wei­ter­hin in si­che­rem Fahr­was­ser be­we­gen, sind nach Darstel­lung ih­res „Steu­er­manns“ei­ne gan­ze Rei­he von Fak­to­ren zu be­rück­sich­ti­gen, um die Häu­ser we­nigs­tens halb­wegs wirt­schaft­lich zu füh­ren. Im­mer­hin wird auch im kom­men­den Jahr mit ei­nem Vier-Mil­lio­nen-De­fi­zit kal­ku­liert.

Es sei frei­lich nach Aus­sa­ge des kauf­män­ni­schen Di­rek­tors Axel He­chen­ber­ger mitt­ler­wei­le um im­mer­hin knapp ei­ne hal­be Mil­li­on Eu­ro nied­ri­ger an­ge­setzt, als noch vor Jah­res­frist für 2017 pro­gnos­ti­ziert. Und: Schon das zu En­de ge­hen­de Jahr 2016 ha­be sich „bes­ser ent­wi­ckelt“, als das Vor­jahr und wird mit 4,1 Mil­lio­nen Eu­ro, al­so ei­nem um 725 000 Eu­ro nied­ri­ge­ren De­fi­zit ab­schlie­ßen, als kal­ku­liert.

Fi­nan­zi­ell bes­ser ge­stellt wä­ren die Kli­ni­ken, wür­de die Bi­lanz nicht durch den Fix­kos­ten­de­gres­si­ons­ab­schlag enorm ge­trübt, so Pro­fes­sor Mar­tin. Hin­ter die­sem Wor­t­un­ge­tüm ver­ber­ge sich die In­ten­ti­on der Vä­ter des Kran­ken­haus-Struk­tur­ge­set­zes, Kli­ni­k­leis­tun­gen zu be­gren­zen be­zie­hungs­wei­se für Mehr­leis­tun­gen Ab­schlä­ge in der Ver­gü­tung hin­zu­neh­men. Bei den Enz­kreis-Kli­ni­ken schlägt die Po­si­ti­on mit knapp ei­ner Mil­li­on Eu­ro zu Bu­che. In­no­va­ti­ve me­di­zi­ni­sche Di­enst­leis­tun­gen, wie im Neu­en­bür­ger Ge­lenk­zen­trum Schwarz­wald, das sich mit dem Chef­arzt Pro­fes­sor Ste­fan Sell in kur­zer Zeit ei­nen über­re­gio­na­len Ruf auf­ge­baut hat, wer­den bei­spiels­wei­se nicht kos­ten­de­ckend von den Kas­sen er­stat­tet. Die­ser Pro­ble­ma­tik stün­den in­des bun­des­weit al­le Häu­ser ge­gen­über, die durch spe­zia­li­sier­te Ex­per­ti­sen ei­nen er­höh­ten Pa­ti­en­ten­zu­lauf hät­ten.

Fa­zit: Der Kran­ken­haus-Ma­na­ger Pro­fes­sor Mar­tin ist auf­grund vie­ler­lei Ein­flüs­se vor al­lem sei­tens der po­li­ti­schen Ebe­ne da­von über­zeugt, dass „das Ge­schäfts­mo­dell Kran­ken­haus be­droht ist“– und dies um­so mehr, je klei­ner ei­ne Kli­ni­ken-Ein­heit sei. Des­halb gel­te es, vie­ler­lei Stell­schrau­ben neu zu jus­tie­ren – et­wa die wohl­über­leg­te Ab­stim­mung der me­di­zi­ni­schen An­ge­bo­te von Häu­sern in­ner­halb von Kli­ni­ken-Ver­bün­de und da­mit ein­her­ge­hend Ko­ope­ra­tio­nen und Auf­ga­ben­tei­lun­gen.

Ein wei­te­res wich­ti­ges Hand­lungs­feld sei die Di­gi­ta­li­sie­rung – Stich­wort Tele­me­di­zin. Wie be­rich­tet, wur­den zwi­schen den Häu­sern in Mühl­acker und Lud­wigs­burg Pa­ti­en­ten­vi­si­ten per Vi­deo­kon­fe­renz im Be­reich der In­ten­siv­me­di­zin und Mi­kro­bio­lo­gie ein­ge­führt. Auch die Ta­ges­kli­nik in Vai­hin­gen ist in die­ses Sys­tem ein­ge­bun­den, und die Neu­en­bür­ger Kli­nik wird im neu­en Jahr fol­gen. Mitt­ler­wei­le bes­tens be­währt ha­be sich die Te­le­ra­dio­lo­gie zwi­schen Mühl­acker und Bruch­sal, in Zei­ten, wenn die Ra­dio­lo­gi­sche Pra­xis in Mühl­acker ge­schlos­sen ha­be.

Für die Kli­ni­ken­Hol­ding wer­de ab dem kom­men­den Früh­jahr das me­di­zi­ni­sche Si­mu­la­ti­ons­zen­trum im Vai­hin­ger Haus zu ei­nem neu­en Al­lein­stel­lungs­merk­mal. Dort könn­ten die un­ter­schied­lichs­ten Kon­stel­la­tio­nen von der Ge­burts­hil­fe bis zur Be­wäl­ti­gung von Kom­pli­ka­tio­nen im ärzt­li­chen All­tag trai­niert wer­den. Noch ein Stück weit Zu­kunfts­mu­sik ist für Pro­fes­sor Mar­tin in­des der Auf­bau ei­nes Me­di­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­zen­trums in Mühl­acker, in dem Fach­arzt-Dis­zi­pli­nen an­ge­sie­delt wer­den könn­ten, die et­wa im öst­li­chen Enz­kreis noch we­nig ver­brei­tet sei­en.

Mar­tin will die­ses Vor­ha­ben frei­lich „in en­ger Ab­stim­mung“mit den nie­der­ge­las­se­nen Kol­le­gen im Raum Mühl­acker an­ge­hen und „den am­bu­lan­ten Markt al­len­falls er­gän­zen, aber nicht in die­sen ein­drin­gen“. Ein sol­ches Zen­trum sei frei­lich auch ei­ne Re­ak­ti­on auf die rück­läu­fi­ge Fach­arzt-Prä­senz mit ei­ge­nen Pra­xen im länd­li­chen Raum.

2016 hat sich bes­ser ent­wi­ckelt als ge­plant

Foto: Koll­ros

BLI­CKEN ZU­VER­SICHT­LICH IN DIE ZU­KUNFT der Enz­kreis-Kli­ni­ken: Hol­ding-Ge­schäfts­füh­rer Pro­fes­sor Jörg Mar­tin, Enz­kreis-Fi­nanz­de­zer­nent Frank Ste­phan, Do­mi­nik Nus­ser, Re­gio­nal­di­rek­tor der Kreis­kli­ni­ken, und Axel He­chen­ber­ger (von rechts), kauf­män­ni­scher Di­rek­tor der Kli­ni­ken-Hol­ding.

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