Ver­dacht ge­gen Am­ri er­här­tet sich

Haft­be­fehl der Bun­des­an­walt­schaft / Be­ton­pol­ler sol­len die Bür­ger schüt­zen

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE - Foto: dpa

Ber­lin/Karlsruhe (dpa/BNN). Die Bun­des­re­gie­rung geht in­zwi­schen mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit da­von aus, dass der Tu­ne­si­er Anis Am­ri mit dem Sat­tel­zug in den Weih­nachts­markt im Zen­trum Ber­lins ge­rast ist. Die Fin­ger­ab­drü­cke des Ter­ror­ver­däch­ti­gen wur­den am Fah­rer­haus des Lkw si­cher­ge­stellt, wie In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re ges­tern nach ei­nem Be­such des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes (BKA) in Ber­lin sag­te. Die Bun­des­an­walt­schaft er­wirk­te ei­nen Haft­be­fehl ge­gen Anis Am­ri. Das teil­te ei­ne Spre­che­rin der Be­hör­de ges­tern Abend in Karlsruhe mit. Der Ter­ror­ver­däch­ti­ge ist nach ei­nem Be­richt des Sen­ders rbb we­ni­ge St­un­den nach

Mer­kel lobt Re­ak­ti­on der Be­völ­ke­rung

dem An­schlag auf den Weih­nachts­markt an ei­nem Sala­fis­ten­treff­punkt in Ber­lin ge­filmt wor­den, al­so knapp acht St­un­den nach dem An­schlag.

Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel hofft auf ei­ne bal­di­ge Fest­nah­me von Am­ri. Man ha­be theo­re­tisch „schon seit lan­gem ge­wusst, dass wir auch Ziel­schei­be des is­la­mis­ti­schen Ter­ro­ris­mus sind. Und trotz­dem ist dann, wenn ein sol­cher Fall ein­tritt, wie die­ser ter­ro­ris­ti­sche An­schlag auf den Breit­scheid­platz, das na­tür­lich noch ein­mal et­was ganz an­de­res“. Die Ge­dan­ken sei­en bei den An­ge­hö­ri­gen der Op­fer und bei den Ver­letz­ten im Kran­ken­haus. „Und ge­ra­de ih­nen schul­den wir auch die best­mög­li­che Ar­beit“, er­gänz­te die Kanz­le­rin. Man ha­be in Deutsch­land er­heb­li­che An­stren­gun­gen im Kampf ge­gen den Ter­ro­ris­mus un­ter­nom­men. Da­bei ha­be man die „Wer­te von De­mo­kra­tie und Rechts­staat­lich­keit auf un­se­rer Sei­te“. Sie sei stolz, wie die Men­schen in Deutsch­land auf den An­schlag re­agiert hät­ten.

Ges­tern wur­de der Weih­nachts­markt auf dem Ber­li­ner Breit­scheid­platz wie­der ge­öff­net. Zum Schutz der Be­su­cher wur­den schwe­re Be­ton­blö­cke auf­ge­stellt. Auch am Bran­den­bur­ger Tor wur­den Be­ton­pol­ler auf­ge­rich­tet.

Auf die Spur des 24-jäh­ri­gen Am­ri ka­men die Er­mitt­ler, als sie im Last­wa­gen sei­ne Dul­dungs­pa­pie­re fan­den. Das ge­schah aber erst am Di­ens­tag, weil die Fah­rer­ka­bi­ne zu­nächst ver­sie­gelt wor­den war. Un­ter­des­sen er­höh­ten die Er­mitt­ler den Fahn­dungs­druck. In Nord­rhein-West­fa­len gab es Po­li­zei­ein­sät­ze. Im di­rek­ten Zu­sam­men­hang mit dem Ber­li­ner An­schlag wur­de nach An­ga­ben der Bun­des­an­walt­schaft in Karlsruhe aber nie­mand fest­ge­nom­men. In Em­me­rich im Kreis Kle­ve durch­such­ten Be­am­te ei­ne Flücht­lings­un­ter­kunft. Dort war Am­ri laut „Spie­gel on­li­ne“of­fi­zi­ell ge­mel­det. Nach ei­nem Be­richt der „New York Ti­mes“soll sich Am­ri im In­ter­net über den Bau von Spreng­sät­zen in­for­miert ha­ben. Die Be­hör­den hat­ten den Tu­ne­si­er, der mit ver­schie­de­nen Na­men vor al­lem in Nord­rhein-West­fa­len und Ber­lin agier­te, mo­na­te­lang als so­ge­nann­ten Ge­fähr­der auf dem Ra­dar, sie konn­ten ihm aber nichts nach­wei­sen.

Als Ge­fähr­der wer­den un­ter an­de­rem ra­di­ka­le Is­la­mis­ten be­zeich­net, de­nen schwe­re Straf­ta­ten zu­ge­traut wer­den. Nach dem An­schlag ge­rät die Kanz­le­rin in der po­li­ti­schen De­bat­te noch mehr un­ter Druck.

Der Chef der Li­be­ra­len, Chris­ti­an Lind­ner, sprach von „ka­ta­stro­pha­len Feh­lern“und kri­ti­sier­te Nord­rheinWest­fa­lens In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD). „Es liegt of­fen­bar ein Staats­ver­sa­gen vor, das nicht to­le­riert wer­den kann“, sag­te er. CDU-Bun­des­vi­ze Ar­min La­schet kri­ti­sier­te: „Die In­for­ma­tio­nen, die wir seit ges­tern be­kom­men, die kön­nen ei­nen nur er­schüt­tern, wie Be­hör­den hier ge­ar­bei­tet ha­ben.“

Kom­men­tar, Son­der­sei­te, bnn.de

BE­TON­POL­LER, wie hier am Bran­den­bur­ger Tor in Ber­lin, sol­len wei­te­re An­schlä­ge ver­hin­dern.

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