Ein Tal mit vie­len Per­spek­ti­ven

Zehn Ki­lo­me­ter ent­lang am Saum der Murg

Pforzheimer Kurier - - WAS - WANN - WO / WETTER - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Wer­ner Nest­ler

Wei­sen­bach. Als „ei­ne Art In­dus­trie­gas­se“hat kürz­lich ein Chro­nist das Murg­tal be­zeich­net. Und er hat­te nicht ein­mal un­recht, wenn man zu­min­dest von hö­he­rer War­te den Tal­ver­lauf be­trach­tet. Bei der zehn Ki­lo­me­ter wei­ten Wan­de­rung von Wei­sen­bach auf der ei­nen Tal­sei­te nach Lan­gen­brand und auf der an­de­ren über Au zu­rück kön­nen wir uns ein Bild von den weit ge­spann­ten Brü­cken und Via­duk­ten der Bun­des­stra­ße 462 so­wie der Murg­tal­bahn eben­so ma­chen wie von den di­ver­sen Werks­an­la­gen.

Aus­gangs­punkt der aus­sichts­rei­chen Tour ist der Hal­te­punkt Wei­sen­bach, wo sich die Stadt­bah­nen auf der ein­glei­si­gen Stre­cke „an­ein­an­der vor­bei las­sen“. Ganz in der Nä­he fin­den sich ent­lang der Bahn­li­nie ge­nü­gend Park­mög­lich­kei­ten für die Selbst­fah­rer, die al­ler­dings dann die Glei­se über­que­ren müs­sen um über die Stu­fen zum Berg­weg zu kom­men. „Über dem Bu­ckel“er­reicht man bei der evan­ge­li­schen Kir­che den Ein­stieg auf den Murg­tal­wan­der­weg, der uns bis kurz vor Lan­gen­brand Leit­li­nie ist. Mit ge­ra­de wäh­rend der laub­frei­en Zeit schö­nem Blick hin­über nach Au stei­gen wir mo­de­rat an und spä­ter auch so bis na­he der Fahr­bahn wie­der ab, um an Neu­haus vor­bei er­neut zum Kreuz­fel­sen hoch zu ge­hen. Das den mar­kan­ten Aus­sichts­punkt krö­nen­de Kreuz ist 250 Jah­re alt, der Blick schweift über Au und Wei­sen­bach bis zum Schloss Eber­stein mit sei­nem mäch­ti­gen Reb­ge­län­de. Ab dem Wen­de­punkt geht es nun ziem­lich eben wei­ter, wir freu­en uns über den Blick zum ge­gen­über­lie­gen­den Mas­siv des Fül­len­fel­sens und auf die un­ten ver­lau­fen­de meist stark fre­quen­tier­te Bun­des­stra­ße.

Kurz nach ei­nem aus­ge­dehn­te Holz­la­ger­platz ver­lässt uns der Murg­tal­wan­der­weg nach links, wir ge­hen ge­ra­de­aus wei­ter und kom­men un­ter­halb des Fried­ho­fes mit der mar­kan­ten Ka­pel­le auf die nach Lan­gen­brand füh­ren­de Fahr­stra­ße, hal­ten dort links und pas­sie­ren we­nig wei­ter die Lan­gen­brander Fest­hal­le mit ei­nem be­son­ders für Kin­der in­ter­es­san­ten Spiel­platz, hin­ter dem ein In­fo­stand über die um­lie­gen­den Wan­der­we­ge Aus­kunft gibt. Durch das idyl­li­sche Fach­werk­dorf er­rei­chen wir die Bun­des­stra­ße 462, nach de­ren Über­que­rung geht es auf der nach Ber­m­ers­bach füh­ren­den Stra­ße steil ab­wärts an der Hal­te­stel­le der Stadt­bahn vor­bei zur Sta­ti­on „Wolfs­heck“, wo wir rechts auf den „Tour de Murg“-Weg ein­bie­gen. An der un­an­ge­nehm rie­chen­den Klär­an­la­ge vor­bei wan­dern wir we­nig spä­ter noch ein­mal berg­auf. Wir kom­men am Ein­gang des „Hart­tun­nels“vor­bei und er­rei­chen auf Stra­ßen­ni­veau den höchs­ten Punkt. Hier bie­tet sich ein schö­ner Blick hin­auf nach Ber­m­ers­bach so­wie ganz nah auf die mäch­ti­ge Brü­cke der Bun­des­stra­ße vor Lan­gen­brand. Da­nach geht es nach ei­ner Wald­pas­sa­ge auf ei­nem aus­sichts­rei­chen Pan­ora­ma­weg (Vor­sicht Ge­gen­ver­kehr) mit wei­ter Sicht über das Murg­tal hin­ab nach Au.

Auf der Schul­stra­ße kom­men wir an Turn­hal­le und Kir­che vor­bei zur Haupt­stra­ße, die uns hin­un­ter zur „Ja­ko­bB­ley­er-Brü­cke“führt, die dem gro­ßen Sohn die­ser klei­nen Ge­mein­de ge­wid­met ist. An den aus dem Ort stam­men­den un­ga­ri­schen Mi­nis­ter und Auer Eh­ren­bür­ger Ja­kob Bley­er er­in­nert auch ein Ge­denk­stein vor des­sen Ah­nen­haus. Kurz nach der Brü­cke sind wir an der Bun­des­stra­ße 462 bei der Sta­ti­on „Ja­kob-Bley­er-Brü­cke“und kön­nen uns über­le­gen, ob wir an der Stra­ße ent­lang zum Bahn­hof lau­fen möch­ten oder ob wir rechts zur na­hen evan­ge­li­schen Kir­che ge­hen und auf dem Berg­weg den Aus­gangs­punkt an­steu­ern wol­len.

Nicht ver­säu­men soll­te man ei­ne Be­sich­ti­gung des na­hen „Wei­sen­ba­cher Dom“. Die Kir­che „St. Wen­de­li­nus“wur­de vom ein­hei­mi­schen Bau­meis­ter Jo­hann Bel­zer ge­baut und 1845 ein­ge­weiht. Vor dem Got­tes­haus ist ei­ne Plas­tik sta­tio­niert, die auf die Wein­bau­tra­di­ti­on des Dor­fes ver­weist; au­ßer­dem bie­tet sich ein schö­ner Blick hin­auf zum Wahr­zei­chen des mitt­le­ren Murg­tals, der hoch oben thro­nen­den „Wen­de­li­nus­ka­pel­le“, die auf kur­zem Weg er­reich­bar ist und ei­nen in­ter­es­san­ten Wan­der­tag mit wei­ter Aus­sicht krö­nen könn­te.

DIE­SER AN­BLICK ÜBER WEI­SEN­BACH UND OBERTSROT so­wie zum Schloss Eber­stein mit sei­nem mäch­ti­gen Wein­berg bie­tet sich den Wan­de­rern auf der ak­tu­el­len Tour im Murg­tal. Foto: Nest­ler

Ge­spickt mit Brü­cken und Via­duk­ten ist die Tour durch das Murg­tal – sie ver­spricht reiz­vol­le Aus­bli­cke. Gra­fik: Sch­laich

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