Op­po­si­ti­on lässt kein gu­tes Haar am Haus­halt

Fi­nanz­mi­nis­te­rin Sitz­mann ver­tei­digt das Zah­len­werk / Rül­ke wirft der CDU Wahl­be­trug vor

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Stutt­gart. Wäh­rend Fi­nanz­mi­nis­te­rin Edith Sitz­mann (Grü­ne) das Geld der Steu­er­zah­ler bei sich „in gu­ten Hän­den“sieht, spricht die Op­po­si­ti­on von Täu­schungs­ma­nö­vern und Un­ehr­lich­keit: Mit ei­nem lei­den­schaft­li­chen Schlag­ab­tausch ha­ben die Frak­tio­nen im Land­tag ih­re un­ter­schied­li­chen Be­wer­tun­gen des grün-schwar­zen Haus­halts­plans für das kom­men­de Jahr deut­lich ge­macht.

Fi­nanz­mi­nis­te­rin Sitz­mann be­ton­te, die Lan­des­re­gie­rung ver­wirk­li­che den Ver­zicht auf neue Schul­den und ge­he zu­gleich das struk­tu­rel­le De­fi­zit er­folg­reich an. Ob­schon Grün-Schwarz bei Schlüs­selthe­men wie In­ne­rer Si­cher­heit, Elek­tro­mo­bi­li­tät, In­ter­net und Kli­ma­schutz in­ves­tie­re, er­bräch­ten die Res­sorts in Sum­me Spar­bei­trä­ge von 390 Mil­lio­nen Eu­ro. Dies sei kein Spa­zier­gang ge­we­sen, un­ter­strich sie mit Blick auf die so ge­nann­ten Chef­ge­sprä­che.

Ein­ge­hend be­ton­te die Mi­nis­te­rin die Be­deu­tung des The­mas Bil­dung für die Lan­des­re­gie­rung. Hier stär­ke man die Re­al­schu­len, in­ves­tie­re in den Aus­bau der Ganz­tags­an­ge­bo­te, ma­che den Wis­sen­schafts­stand­ort Ba­den-Würt­tem­berg fit und en­ga­gie­re sich für die In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen. Der Ab­bau des Re­pa­ra­tur­staus bei Stra­ßen, Brü­cken und lan­des­ei­ge­nen Ge­bäu­den fällt nach An­sicht der Fi­nanz­mi­nis­te­rin un­ter die Über­schrift Schul­den­til­gung.

Als „Do­ku­ment ei­ner Po­li­tik mit dem Sinn für das Mög­li­che“lob­te CDUFrak­ti­ons­chef Wolf­gang Rein­hart den Haus­halts­ent­wurf. Es sei scha­de, dass Ba­den-Würt­tem­berg noch im­mer ein struk­tu­rel­les De­fi­zit mit sich her­um­schlep­pe, er­klär­te Rein­hart. Schuld dar­an ha­be je­doch die SPD, die „lau­ter un­ge­deck­te Schecks“hin­ter­las­sen ha­be. Rein­hart stell­te sich vor die grü­ne Fi­nanz­mi­nis­te­rin und ih­ren An­satz, die so ge­nann­te im­pli­zi­te Ver­schul­dung an­zu­ge­hen. Es sei klü­ger, in ei­ner Null­zins­pha­se Stra­ßen, Ge­bäu­de und Brü­cken zu sa­nie­ren als Alt­schul­den zu til­gen, die das Land ge­gen­wär­tig nichts kos­te­ten, be­ton­te Rein­hart.

Da­mit frei­lich zog er har­sche Kri­tik von FDP-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­dem Han­sUl­rich Rül­ke auf sich. Die Be­haup­tung, Schul­den sei­en bei nied­ri­gen Zin­sen nicht schlimm, sei „der größ­te Un­fug al­ler Zei­ten“. Wenn die Zin­sen nur um ei­nen Pro­zent­punkt stie­gen, kos­te dies das Land jähr­lich 470 Mil­lio­nen Eu­ro rech­ne­te Rül­ke vor. Dass Vi­ze-Re­gie­rungs­chef Tho­mas Strobl (CDU) die­sen Haus­halt mit­tra­ge sei Wahl­be­trug, be­fand der Li­be­ra­le.

Jörg Meu­then (AfD) ließ gleich­falls kein gu­tes Haar am Ent­wurf. Es sei nicht nach­voll­zieh­bar, dass die Lan­des­re­gie­rung zu Zei­tern historisch ho­her Steu­er­ein­nah­men nicht dar­an den­ken den Schul­den­berg des Lan­des von rund 47 Mil­li­ar­den Eu­ro ab­zu­tra­gen. Wäh­rend das Land 2013 noch ei­nen Steu­er­ein­gang von 30,1 Mil­li­ar­den Eu­ro ver­zeich­ne­te, wird das Steu­er­auf­kom­men des ver­gan­ge­nen Jah­res auf 35,8 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­schätzt. Andre­as Schwarz (Grü­ne) ver­bat sich Kri­tik am Kurs der Lan­des­re­gie­rung, den Sa­nie­rungs­stau an Stra­ßen, Brü­cken und Ge­bäu­den in An­griff zu neh­men. Die­se Kri­tik sei gera­de­zu gro­tesk. Die Mo­der­ni­sie­rung der In­fra­struk­tur ha­be ho­he Prio­ri­tät.

RECHT­FER­TI­GUNG: Fi­nanz­mi­nis­te­rin Edith Sitz­mann mach­te sich in der Haus­halts­de­bat­te für die Sa­nie­rung von Stra­ßen, Brü­cken und Lan­des­ge­bäu­den stark. Foto: dpa

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