Trau­er­flor im Markt­häus­chen

Christ­kind­les­markt geht mit mehr Schutz wei­ter

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­ren Re­dak­ti­ons­mit­glie­dern Ru­pert Huste­de und Theo Wes­ter­mann

Am Mor­gen rin­gen die Karls­ru­her auf dem Christ­kind­les­markt um Wor­te. Der An­schlag von Ber­lin hat Angst und Ent­set­zen, Be­trof­fen­heit und Rat­lo­sig­keit, Mit­ge­fühl und Trau­er aus­ge­löst. Nach dem Blut­bad bei der Ber­li­ner Ge­dächt­nis­kir­che fühlt sich kein auf dem Fried­richs­platz Be­frag­ter wohl in sei­ner Haut. „Aber ir­gend­wie muss es doch wei­ter­ge­hen“, sagt ein Be­su­cher des Christ­kind­les­markt, wie vie­le an­de­re will er an­ge­sichts des Schre­ckens sei­nen Na­men nicht nen­nen.

Qu­er ge­stell­te Wa­gen des Markt­amts ver­bar­ri­ka­die­ren auf der Erb­prin­zen­stra­ße die Zu­fahr­ten zum Christ­kind­les­markt. Da­zu kom­men Po­li­zis­ten mit Ma­schi­nen­pis­to­len. Trau­er­flor tra­gen die Wurst­ver­käu­fer beim Thü­rin­ger Häus­le. An öf­fent­li­chen Ge­bäu­den hängt Trau­er­be­flag­gung. Die Fä­cher­stadt zeigt Schock­re­ak­tio­nen auf die Ka­ta­stro­phe von Ber­lin.

Ge­gen Mit­tag fül­len sich die Bu­den­gas­sen – „als wä­re nichts ge­sche­hen“, meint ein Be­ob­ach­ter. Auch die Rei­hen um die Glüh­wein­tre­sen schlie­ßen sich. Der gro­ße Tru­bel und die lau­te Fröh­lich­keit wie vor dem Ber­li­ner At­ten­tat kom­men aber vier Ta­ge vor Hei­lig Abend un­ter der Karls­ru­her Weih­nachts­py­ra­mi­de nicht auf.

Noch be­vor der Markt öff­net, trifft sich ein Si­cher­heits­rat aus Po­li­zei, Ord­nungs­amt und Markt­amt vor Ort. „Wir ha­ben kei­ne kon­kre­ten Hin­wei­se auf ei­ne Ge­fähr­dung in Karls­ru­he“, sagt Ute Do­ni­si vom Ord­nungs­amt. Si­cher­heits­hal­ber macht die Kom­mis­si­on ei­nen Kon­troll­gang über den Fried­richs­platz. We­nig spä­ter ste­hen die Klein­las­ter der Stadt an der Erb­prin­zen­stra­ße qu­er. „Das ist ei­ne So­fort­maß­nah­me“, er­klärt Bernd Wnuck, Pres­se­spre­cher der Stadt. Auch am Nach­mit­tag la­gen „kei­ne Er­kennt­nis­se zu ei­ner in Karls­ru­he ver­schärf­ten Ge­fähr­dungs­si­tua­ti­on“vor. So folg­te die Stadt der Emp­feh­lung der In­nen­mi­nis­ter­kon­fe­renz: Die Weih­nachts­märk­te mit Aus­nah­me von Ber­lin wer­den auf­ge­hal­ten und Groß­ver­an­stal­tun­gen im Ad­vent nicht ab­ge­sagt. Zu­sätz­lich zu den Sperr­wa­gen am Christ­kind­les­markt wer­den laut Wnuck mit Was­ser ge­füll­te Schutt­mul­den zur Ab­si­che­rung des Kin­der­lands auf dem Kirch­platz St. Ste­phan auf­ge­stellt.

