Schlech­te Kar­ten für Valls

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - CHRIS­TI­NE LONGIN

Ma­nu­el Valls, der frü­he­re Re­gie­rungs­chef in Paris, tut sich schwer da­mit, sei­ne so­zia­lis­ti­sche Par­tei hin­ter sich zu ei­nen. Zu sehr hat der 54-Jäh­ri­ge die Par­tei mit sei­nem kom­pro­miss­lo­sen so­zi­al­li­be­ra­len Kurs ge­spal­ten. Die Kluft, die Valls da­mit hin­ter­ließ, be­stimmt nun auch den in­ner­par­tei­li­chen Wahl­kampf. „Al­les au­ßer Valls“lau­tet das un­aus­ge­spro­che­ne Mot­to, un­ter dem sich die an­de­ren Kan­di­da­ten der Vor­wah­len ge­gen den Fa­vo­ri­ten zu­sam­men­ge­tan ha­ben. Vor al­lem sei­ne aus­sichts­reichs­ten Geg­ner, die drei Ex-Mi­nis­ter Arn­aud Mon­tebourg, Be­noît Ha­mon und Vin­cent Peil­lon, de­fi­nie­ren sich als Ge­gen­ent­wür­fe zu Valls.

Der ge­bür­ti­ge Spa­nier stieg erst in den Vor­wahl­kampf ein, nach­dem Prä­si­dent François Hol­lan­de sei­nen Ver­zicht auf ei­ne wei­te­re Kan­di­da­tur er­klärt hat­te. Der eins­ti­ge Pre­mier­mi­nis­ter steht nun vor der Her­aus­for­de­rung, die ma­ge­re Bi­lanz von Hol­lan­de zu ver­tei­di­gen und sich gleich­zei­tig als ei­gen­stän­di­ger Be­wer­ber zu prä­sen­tie­ren. Der schärfs­te Wi­der­sa­cher von Valls, Ex-Wirt­schafts­mi­nis­ter Arn­aud Mon­tebourg, spricht

ihm die Glaub­wür­dig­keit ab. Der 54-Jäh­ri­ge Ver­tre­ter des lin­ken Par­tei­flü­gels hat­te be­reits im Au­gust sei­ne Kan­di­da­tur für die Vor­wah­len er­klärt und war da­bei von Hol­lan­de als Geg­ner aus­ge­gan­gen. Nach­dem der Prä­si­dent am 1. De­zem­ber über­ra­schend ei­nen Rück­zie­her ge­macht hat­te, er­litt auch der Wahl­kampf des Ver­fech­ters von „Ma­de in Fran­ce“ei­nen Dämp­fer. Von der Schwä­che Mon­tebourgs könn­te der frü­he­re Bil­dungs­mi­nis­ter Be­noit Ha­mon pro­fi­tie­ren, der in Um­fra­gen al­ler­dings nur bei 14 Pro­zent liegt. Der 49-Jäh­ri­ge er­hofft sich ei­nen ähn­li­chen Ef­fekt wie ihn François Fil­lon bei den Vor­wah­len der Kon­ser­va­ti­ven er­leb­te. Der eins­ti­ge Re­gie­rungs­chef war lan­ge hin­ten ge­le­gen und hat­te erst kurz vor der ers­ten Run­de mit sei­nem stramm kon­ser­va­ti­ven Pro­fil sei­ne Kon­kur­ren­ten über­holt. Gleich­gül­tig, wer die Vor­wah­len am 22. und 29. Ja­nu­ar ge­winnt: kei­ner der so­zia­lis­ti­schen Kan­di­da­ten dürf­te es in die zwei­te Run­de der Prä­si­dent­schafts­wahl im Mai schaf­fen. Bei den Vor­wah­len geht es eher dar­um, die Wei­chen für die Zu­kunft der so­zia­lis­ti­schen Par­tei zu stel­len.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.