Har­sche Kri­tik an Bür­ger­meis­ter Win­kel

Isprin­ger Rä­te be­an­stan­den sei­ne Amts­füh­rung

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von Tors­ten Ochs und Man­fred Schott

Isprin­gen. Der Haus­se­gen in Isprin­gen hängt schief. Das wur­de bei ei­nem Tref­fen ei­ni­ger Ge­mein­de­rä­te klar. Sie kri­ti­sie­ren die Amts­füh­rung von Bür­ger­meis­ter Vol­ker Win­kel. Die­ser wehrt sich ge­gen die Kri­tik.

Wei­te­re acht Jah­re wie bis­her? Das ist für ei­nen Groß­teil des Isprin­ger Ge­mein­de­rats nicht wün­schens­wert. In ei­nem Ge­spräch zur an­ste­hen­den Bür­ger­meis­ter­wahl äu­ßer­ten elf der 18 Rats­mit­glie­der ih­re Be­den­ken. Es wird be­zwei­felt, dass mit Win­kel die Zu­kunft in Isprin­gen ge­stal­tet wer­den kann. Mit den Frei­en Wäh­lern, der CDU, der SPD und der Lis­te Mensch und Um­welt wa­ren al­le vier Rats­frak­tio­nen ver­tre­ten. Ih­re Spre­cher Wolf­gang Ball­arin, Mar­tin Kär­cher, Ma­nu­el Lin­ken­heil und Pas­cal Stoll, mach­ten deut­lich, dass die meis­ten der nicht an­we­sen­den Rä­te die­sel­be An­sicht ver­trä­ten. Die Ge­mein­de­rä­te äu­ßer­ten den Wunsch, dass es bei der Bür­ger­meis­ter­wahl am 5. Fe­bru­ar ei­ne „ech­te“Wahl ge­be mit wei­te­ren kom­pe­ten­ten Be­wer­bern. Bis­her ist Win­kel der ein­zi­ge Kan­di­dat.

„Wenn wir es nicht ge­macht hät­ten, wä­re gar nichts ge­sche­hen“, sag­te Ur­su­la Ne­sper-Adel­helm zur Ar­beit im Ge­mein­de­rat und Ma­nu­el Lin­ken­heil füg­te hin­zu: „Er hat kei­ne Vor­stel­lun­gen, wie es wei­ter­ge­hen soll.“Die­se Äu­ße­run­gen be­schrei­ben ein Kern­pro­blem in den Vor­wür­fen zur Amts­füh­rung des Schul­tes. Die Lö­sung der meis­ten Auf­ga­ben ge­he von Initia­ti­ven aus der Mit­te des Ge­mein­de­ra­tes aus. Es müs­se aber um­ge­kehrt sein. Der Bür­ger­meis­ter müs­se mit sei­nem Fach­wis­sen die rich­tungs­wei­sen­den Vor­schlä­ge fun­diert un­ter­brei­ten. Da­bei müs­se sich der Ge­mein­de­rat aber auch auf Aus­sa­gen zur tat­säch­li­chen und recht­li­chen Si­tua­ti­on ver­las­sen kön­nen. Das Zu­hö­ren und Ver­ste­hen wer­de eben­so ver­misst wie ei­ne an­ge­mes­se­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on, auch im Ver­hält­nis zu an­de­ren In­sti­tu­tio­nen und zum Rat­haus­per­so­nal. Da­mit hät­ten bei­spiels­wei­se auch Pro­ble­me in der Per­so­nal­füh­rung mit Blick auf die star­ke, auch kos­ten­in­ten­si­ve Per­so­nal­fluk­tua­ti­on der ver­gan­ge­nen Jah­re bes­ser ge­löst wer­den kön­nen, füh­ren die Rä­te aus. „Die­se Aus­sa­gen är­gern mich zu­tiefst, da die Grün­de da­für – die ich aber öf­fent­lich nicht äu­ßern darf – den Ge­mein­de­rä­ten durch­aus be­kannt sind“, ent­geg­net Bür­ger­meis­ter Win­kel. „Die Per­so­nal­si­tua­ti­on im Rat­haus war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht ein­fach und hat mich viel Zeit und vie­le Ge­dan­ken ge­kos­tet. Heu­te ha­ben wir ei­ne toll funk­tio­nie­ren­de Ver­wal­tung, in der ne­ben gu­ter Ar­beit auch die Freu­de an der Ar­beit und am Mit­ein­an­der sehr groß ist.“