„Wir ha­ben un­se­re Prä­senz deut­lich ver­stärkt und in­ten­si­viert,“be­stä­tigt Po­li­zei­spre­cher Mar­tin Pla­te, da­zu ge­hö­ren die be­sag­ten Po­li­zis­ten mit Ma­schi­nen­pis­to­len vor­wie­gend an den Ein­gän­gen, Schutz­po­li­zis­ten auf Strei­fe im Markt selbst, al­ler­dings auch ver­stärkt Po­li­zis­ten in Zi­vil als ver­deck­te Er­mitt­ler. All dies ge­hört zu den Maß­nah­men, die die In­nen­mi­nis­ter ver­ab­re­det hat­ten. Am Mor­gen nimmt Po­li­zei­prä­si­dent Gün­ther Freis­le­ben wie die an­de­ren Chefs der Po­li­zei­prä­si­di­en an ei­ner ent­spre­chen­den Te­le­fon­kon­fe­renz mit Lan­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl teil. Al­le Maß­nah­men auf dem Weih­nachts­markt sei­en mit der Stadt­ver­wal­tung ab­ge­spro­chen, so Pla­te. Auch bis­her hat die Po­li­zei schon Prä­senz auf dem

Heu­te Mahn­wa­che mit OB und Pfar­rern

Christ­kind­les­markt ge­zeigt. Wich­tig ist dem Po­li­zei­spre­cher als Bot­schaft an die Bür­ger: „Wir sind prä­sent und an­sprech­bar“. Die Bür­ger soll­ten sich nicht scheu­en, ver­däch­ti­ge Be­ob­ach­tun­gen zu mel­den. „Ganz be­stürzt“ist un­ter­des­sen Ly­dia Sey­fert. Die Markt­be­schi­cke­rin be­klagt den Ter­ror und das Leid vom Vor­abend in Ber­lin. „Aber wir wol­len kein ne­ga­ti­ves Bild vor­ge­ben“, fügt sie hin­zu. Des­halb müs­se der Christ­kind­les­markt of­fen blei­ben. „Wir füh­len uns hier ganz si­cher“er­gänzt ne­ben ihr ste­hend Jut­ta Sey­fert. Bei al­ler Zer­ris­sen­heit gel­te es eben wei­ter­zu­ma­chen, mei­nen die Bu­den­be­trei­ber. „Ich bin ent­setzt dar­über, was pas­siert ist. Aber wir kön­nen nichts än­dern“, meint Be­schi­cke­rin Mar­ry-Ann de Ro­ber­tis. Man kön­ne doch nicht übe­r­all ei­nen Po­li­zis­ten auf­stel­len, son­dern müs­se mit der Angst le­ben. „Wir dür­fen uns nicht ein­schüch­tern las­sen“, un­ter­streicht ei­ne rüs­ti­ge Pas­san­tin. „Angst hat man schon“, be­kennt Andre­as Mai­er. Sein Ma­ro­ni-Stand be­fin­det sich di­rekt an der Zu­fahrt zum Christ­kind­les­markt. Er rech­net da­mit, dass nun we­ni­ger Be­su­cher kom­men.

„Es ist furcht­bar“, Pe­tra Lin­dig vom Thü­rin­ger Häus­le fin­det kei­ne an­de­ren Wor­te für den Hor­ror­abend in der Haupt­stadt. Mit dem Schild auf dem Tre­sen „Mit un­se­ren Ge­dan­ken sind wir in Ber­lin“und mit Trau­er­flor an den ro­ten

Fotos: jo­do

VERBARRIKADIERT: Die auf der Erb­prin­zen­stra­ße qu­er ge­stell­ten Fahr­zeu­ge der Stadt sol­len den Christ­kind­les­markt si­chern. Nach dem An­schlag in Ber­lin re­agiert Karls­ru­he be­trof­fen und ent­schlos­sen.

ZEI­CHEN SET­ZEN: Pe­tra Lin­dig be­kennt im Thü­rin­ger Häus­le mit ih­ren Kol­le­gen durch Trau­er­flor an der ro­ten Ja­cke ih­ren Schmerz. Das Schild ist ein Si­gnal der So­li­da­ri­tät, das auch die Kund­schaft er­rei­chen kann.

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