Groß­fahn­dung nach Tu­ne­si­er

Ei­ne Spur führt nach Nord­rhein-West­fa­len / Mahn­wa­chen im Süd­wes­ten

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE -

Ber­lin/Karls­ru­he (dpa/BNN). Nach dem An­schlag auf den Weih­nachts­markt am Ber­li­ner Breit­scheid­platz sucht das Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) öf­fent­lich nach ei­nem Ver­däch­ti­gen. Im Auf­trag des Ge­ne­ral­bun­des­an­walts wur­de der 24-jäh­ri­ge Tu­ne­si­er Anis Am­ri ges­tern zur öf­fent­li­chen Fahn­dung aus­ge­schrie­ben, teil­te die Be­hör­de ges­tern Abend in Karls­ru­he of­fi­zi­ell mit. Für Hin­wei­se wur­den bis zu 100 000 Eu­ro Be­loh­nung aus­ge­schrie­ben. Der Ver­däch­ti­ge war den Be­hör­den schon län­ger als is­la­mis­ti­scher Ge­fähr­der be­kannt.

In Karls­ru­he und Pforz­heim so­wie in an­de­ren Städ­ten im Süd­wes­ten, wur­de ges­tern Abend in Mahn­wa­chen an die Op­fer des Ter­ror­an­schlags von Ber­lin ge­dacht. Weih­nachts­märk­te schlos­sen da­für frü­her.

Anis Am­ri nutz­te nach den In­for­ma­tio­nen aus Ber­lin meh­re­re Iden­ti­tä­ten. Sei­ne Dul­dungs­pa­pie­re wur­den in dem Las­ter ge­fun­den, der am Mon­tag­abend auf den Weih­nachts­markt ge­rast war. Die Do­ku­men­te des Tat­ver­däch­ti­gen sol­len im Kreis Kle­ve aus­ge­stellt wor­den sein. Laut „Spie­gel On­li­ne“war er in ei­ner Asyl­un­ter­kunft in Em­me­rich ge­mel­det, seit De­zem­ber sei er ab­ge­taucht ge­we­sen. Nach Ber­li­ner In­for­ma­tio­nen hat er sich wech­sel­wei­se in Nord­rhein-West­fa­len und Ber­lin auf­ge­hal­ten. Der Tat­ver­däch­ti­ge wur­de im Ju­ni 2016 als Asyl­be­wer­ber ab­ge­lehnt. Der Mann ha­be aber nicht ab­ge­scho­ben wer­den kön­nen, weil er kei­ne gül­ti­gen Aus­weis­pa­pie­re bei sich hat­te, teil­te NRW-In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) mit. Tu­ne­si­en ha­be be­strit­ten, dass es sich bei dem Mann um ei­nen Tu­ne­si­er han­de­le. Der Ver­däch­tig­te soll in der Is­la­mis­ten­sze­ne ver­netzt sein und den Si­cher­heits­be­hör­den seit Fe­bru­ar be­kannt sein. Das Ge­mein­sa­me Ter­ro­ris­mus­ab­wehr­zen­trum von Bund und Län­dern hat sich im No­vem­ber mit ihm be­fasst, wie Jä­ger sag­te. Ge­gen ihn wer­de nun we­gen des Ver­dachts der Vor­be­rei­tung ei­ner schwe­ren staats­ge­fähr­den­den Straf­tat er­mit­telt. Der Mann ha­be Kon­tak­te zum Netz­werk des kürz­lich ver­haf­te­ten Sala­fis­ten-Pre­di­gers Abu Wa­laa un­ter­hal­ten. Am 30. Ju­li soll Anis Am­ri mit Be­schluss des Amts­ge­richts Ravensburg in Ab­schie­be­haft ge­nom­men, spä­ter aber wie­der frei­ge­las­sen wor­den sein. Be­reits im März sei ge­gen Anis Am­ri ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wor­den, teil­te die Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft am Abend mit. Im Sep­tem­ber sei die Über­wa­chung dann aber be­en­det wor­den. Bei den Er­mitt­lun­gen sei es um In­for­ma­tio­nen ge­gan­gen, wo­nach Am­ri ei­nen Ein­bruch pla­ne, um sich da­bei Mit­tel für den Kauf au­to­ma­ti­scher Waf­fen zu be­schaf­fen – „mög­li­cher­wei­se, um da­mit spä­ter mit noch zu ge­win­nen­den Mit­tä­tern ei­nen An­schlag zu be­ge­hen“, füg­te die Staats­an­walt­schaft hin­zu. Al­ler­dings hät­ten die Über­wa­chungs­maß­nah­men kei­ne Hin­wei­se zu den Vor­wür­fen er­bracht. Des­halb ha­be „kei­ne Grund­la­ge für ei­ne wei­te­re Ver­län­ge­rung der An­ord­nun­gen zur Über­wa­chungs­maß­nah­men mehr“be­stan­den.

Der pol­ni­sche Lkw-Fah­rer, der auf dem Bei­fah­rer­sitz saß, hat laut „Bild“bis zum At­ten­tat noch ge­lebt. Das ha­be die Ob­duk­ti­on er­ge­ben, be­rich­te­te die Zei­tung. Ein Er­mitt­ler ha­be von ei­nem Kampf ge­spro­chen. Der Po­le sei mit ei­ner klein­ka­li­bri­gen Waf­fe er­schos­sen wor­den. Die IS-Ter­ror­mi­liz hat den An­griff für sich re­kla­miert. Der­weil gab es auf das Hin­wei­spor­tal des Bun­des­kri­mi­nal­amts zum An­schlag (www.bka-hin­wei­spor­tal.de) ei­nen Ha­cker­an­griff. Die Sei­te sei zwei St­un­den nicht er­reich­bar ge­we­sen, hieß es. Der An­schlag in Ber­lin lös­te ei­ne neue De­bat­te um schär­fe­re Si­cher­heits­und Flücht­lings­ge­set­ze aus. Die CSU will Nach­bes­se­run­gen.

Kommentar, Son­der­sei­ten, bnn.de

Anis Am­ri wur­de bis Sep­tem­ber ob­ser­viert

PFORZ­HEIM SCHICKT EIN KON­DO­LENZ­BUCH nach Ber­lin: Be­su­cher ei­ner Ge­denk­fei­er für die An­schlags­op­fer tru­gen sich ges­tern Abend dort ein. Di­rekt im An­schluss wur­de an an­de­rer Stel­le auch der Men­schen in Alep­po ge­dacht.

DAS BLUMENMEER WÄCHST WEI­TER: In Ber­lin rü­cken die Men­schen nach dem An­schlag auf den Weih­nachts­markt noch en­ger zu­sam­men.

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