Mit al­len Süd­see­was­sern ge­wa­schen Neu im Ki­no: Dis­ney sie­delt sein neu­es Mär­chen „Vaia­na“im Kul­tur­kreis der Po­ly­ne­si­er an

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Die Göt­ter sind auch nicht mehr, was sie ein­mal wa­ren. Hän­gen hilf­los auf ei­ner ein­sa­men In­sel rum, las­sen sich trotz­dem ger­ne fei­ern und schre­cken nicht da­vor zu­rück, jun­ge Mäd­chen in den Oze­an zu wer­fen. Nicht nur des­we­gen ist „Vaia­na“, die Ti­tel­hel­din in Dis­neys mitt­ler­wei­le 56. abend­fül­len­den Trick­film, mit al­len Was­sern ge­wa­schen. Das pfif­fi­ge Mäd­chen mit den gro­ßen Kul­ler­au­gen ist zwar, ganz in der Tra­di­ti­on der Dis­ney-Weih­nachts­fil­me, ei­ne Prin­zes­sin, kann aber ziem­lich deut­li­che An­sa­gen ma­chen. Vaia­na lebt im Süd­pa­zi­fik und bringt dem stän­kern­den Maui, der ge­nau ge­nom­men nur ein Halb­gott ist, Ma­nie­ren bei und ret­tet mit ihm zu­sam­men ih­re In­sel­welt.

Ei­ne sü­ße Prin­zes­sin, mär­chen­haf­te Ku­lis­sen, ein wit­zi­ger tie­ri­scher Si­de­kick (in die­sem Fall ein durch­ge­knall­ter Hahn), viel Mu­sik (der deut­sche Ti­tel­song kommt von He­le­ne Fi­scher) und noch mehr er­bau­li­che Bot­schaf­ten. Mit „Vaia­na“hat Dis­ney das Ki­no nicht neu er­fun­den. Dass ei­ne Hel­din vie­le Hin­der­nis­se und am En­de vor al­lem sich selbst über­win­den muss: Das kennt man zur Ge­nü­ge. Aber Weih­nach­ten oh­ne Prin­zes­sin? Ist eben nur halb so schön. Erst recht, wenn sie wie Vaia­na in ei­nem Pa­ra­dies am En­de der Welt lebt.

Das Mäd­chen soll als Toch­ter des Häupt­lings der Süd­see­insel Mo­tu­nui ei­nes Ta­ges die Ge­schi­cke ih­rer Hei­mat lei­ten. Ei­gent­lich kei­ne gro­ße Auf­ga­be: Das Le­ben im Pa­ra­dies ist ein Selbst­läu­fer. Die Son­ne scheint meis­tens, der Oze­an ist freund­lich, und die Men­schen sind in ih­rer ab­ge­schie­de­nen Welt glück­lich. Doch Vaia­na will mehr, als die Tra­di­tio­nen ihr zu­ge­ste­hen, sie will aus­bre­chen, sie will die Welt se­hen - über den Tel­ler­rand bli­cken, der in ih­rem Fall ein Riff ist, das die In­sel um­gibt. Als die­se In­sel von un­er­klär­li­chen Na­tur­ka­ta­stro­phen heim­ge­sucht wird, wagt Vaia­na den Sprung ins kal­te Was­ser. Sie muss ei­ne ur­al­te Göt­tin ver­söh­nen, die ziem­lich sau­er ist, weil ihr von Maui einst das Herz ge­stoh­len wur­de. Aus­ge­rech­net die­ser Hal­lo­dri von Halb­gott mit den rü­den Um­gangs­for­men ist Vaia­n­as ein­zi­ger Ver­bün­de­ter.

Man muss kein Pro­phet sein, um zu wis­sen, dass sich das un­glei­che Paar zu­sam­men­rauft und auf sei­ner Mis­si­on die ge­fähr­lichs­ten Mons­ter be­siegt – wo­bei die größ­ten Dä­mo­nen in Vaia­na und Maui selbst woh­nen. Aber manch­mal darf die Sto­ry auch ein­fach sein, wenn das Drum­her­um lie­be­voll und wit­zig in­sze­niert ist und sich ein Mär­chen­trick­film auch mal dis­har­mo­ni­sche Tö­ne er­laubt. Die Welt scheint manch­mal ein biss­chen aus den Fu­gen ge­ra­ten zu sein im Süd­pa­zi­fik, und in den Ab­grün­den lau­ern düs­te­re We­sen, die kei­nes­wegs ver­steckt wer­den.

Kri­ti­sche Stim­men mö­gen be­män­geln, dass Dis­ney die Kultur der Po­ly­ne­si­er nur als Ku­lis­se für alt­be­kann­te Bot­schaf­ten be­nut­ze und re­spekt­los mit ihr um­ge­he. Klar: Die exo­ti­schen Schau­plät­ze, die un­be­kann­te my­thi­sche Welt sind in gro­ßen Tei­len ver­ant­wort­lich für den Reiz des Films. „Vaia­na“ist die x-te Va­ria­ti­on der im­mer glei­chen The­men, mit de­nen die Dis­ney-Stu­di­os nun schon seit Jahr­zehn­ten er­folg­reich sind. Aber statt dem Film dar­aus ei­nen Vor­wurf zu ma­chen, kann man sich auch zwei St­un­den lang vor­treff­lich un­ter­hal­ten las­sen. Andre­as Fi­scher

WER HAT HIER DAS SA­GEN? Klei­ner Tipp: Die Mas­se al­lein macht’s nicht. Das lernt auch der rü­pel­haf­te Halb­gott Maui, als er es mit Vaia­na, der Ti­tel­hel­din des neu­en Dis­ney-Aben­teu­ers, zu tun be­kommt. Foto: Dis­ney/tsch

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