KIT-Se­nat vo­tiert ge­gen Breu­er

Se­nats­ent­schei­dung ge­gen KIT-Vi­ze­prä­si­den­ten

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ju­li­us Sand­mann

Karls­ru­he (jus). Ul­rich Breu­er, KIT-Vi­ze­prä­si­dent für Wirtschaft und Fi­nan­zen, muss En­de 2017 ge­hen. Der Se­nat hat sich in sei­ner 58. Sit­zung da­ge­gen ent­schie­den, Breu­ers Ver­trag An­fang 2018 um sechs Jah­re zu ver­län­gern. Das geht aus ei­nem Rund­schrei­ben von KITPrä­si­dent Hol­ger Han­sel­ka her­vor, das den BNN vor­liegt. „Das Prä­si­di­um be­dau­ert die­se Ent­schei­dung des KIT-Se­na­tes“, teil­te Han­sel­ka dar­in mit. Der Auf­sichts­rat hat­te sich ein­stim­mig für ei­ne Ver­län­ge­rung ent­schie­den. Breu­er selbst woll­te sich zu dem Vor­gang nicht äu­ßern.

Karls­ru­he. Die Ge­schich­te der Zwis­tig­kei­ten am Karls­ru­her In­sti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT) ist um ein Ka­pi­tel rei­cher: Der Se­nat hat am Mon­tag die Ent­schei­dung des Auf­sichts­ra­tes, Ul­rich Breu­er von 2018 an für wei­te­re sechs Jah­re als Vi­ze­prä­si­den­ten für Wirtschaft und Fi­nan­zen zu be­schäf­ti­gen, nicht be­stä­tigt. Da­mit en­det sei­ne Amts­zeit zum 31. De­zem­ber 2017. Das geht aus ei­nem Rund­schrei­ben von KIT-Prä­si­dent Hol­ger Han­sel­ka her­vor, das den BNN vor­liegt.

Be­reits in ei­ner Pro­be­ab­stim­mung hat­te sich der Se­nat ge­gen Breu­er ent­schie­den, wie die BNN En­de Ok­to­ber be­rich­te­ten. Jetzt ist An­fang der Wo­che die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung ge­fal­len. Da­bei hat­te sich der KIT- Auf­sichts­rat – pro- mi­nent be­setzt mit Diet­mar Zet­sche, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Daim­ler AG, und Mul­ti­mil­li­ar­där Ste­fan Quandt, ei­ner der reichs­ten Deut­schen – vor­her ein­stim­mig für Breu­er ent­schie­den. Der KIT-Se­nat – Mit­glie­der sind un­ter an­de­rem die De­ka­ne der elf Fa­kul­tä­ten – hät­te die­se Wahl je­doch be­stä­ti­gen müs­sen – was er aber nicht tat. „Nach der Aus­zäh­lung gab es beim Prä­si­di­um be­trof­fe­ne und ver­wun­der­te Ge­sich­ter“, er­zähl­te ei­ne Per­son, die bei der Wahl an­we­send war, den BNN.

Breu­er persönlich woll­te sich zu die­sem Vor­gang nicht äu­ßern. Eben­so wie Wolf­gang Epp­ler, Vor­sit­zen­der des Per­so­nal­rats. Han­sel­ka be­dau­er­te die Ent­schei­dung in sei­nem Rund­schrei­ben. „In sei­ner Amts­zeit hat Dr. Breu­er als tat­kräf­ti­ger und en­ga­gier­ter Vi­ze­prä­si­dent Re­for­men an­ge­sto­ßen, die zum Zu­sam­men­wach­sen des KIT bei­ge­tra­gen ha­ben“, hieß es dort. Zu­dem ha­be Breu­er den Haus­halt kon­so­li­diert, was nur mit gro­ßen An­stren­gun­gen und der Ve­rän­de­rungs­be­reit­schaft al­ler Be­tei­lig­ten zu be­werk­stel­li­gen ge­we­sen sei.

Der The­se, dass die Ent­schei­dung auch ge­gen den Re­form­kurs von Han­sel­ka ge­rich­tet sei, trat KIT-Pres­se­spre­che­rin Mo­ni­ka Land­graf ent­ge­gen: „Nein, das Vo­tum des KIT-Se­na­tes ist de­fi­ni­tiv nicht als ein Si­gnal ge­gen die Dach­stra­te­gie KIT 2025 und die stra­te­gi­sche Wei­ter­ent­wick­lung des KIT zu wer­ten.“Die­se sei im ver­gan­ge­nen Jahr mit brei­ter Zu­stim­mung al­ler Gre­mi­en ver­ab­schie­det wor­den. Auch die bei der Wahl an­we­sen­de Per­son sag­te, es sei al­lein um Breu­er ge­gan­gen.

Für Land­graf ist die Ent­schei­dung eben­falls kein Zei­chen für ei­ne Dis­kre­panz zwi­schen Auf­sichts­rat und Se­nat. „Der KIT-Se­nat ist ein de­mo­kra­tisch ge­wähl­tes Gre­mi­um des KIT und wir ak­zep­tie­ren die­ses Vo­tum. Wei­te­re dar­über hin­aus­ge­hen­de In­ter­pre­ta­tio­nen wä­ren ab­so­lut fehl am Platz“, sag­te die KIT-Pres­se­spre­che­rin.

Per­so­nal­rat äu­ßert sich nicht öf­fent­lich

Breu­er, der seit 2012 Vi­ze­prä­si­dent ist, po­la­ri­siert am KIT. Wäh­rend ein Mit­ar­bei­ter ge­gen­über den BNN be­reits frü­her da­von ge­spro­chen hat­te, dass im Zu­ge der Re­for­men ei­ne „Spur der Ver­wüs­tung“durch die Ein­rich­tung ge­zo­gen wür­de, sprach ein an­de­rer da­von, dass der Vi­ze­prä­si­dent hemds­är­me­lig im po­si­ti­ven Sin­ne sei.

Für Breu­ers Nach­fol­ge gibt es ein im KIT-Ge­setz ge­re­gel­tes Ver­fah­ren. Nach ei­ner öf­fent­li­chen Aus­schrei­bung muss sich die Mehr­heit des Auf­sichts­ra­tes für den nächs­ten Vi­ze­prä­si­den­ten für Wirtschaft und Fi­nan­zen ent­schei­den. Aber auch hier gilt nach Aus­sa­ge von Pres­se­spre­che­rin Land­graf wie­der: „Die Wahl des Auf­sichts­ra­tes be­darf der Be­stä­ti­gung durch den KIT-Se­nat.“

Die BNN ha­ben in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten häu­fi­ger über die am KIT herr­schen­de Un­zu­frie­den­heit we­gen der Um­struk­tu­rie­run­gen ge­spro­chen. Han­sel­ka selbst hat­te wäh­rend ei­ner Re­dak­ti­ons­kon­fe­renz bei den BNN An­fang die­ses Mo­nats ge­sagt, der In­for­ma­ti­ons­fluss sei ver­bes­se­rungs­wür­dig, die Kri­ti­ker sei­nes Re­form­kur­ses stell­ten aber nicht die Mehr­heit.

DER UN­MUT SPRIESST WEI­TER: Nach dem ne­ga­ti­ven Se­nats­vo­tum muss sich die KIT-Füh­rung Ge­dan­ken über den nächs­ten Vi­ze­prä­si­den­ten für Wirtschaft und Fi­nan­zen ma­chen. Foto: jo­do

UL­RICH BREU­ER geht 2017 in sein letz­tes Jahr als KIT-Vi­ze­prä­si­dent. Foto: Fa­b­ry

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