FDP-Chef spricht von „Staats­ver­sa­gen“

Wei­ter De­bat­te um po­li­ti­sche Kon­se­quen­zen

Pforzheimer Kurier - - DER ANSCHLAG UND DIE FOLGEN -

Die po­li­ti­schen Re­fle­xe wie­der­ho­len sich. Nach An­schlä­gen, wird über mög­li­che Kon­se­quen­zen und schär­fe­re Ge­set­ze de­bat­tiert. Ge­for­dert wur­den ges­tern er­neut ei­ne Aus­wei­tung von Vi­deoÜber­wa­chun­gen, län­ge­re Ab­schie­be­haft für Straf­tä­ter so­wie der Ein­satz „elek­tro­ni­scher Fuß­fes­seln“bei so­ge­nann­ten Ge­fähr­dern. Meh­re­re Po­li­ti­ker warn­ten aber auch vor vor­schnel­len Schluss­fol­ge­run­gen und mahn­ten, zu­nächst die wei­te­ren Er­mitt­lun­gen ab­zu­war­ten.

Der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) sieht Nach­hol­be­darf bei den Si­cher­heits­be­hör­den. „Wir wer­den uns noch in­ten­si­ver mit den Per­so­nen be­schäf­ti­gen, die von den Si­cher­heits­be­hör­den als Ge­fähr­der ein­ge­stuft wer­den“, kün­dig­te Strobl ges­tern nach An­ga­ben ei­ner Mi­nis­te­ri­ums­spre­che­rin an. „Die Si­cher­heits­be­hör­den brau­chen zu­sätz­li­che Hand­lungs­mög­lich­kei­ten. Hier müs­sen wir nach­jus­tie­ren“, mein­te der Mi­nis­ter. FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner kri­ti­siert „ka­ta­stro­pha­le Feh­ler“der Be­hör­den und er­hebt auch Vor­wür­fe ge­gen NRW-In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD). „Es liegt of­fen­bar ein Staats­ver­sa­gen vor, das nicht to­le­riert wer­den kann“, sag­te Lind­ner ges­tern. Wer die Feh­ler zu ver­ant­wor­ten ha­be, müs­se prä­zi­se er­mit­telt wer­den. Lind­ner for­der­te: „Ge­fähr­der müs­sen zu­künf­tig lü­cken­los über­wacht wer­den. Da­für müs­sen die tech­ni­schen und per­so­nel­len Vor­aus­set­zun­gen ge­schaf­fen wer­den.“Not­falls soll­ten ih­nen elek­tro­ni­sche Fuß­fes­seln an­ge­legt wer­den. Auf ei­ne Aus­wei­tung der Ab­schie­be­haft für Straf­tä­ter dräng­te der Vor­sit­zen­de der Deut­schen Po­li­zei­ge­werk­schaft, Rai­ner Wendt. „Al­les an­de­re ist ei­ne Far­ce“, sag­te er der „Rhei­ni­schen Post“.

Schar­fe Kri­tik ern­ten der­weil For­de­run­gen vor al­lem aus CSU und AfD nach ei­ner Än­de­rung der Flücht­lings­po­li­tik. Der rhein­land-pfäl­zi­sche In­nen­mi­nis­ter Ro­ger Le­w­entz (SPD) hält die Kri­tik von CSU-Chef Horst See­ho­fer für „un­an­stän­dig“. „Das war auch ein ziem­lich bru­ta­ler An­griff auf die Kanz­le­rin“, sag­te Le­w­entz ges­tern. See­ho­fer hat­te nach dem An­schlag ei­ne Über­prü­fung und Neu­jus­tie­rung der Zu­wan­de­rungs- und Si­cher­heits­po­li­tik ge­for­dert. Auch die Karls­ru­her Grü­nen-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Syl­via Kot­ting-Uhl kri­ti­sier­te See­ho­fer. Nicht nur die AfD auch die Re­gie­rungs­par­tei CSU ver­su­che nun „ge­nau­so un­dif­fe­ren­ziert“aus dem schreck­li­chen An­schlag po­li­ti­sches Ka­pi­tal zu schla­gen. „Spal­tung der Ge­sell­schaft, wie es AfD und CSU ge­ra­de ver­su­chen, ist die fal­sche Re­ak­ti­on auf die­se Tat.“Wenn man die Prin­zi­pi­en von Frei­heit, Welt­of­fen­heit und Mit­mensch­lich­keit auf­ge­be, füh­re das zu mehr Angst und Feind­se­lig­keit, aber kei­nes­wegs zu mehr Si­cher­heit, er­klär­te Kot­ting-Uhl ge­gen­über die­ser Zei­tung. Auch aus der CDU er­hält See­ho­fe Ge­gen­wind. Die saar­län­di­sche Mi­nis­ter­prä­si­den­tin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er emp­fahl See­ho­fer im „Spie­gel“: „Erst auf­klä­ren, dann sach­lich dis­ku­tie­ren und erst am En­de, falls er­for­der­lich, Ge­set­ze än­dern“. Es sei wich­tig, die­se Rei­hen­fol­ge ein­zu­hal­ten und nicht vor­ei­li­ge po­li­ti­sche Schlüs­se zu zie­hen. BNN/AFP/dpa

Ge­gen­wind für CSU-Chef See­ho­fer

ÜBERWACHUNGSMASSNAHME: Der Ein­satz von elek­tro­ni­schen Fuß­fes­seln ist um­strit­ten, in der Po­li­tik wer­den For­de­run­gen laut, ver­stärkt dar­auf zu set­zen. Foto: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.