Die ver­sam­mel­ten Ge­mein­de­rats­mit­glie­der wa­ren sich mit Pas­cal Stoll auch dar­über ei­nig: „Isprin­gen ist ei­ne Ge­mein­de mit Rie­sen­po­ten­zi­al. Die­ses soll­ten Bür­ger­meis­ter und Ver­wal­tung zu 100 Pro­zent aus­schöp­fen, nicht nur zu 50 Pro­zent wie der­zeit“. Auch fol­gen­der Aus­spruch von Ma­nu­el Lin­ken­heil spie­gelt die Stim­mung im Ge­mein­de­rat wi­der: „Uns geht die Lust ver­lo­ren, ak­tiv mit­zu­ge­stal­ten. Man muss übe­r­all hin­schau­en, wo Tret­mi­nen lie­gen. Es muss sich ra­di­kal et­was im Rat­haus än­dern.“

Bür­ger­meis­ter Win­kel möch­te das nicht so ste­hen las­sen: Selbst­ver­ständ­lich wol­le er Isprin­gens Po­ten­zi­al nut­zen und Ide­en ent­wi­ckeln, um Isprin­gen wei­ter vor­an zu brin­gen. An­de­rer­seits sei es aber auch so, dass des­halb nicht al­les um­ge­krem­pelt wer­den müs­se. Vi­sio­nen

„Uns geht die Lust ver­lo­ren, ak­tiv mit­zu­ge­stal­ten“

und Ide­en müss­ten auch rea­li­sier­bar und fi­nan­zier­bar sein. Es stel­le sich im­mer auch die Fra­ge, ob sie vom Ge­mein­de­rat mit­ge­tra­gen wer­den.

„Aus den Vor­wür­fen spre­chen of­fen­sicht­lich un­ter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen über das Rol­len­ver­ständ­nis zwi­schen dem Ge­mein­de­rat und dem Bür­ger­meis­ter mit­samt sei­nen Mit­ar­bei­tern“, so Win­kel. Tei­le des Ge­mein­de­ra­tes se­hen sich ger­ne in ei­ner Art all­ge­mei­ner Auf­sichts­funk­ti­on ge­gen­über der Ver­wal­tung.

Tat­sa­che sei, dass der Ge­mein­de­rat nach der Ge­mein­de­ord­nung kein Par­la­ment, son­dern das Haupt­ver­wal­tungs­or­gan der Ge­mein­de ist. Das be­deu­te, dass auch die­ses Gre­mi­um durch­aus Vi­sio­nen und Lö­sun­gen ent­wi­ckeln dür­fe. Im­mer­hin sei­en auch sie von den Bür­gern ge­wählt und sol­len ih­re In­ter­es­sen ver­tre­ten. Ihm sei ei­ne „po­si­ti­ve Kultur des Mit­ein­an­der“wich­tig, „bei dem je­der zu Wort kommt, bei der je­de Mei­nung zählt und bei der ge­mein­sam Ide­en ent­wi­ckelt wer­den“.

„Vie­le der Ide­en von mir und der Ge­mein­de­ver­wal­tung – und auch die­se wur­den oft­mals in­tern ge­mein­sam ent­wi­ckelt – wur­den im Ge­mein­de­rat lan­ge und teil­wei­se sehr kon­tro­vers dis­ku­tiert, und oft­mals war es so, dass sich auch der Ge­mein­de­rat nicht zu ei­nem ein­heit­li­chen Vor­ge­hen ei­ni­gen konn­te“, so Win­kel, der al­le Bür­ger ein­lädt, ei­ne Sit­zung zu be­su­chen.

SCHIEFER HAUS­SE­GEN: Vor­wür­fe ma­chen ei­ni­ge Isprin­ger Ge­mein­de­rä­te Bür­ger­meis­ter Vol­ker Win­kel. Sie wün­schen sich ei­ne neue Ver­wal­tungs­spit­ze. Foto: ms

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