Ge­fahr für den Rechts­staat

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MAR­TIN FER­BER

Es ist ein rein po­li­ti­scher Be­griff, kein ju­ris­ti­scher. Ge­nau­er noch, ei­gent­lich nur ei­ne in­ter­ne De­fi­ni­ti­on der Si­cher­heits­be­hör­den oh­ne ge­setz­li­che Ver­an­ke­rung. Ge­fähr­der, so ha­ben die Chefs der Lan­des­kri­mi­nal­äm­ter und des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes im Jahr 2004 fest­ge­legt, sind Per­so­nen, bei de­nen kein kon­kre­ter Hin­weis vor­liegt, dass sie ei­ne Straf­tat pla­nen, bei de­nen aber „be­stimm­te Tat­sa­chen“die An­nah­me be­grün­den, dass sie Straf­ta­ten von er­heb­li­cher Be­deu­tung be­ge­hen könn­ten.

Nach den Er­kennt­nis­sen der Si­cher­heits­be­hör­den gibt es der­zeit rund 530 is­la­mis­ti­sche Ge­fähr­der, auch Anis Am­ri, der mut­maß­li­che At­ten­tä­ter von Ber­lin, ge­hör­te zu ih­nen. Vor sechs Jah­ren wa­ren es noch 120. Ei­ne be­sorg­nis­er­re­gen­de Ent­wick­lung. Doch ein­zig und al­lein die Ein­schät­zung, dass sie mög­li­cher­wei­se ei­ne Straf­tat ver­üben könn­ten, reicht nicht aus, um sie ju­ris­tisch zu be­lan­gen. Da­her wer­den sie über­wacht, man­che von ih­nen so­gar rund um die Uhr. Das al­ler­dings ist auf­wen­dig und teu­er, im Ge­spräch ist ei­ne Ge­set­zes­än­de­rung, um auch die Über­wa­chung mit der elek­tro­ni­schen Fuß­fes­sel zu er­mög­li­chen. Aber auch dies ver­spricht kei­nen hun­dert­pro­zen­ti­gen Schutz.

Ge­fähr­der wie Anis Am­ri sind ei­ne Her­aus­for­de­rung für den frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­schen Rechts­staat, in dem das Grund­recht der Mei­nungs­frei­heit und

das Prin­zip der Un­schulds­ver­mu­tung gel­ten und je­dem Ver­däch­ti­gen die in­di­vi­du­el­le Schuld nach­ge­wie­sen wer­den muss. Nur in au­to­kra­ti­schen Re­gi­men und Dik­ta­tu­ren wer­den die­se Grund­prin­zi­pi­en des Rechts mit Fü­ßen ge­tre­ten und Men­schen ih­rer blo­ßen Ge­sin­nung we­gen ver­ur­teilt, was der Denun­zia­ti­on Tür und Tor öff­net.

Um­so wich­ti­ger ist es, dass der Staat ganz am An­fang, bei der Ein­rei­se, mit al­len zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln kon­trol­liert und über­wacht, wer ins Land kom­men will. Da hat es im Fal­le von Anis Am­ri wohl er­heb­li­che Lü­cken ge­ge­ben. Gleich­zei­tig muss die Re­gie­rung den Druck auf die Her­kunfts­län­der er­hö­hen, ih­re rechts­kräf­tig ver­ur­teil­ten Bür­ger zu­rück­zu­neh­men. Nicht zu­letzt sind aber auch die fried­lich in Deutsch­land le­ben­den Mus­li­me auf­ge­for­dert, auf ent­schlos­se­ne und kon­se­quen­te Dis­tanz zu all je­nen zu ge­hen, die Hass pre­di­gen und zur Ge­walt an­sta­cheln. Ge­ra­de von ih­rer Be­reit­schaft, mit den deut­schen Si­cher­heits­be­hör­den zu ko­ope­rie­ren so­wie Vor­fäl­le in Mo­sche­en oder Auf­ru­fe in Ver­samm­lun­gen zu mel­den, hängt es ab, ob Deutsch­land das bleibt, was es ist – ein fried­li­ches und rechts­staat­li­ches Land. Oder ob die Brü­der im Geis­te, die Ra­di­ka­len und Ex­tre­mis­ten hier wie da, Hand in Hand die Axt an die freie Ge­sell­schaft mit ih­ren Wer­ten und Prin­zi­pi­en le­gen.

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