Dul­dung

Pforzheimer Kurier - - DER ANSCHLAG UND DIE FOLGEN -

Ei­ne Dul­dungs­be­schei­ni­gung bringt die Er­mitt­ler auf die Spur von Aris Am­ri. Der Kreis Kle­ve hat­te die Pa­pie­re aus­ge­stellt, weil ei­ne Ab­schie­bung nicht mög­lich war. Am­ri hat­te kei­ne gül­ti­gen Pa­pie­re und Tu­ne­si­en wei­ger­te sich, ihn als Bür­ger ih­res Staa­tes an­zu­er­ken­nen.

Nach dem Aus­län­der­recht stellt ei­ne Dul­dung le­dig­lich ei­ne „vor­über­ge­hen­de Aus­set­zung der Ab­schie­bung“von aus­rei­se­pflich­ti­gen Aus­län­dern dar. Sie be­grün­det kei­nen recht­mä­ßi­gen Auf­ent­halt, son­dern be­schei­nigt dem Aus­län­der le­dig­lich, dass er bei den Be­hör­den re­gis­triert ist und dass von ei­ner Durch­set­zung der be­ste­hen­den Aus­rei­se­pflicht ab­ge­se­hen wird. Die Grün­de kön­nen viel­fäl­tig sein: Feh­len­de Pa­pie­re, Krank­heit, Schwan­ger­schaft, Bür­ger­krieg im Her­kunfts­land oder auch feh­len­de Flug­ver­bin­dun­gen wie zum Bei­spiel nach So­ma­lia. In den ers­ten drei Mo­na­ten be­steht ein Ar­beits­ver­bot, da­nach kann mit Zu­stim­mung der Agen­tur für Ar­beit ein Job an­ge­nom­men wer­den. In­ha­ber ei­ner Dul­dung dür­fen sich nur in ih­rem Bun­des­land auf­hal­ten (Re­si­denz­pflicht), zu­dem ha­ben sie kei­nen An­spruch auf Hartz IV oder So­zi­al­hil­fe, son­dern le­dig­lich auf Leis­tun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz.

In Deutsch­land le­ben der­zeit nach of­fi­zi­el­len An­ga­ben 168 000 Men­schen, die ei­gent­lich aus­rei­se­pflich­tig wä­ren, zwei Drit­tel sind Män­ner. Die meis­ten stam­men aus Ser­bi­en und Af­gha­nis­tan, es fol­gen das Ko­so­vo, Sy­ri­en und Al­ba­ni­en. Ex­per­ten ge­hen da­von aus, dass ih­re Zahl im kom­men­den Jahr auf rund ei­ne hal­be Mil­li­on an­stei­gen könn­te, wenn das Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf) al­le bis­lang noch un­be­ar­bei­te­ten An­trä­ge ab­ge­ar­bei­tet hat.

Mit spe­zi­el­len Rück­kehr­pro­gram­men ha­ben so­wohl der Bund als auch die Län­der fi­nan­zi­el­le An­rei­ze zu ei­ner frei­wil­li­gen Aus­rei­se ge­schaf­fen. Die Be­hör­den über­neh­men nicht nur die Kos­ten für die Rei­se, son­dern stel­len auch Geld be­reit, um ih­ren Neu­an­fang im Hei­mat­land zu er­leich­tern. Bis zum 1. De­zem­ber wur­den 51 243 An­trä­ge zur För­de­rung der frei­wil­li­gen Rück­kehr be­wil­ligt, deut­lich mehr als im Vor­jahr, als es rund 35 000 wa­ren. Gleich­zei­tig er­reich­te auch die Zahl der Ab­schie­bun­gen ei­nen neu­en Höchst­stand. In den ers­ten elf Mo­na­ten des Jah­res wur­den 23 750 Aus­län­der, de­ren An­trag auf Asyl ab­ge­lehnt wor­den war, in ih­re Hei­mat­län­der zu­rück­ge­bracht, im gan­zen Jahr 2015 wa­ren es 20 888. Mar­tin Fer­ber

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