Gold ver­un­treut?

Das LKA und die Staats­an­walt­schaft er­mit­teln ge­gen Ver­ant­wort­li­che der Stu­ten­se­er Cos­ma-Grup­pe

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Dirk Neu­bau­er

Stu­ten­see/Mann­heim (lsw/nbr). Ver­ant­wort­li­che der Cos­ma-Fir­men­grup­pe (Stu­ten­see) sol­len An­le­ger beim Kauf von Gold in Mil­lio­nen­hö­he be­tro­gen ha­ben. Ge­gen sie wer­de ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ge­führt, so ges­tern die Mann­hei­mer Staats­an­walt­schaft. Ein Be­schul­dig­ter sit­ze in Un­ter­su­chungs­haft.

Nach An­ga­ben der An­kla­ge­be­hör­de be­steht der Ver­dacht, dass Kun­den, die über die Fir­men Gold als Ka­pi­tal­an­la­ge kauf­ten, ge­täuscht wur­den. Statt für das an­ver­trau­te Geld tat­säch­lich auch Gold in ver­ein­bar­ter Men­ge zu kau­fen, ga­ben die mut­maß­li­chen Be­trü­ger laut Staats­an­walt­schaft nur ei­nen Teil des Gel­des da­für aus. Das Gold wur­de dem­nach auch nicht wie ver­spro­chen für den ein­zel­nen An­le­ger recht­lich kor­rekt ver­wahrt; au­ßer­dem fehl­te ein Kon­zept für die zu­ge­si­cher­te Ren­di­te von acht Pro­zent. Von Cos­ma war ges­tern auf An­fra­ge zu­nächst kein State­ment zu er­hal­ten.

Stu­ten­see/Mann­heim. Auf dem Spar­buch gibt es so gut wie kei­ne Zin­sen mehr, da set­zen vie­le Deut­sche auf Edel­me­tal­le. Ei­ni­ge An­le­ger be­fan­den sich aber of­fen­bar in ei­ner Art Gold­rausch – der ih­nen mög­li­cher­wei­se teu­er zu ste­hen kommt. Das Lan­des­kri­mi­nal­amt und die Schwer­punkt­ab­tei­lung für Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät der Staats­an­walt­schaft Mann­heim er­mit­teln ge­gen meh­re­re Ver­ant­wort­li­che der Cos­maG­rup­pe (Stu­ten­see). Es geht um den Ver­dacht des ge­werbs­mä­ßi­gen Be­trugs. Wie die Staats­an­walt­schaft Mann­heim ges­tern wei­ter mit­teil­te, sitzt ein Ver­ant­wort­li­cher der Fir­men­grup­pe in Un­ter­su­chungs­haft. Nä­he­re An­ga­ben zu des­sen Funk­ti­on und Al­ter mach­ten die Mann­hei­mer Er­mitt­ler auf BNN-An­fra­ge nicht.

Ein Ver­däch­ti­ger sitzt in U-Haft

Bei meh­re­ren Raz­zi­en sei­en „um­fang­rei­che Ver­mö­gens­wer­te“und Ge­schäfts­un­ter­la­gen si­cher­ge­stellt wor­den. Die­se wür­den der­zeit von den Ex­per­ten aus­ge­wer­tet. Wie es wei­ter von Sei­ten der Staats­an­walt­schaft hieß, sei den An­le­gern ei­ne Ren­di­te von acht Pro­zent pro Jahr auf die ge­sam­te An­la­ge­sum­me ver­spro­chen wor­den. Von der Cos­ma-Grup­pe war ges­tern auf An­fra­ge zu­nächst kei­ne Stel­lung­nah­me zu den Vor­wür­fen zu be­kom­men.

Die Staats­an­walt­schaft spricht von ei­nem Ver­dacht, wo­nach seit En­de 2014 „ei­ne Viel­zahl von An­le­gern“durch fal­sche An­ga­ben über die Si­cher­heit und die er­war­te­te Ren­di­te des Gold­an­la­ge­mo­dells ge­täuscht wor­den sei­en. Nach der­zei­ti­gem Er­mitt­lungs­stand lä­gen kon­kre­te An­halts­punk­te vor, dass An­la­ge­ka­pi­tal in Mil­lio­nen­hö­he „nicht in der ver­spro­che­nen Hö­he zum Kauf von Gold ver­wen­det wor­den“sei.

Kun­den hät­ten sich – so die Er­mitt­lungs­be­hör­de wei­ter – ein­schie­den, Geld zum Gold-An­kauf bei Fir­men der Cos­ma-Grup­pe an­zu­le­gen. Da­bei sei ih­nen Fol­gen­des zu­ge­si­chert wor­den: Für 70 Pro­zent des An­la­ge­be­tra­ges wer­de phy­si­sches Gold ge­kauft und als so­ge­nann­tes in­sol­venz­fes­tes Son­der­ver­mö­gen ein­ge­la­gert. Der Kun­de ha­be je­der­zeit ein Zu­griffs­recht. Die rest­li­chen 30 Pro­zent wür­den in das Um­lauf­ver­mö­gen des Cos­ma-Grup­pe über­tra­gen, um die ver­spro­che­ne acht­pro­zen­ti­ge Ren­di­te zu er­wirt­schaf­ten. Die An­le­ger hät­ten das in­ves­tier­te Ka­pi­tal nebst Ren­di­te nach ei­nem Jahr zu­rück for­dern kön­nen.

Nach ih­ren bis­he­ri­gen Er­mitt­lun­gen heißt es von den auf Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät spe­zia­li­sier­ten Mann­hei­mer Ju­ris­ten: Bis­lang ha­be man „ein trag­fä­hi­ges Kon­zept zur Er­wirt­schaf­tung der den An­le­gern zu­ge­sag­ten Ren­di­te nicht fest­ge­stellt“.

„Cos­ma ein­fach bes­ser“, wirbt der Di­enst­leis­ter im In­ter­net. Da­bei wei­sen die Stu­ten­se­er, die auch ei­ne Ver­triebs­zen­tra­le in Bin­gen ha­ben, auf ih­re An­ge­bo­te rund um Fi­nan­zen (Zi­tat: „Für den op­ti­ma­len Schutz und ei­nen so­li­den Ver­mö­gens­auf­bau“), Ma­nage­ment, Im­mo­bi­li­en, Mar­ke­ting und Gold hin. In ih­rer Selbst­dar­stel­lung heißt es: „Ei­nes ist uns als Di­enst­leis­tungs­un­ter­neh­men in den letz­ten Jah­ren be­wusst ge­wor­den: In un­se­rer Bun­des­re­pu­blik läuft et­was falsch. Meist zum Nach­teil der Bür­ger, die hart und un­er­müd­lich ar­bei­ten und sich teil­wei­se mit meh­re­ren Jobs ver­su­chen, über Was­ser zu hal­ten.“

IM FO­KUS DER STAATS­AN­WALT­SCHAFT: Die­se er­mit­telt ge­gen Ver­ant­wort­li­che der Cos­ma-Grup­pe. Das Foto zeigt de­ren Haupt­sitz. Es geht laut Er­mitt­lungs­be­hör­den um mil­lio­nen­schwe­re Gold­an­la­gen und um das Ver­spre­chen ei­ner acht­pro­zen­ti­gen Ren­di­te. Foto: jo­do

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