Fest­tags­schmaus in der Ab­fall­ton­ne

Auch an Weih­nach­ten lan­den vie­le Spei­se­res­te im Müll / EU will Ab­hil­fe schaf­fen

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Tho­mas Eßer

Ber­lin/Brüssel. Ob Gän­se­bra­ten, Ra­clette oder doch Würst­chen mit Kar­tof­fel­sa­lat – je­de Fa­mi­lie hat an Weih­nach­ten ih­re ei­ge­nen Es­sens-Tra­di­tio­nen. Was je­doch vie­le ver­eint: Häu­fig reicht der Hun­ger nicht aus, um al­les auf dem reich­hal­tig ge­deck­ten Tisch auf­zu­es­sen.

„An den Fei­er­ta­gen lässt man es sich gut ge­hen. Da hat man Gäs­te und kauft eher groß­zü­gig ein, es soll ja nie­mand zu kurz kom­men“, sagt Frank Was­kow von der Ver­brau­cher­zen­tra­le in Nord­rhein-West­fa­len. Manch ein Fest­tags­schmaus lan­det so im Müll. Le­bens­mit­tel­ver­schwen­dung wird an den Fest­ta­gen be­son­ders deut­lich, ist je­doch das gan­ze Jahr ein Pro­blem. Durch­schnitt­lich wan­dern pro Ver­brau­cher in Deutsch­land jähr­lich 81,6 Ki­lo Le­bens­mit­tel in die Ab­fall­ton­ne. Wie aus ei­ner vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Er­näh­rung und Land­wirt­schaft ge­för­der­ten Stu­die der Uni­ver­si­tät Stutt­gart her­vor­geht, wer­den hier­zu­lan­de je­des Jahr et­wa elf Mil­lio­nen Ton­nen Le­bens­mit­tel weg­ge­wor­fen. In der EU sind es 88 Mil­lio­nen Ton­nen – auf Bau­ern­hö­fen, im Ein­zel­han­del, in Re­stau­rants und in Pri­vat­haus­hal­ten. Die Eu­ro­päi­sche Uni­on will die Men­ge bis zum Jahr 2030 hal­bie­ren.

Zu die­sem Zweck hat die EU-Kom­mis­si­on die „Platt­form für Le­bens­mit­tel­ver­lus­te und -ver­schwen­dung“mit Ver­tre­tern aus Po­li­tik und Wirtschaft ge­grün­det. Sie sol­len un­ter an­de­rem dar­an ar­bei­ten, Le­bens­mit­telspen­den zu er­leich­tern. Au­ßer­dem soll das Ver­ständ­nis des Min­dest­halt­bar­keits­da­tums in der Be­völ­ke­rung ver­bes­sert wer­den. Denn: Nach ei­ner Eu­ro­ba­ro­me­ter-Um­fra­ge in­ter­pre­tie­ren vie­le Ver­brau­cher die Da­tums­an­ga­be falsch und wer­fen Le­bens­mit­tel weg, ob­wohl sie noch ge­nieß­bar sind. Das Min­dest­halt­bar­keits­da­tum gibt an, wie lan­ge bei rich­ti­ger La­ge­rung spe­zi­fi­sche Ei­gen­schaf­ten wie Far­be, Kon­sis­tenz und Ge­schmack, min­des­tens er­hal­ten blei­ben. Die An­ga­be be­deu­tet nicht, dass Le­bens­mit­tel nach Ablauf des Da­tums weg­ge­schmis­sen wer­den müs­sen.

Sol­che Initia­ti­ven, aber auch Food­sha­ring und neu ent­wi­ckel­te Apps, könn­ten das Pro­blem der Le­bens­mit­tel­ver­schwen­dung nicht kom­plett lö­sen, sagt Ver­brau­cher­schüt­zer Frank Was­kow. „Aber die­se vie­len klei­nen Baustei­ne tra­gen zum er­höh­ten Be­wusst­sein bei. Das ist ein gu­ter Nähr­bo­den, auf dem die Ver­mei­dung von Le­bens­mit­tel­ver­schwen­dung auf­set­zen kann.“Am bes­ten sei aber, wenn erst gar nichts üb­rig blei­be – auch an Weih­nach­ten.

GÄN­SE­BRA­TEN AN WEIH­NACH­TEN: An den Fest­ta­gen ist der Tisch oft reich ge­deckt. Ent­spre­chend viel bleibt üb­rig. Foto: dpa

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