In der Bi­ath­lon-Sze­ne ru­mort es

Welt­ver­band be­schäf­tigt sich heu­te mit den Do­ping-An­schul­di­gun­gen ge­gen Russ­land

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Ber­lin (sid). Tsche­chi­en droht mit Boy­kott, Mar­tin Four­ca­de und sei­ne deut­schen Kol­le­gen for­dern knall­har­tes Durch­grei­fen – doch Russ­land will von nichts wis­sen: Die mas­si­ven Do­ping-An­schul­di­gun­gen ge­gen die rus­si­schen Bi­ath­le­ten schla­gen wei­ter ho­he Wel­len. Am heu­ti­gen Don­ners­tag könn­te der Welt­ver­band IBU ers­te Kon­se­quen­zen prä­sen­tie­ren, nach­dem im McLa­ren-Re­port 31 Fäl­le be­kannt wur­den und seit­dem für viel Wir­bel sor­gen.

„Es ist an der Zeit, dass Ver­bän­de laut aus­spre­chen, über was hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren ge­spro­chen wird“, sag­te der tsche­chi­sche Ver­bands­prä­si­dent Ji­ri Ham­za der Ta­ges­zei­tung DNES. Ge­nau wie Groß­bri­tan­ni­en will auch sei­ne Mann­schaft um Ge­samt­welt­cup­sie­ge­rin Ga­b­rie­la Kou­kal­o­va nicht zum Welt­cup ins rus­si­sche Tju­men (9. bis 12. März) rei­sen. Zu groß ist der Är­ger über die Ma­ni­pu­la­tio­nen in der Ver­gan­gen­heit, zu groß das Miss­trau­en ge­gen­über dem rus­si­schen Ver­band RBU. Der will an­geb­lich gar nicht in­for­miert sein, wel­che Sport­ler des Do­pings be­schul­digt wer­den, und be­teu­ert statt­des­sen ve­he­ment ei­ne Null-To­le­ranz-Po­li­tik für Do­ping­sün­der.

Die IBU steht nun un­ter enor­mem Druck. Nach dem Welt­cup im Früh­jahr steht im west­si­bi­ri­schen Erd­öl­zen­trum Tju­men 2021 auch ei­ne WM an. Vie­le for­dern hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand ei­ne Ver­le­gung nach Vor­bild des Bob- und Ske­le­ton-Welt­ver­ban­des IBSF, der Sot­schi die WM 2017 ent­zo­gen hat­te. „Wenn der Ver­band nicht ge­nü­gend Mut zur Be­wäl­ti­gung des Pro­blems hat, müs­sen die Ath­le­ten selbst ak­tiv wer­den“, sag­te Mar­tin Four­ca­de, der Do­mi­na­tor der Sze­ne. Zehn WM-Ti­tel und fünf Ge­samt­welt­cup­sie­ge hat der Dop­pelOlym­pia­sie­ger aus Frank­reich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein­ge­fah­ren.

Auch der Deut­sche Ski­ver­band (DSV) drängt auf lü­cken­lo­se Auf­klä­rung. „Wir müs­sen jetzt ab­war­ten, was der Welt­ver­band ent­schei­det, dann wer­den wir von Sei­ten des DSV ei­ne Po­si­ti­on be­zie­hen, even­tu­ell auch mit an­de­ren Na­tio­nen ge­mein­sam“, sag­te Spre­cher Ste­fan Schwarz­bach.

Mit Span­nung wird er­war­tet, wel­che Rich­tung die IBU vor­gibt. Ei­ne ei­ge­ne Ex­per­ten­grup­pe mit Mit­glie­dern aus fünf Na­tio­nen wur­de ein­ge­setzt, um die 31 be­kann­ten Fäl­le zu prü­fen und an­schlie­ßend an den IBU-Vor­stand zu be­rich­ten. „Wenn man sich für Sper­ren ent­schei­det, wer­den die be­trof­fe­nen Sport­ler noch vor dem nächs­ten Welt­cup An­fang Ja­nu­ar in Ober­hof ge­sperrt“, sag­te IBU-Prä­si­dent An­ders Bes­se­berg. Soll­ten sich die Vor­wür­fe be­stä­ti­gen, droht der Ent­zug der Ju­nio­ren-WM im Fe­bru­ar in Ostrow so­wie des Welt­cups in Tju­men. An­ge­sichts der zahl­rei­chen Ver­feh­lun­gen Russ­lands in der Ver­gan­gen­heit schei­nen dra­ko­ni­sche Stra­fen un­aus­weich­lich. Nach drei po­si­ti­ven Fäl­len in der Sai­son 2013/14 war der Ver­band RBU zur Höchst­stra­fe von 100 000 Eu­ro ver­ur­teilt wor­den.

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