Der Fall VW und die Rechts­schutz­ver­si­che­rer

Om­buds­mann Hirsch hat­te wie­der gut zu tun

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Frie­de­ri­ke Marx Gün­ter Hirsch

Frankfurt/Ber­lin. Streit mit Le­bens­ver­si­che­run­gen und Är­ger we­gen der VW-Ab­gas­af­fä­re: Tau­sen­de Kun­den ha­ben sich in die­sem Jahr wie­der bei der Fi­nanz­auf­sicht Ba­fin und beim Om­buds­mann für Ver­si­che­run­gen über ih­re As­se­ku­ranz be­schwert.

Die Ba­fin be­ar­bei­te­te bis En­de Sep­tem­ber 6 110 Ein­wän­de ab­schlie­ßend. An der Spit­ze stan­den Kon­flik­te von Ver­brau­chern mit Le­bens­ver­si­che­run­gen (1 374) ge­folgt von mehr als je­weils 1 000 Kla­gen über Kraft­fahrt­ver­si­che­run­gen und Kran­ken­ver­si­che­run­gen, wie die Ba­fin mit­teil­te.

Mehr Kun­den als im Vor­jahr är­ger­ten sich da­nach über Rechts­schutz- und Kran­ken­ver­si­che­run­gen. Mit Le­bens­ver­si­che­run­gen gab es da­ge­gen et­was we­ni­ger Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Ins­ge­samt dürf­te die Ge­samt­zahl der Be­schwer­den in et­wa das Vor­jah­res­er­geb­nis er­rei­chen, er­klär­te die Fi­nanz­auf­sicht.

Am häu­figs­ten kri­ti­sier­ten Kun­den – un­ab­hän­gig von der Art der As­se­ku­ranz – die Art der Scha­den­be­ar­bei­tung so­wie die Hö­he der Ver­si­che­rungs­leis­tung, die aus ih­rer Sicht zu nied­rig aus­fiel. Mehr als 500 Be­schwer­den gin­gen beim Om­buds­mann für Ver­si­che­run­gen al­lein we­gen des Wi­der­rufs von al­ten Le­bens­ver­si­che­rungs­ver­trä­gen ein. Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) hat­te Kun­den bei feh­ler­haf­ten Be­leh­run­gen ein „ewi­ges“Recht zum Wi­der­ruf ein­ge­räumt. Da­mit kön­nen Ver­brau­cher auch Jah­re spä­ter noch güns­tig aus ih­rem Ver­trag her­aus­kom­men. „Un­ter ganz eng be­grenz­ten Be­din­gun­gen kann sich der Kun­de al­ler­dings nicht dar­auf be­ru­fen. Die­se Fäl­le lan­den dann bei uns“, sag­te Om­buds­mann Gün­ter Hirsch, der frü­her Prä­si­dent des Bun­des­ge­richts­hofs in Karlsruhe war.

Vie­le Be­sit­zer von VW-Die­sel­fahr­zeu­gen är­ger­ten sich Hirsch zu­fol­ge über ih­re Rechts­schutz­ver­si­che­rung. Die Au­to­be­sit­zer woll­ten sich nicht mit der von Volks­wa­gen an­ge­bo­te­nen Nach­bes­se­rung der Soft­ware zu­frie­den­ge­ben, son­dern ver­lang­ten Scha­den­er­satz oder woll­ten vom Kauf­ver­trag zu­rück­tre­ten.

Nicht al­le Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen ga­ben den Hal­tern da­für je­doch De­ckungs­schutz. Die Be­grün­dung der As­se­ku­ran­zen: Ei­ne Kla­ge ha­be kei­ne Aus­sicht auf Er­folg. Man­che Fäl­le lan­de­ten beim Om­buds­mann Gün­ter Hirsch, „weil ei­ni­ge Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen das Er­geb­nis des an­schlie­ßen­den Gut­ach­ter­ver­fah­rens nicht an­er­kann­ten“.

Der Om­buds­mann sucht bei Kon­flik­ten ei­ne güt­li­che Ei­ni­gung, kann bis zu ei­nem Streit­wert von 10 000 Eu­ro aber auch ver­bind­lich ent­schei­den. Da­ne­ben ent­schei­den über Streit­fäl­le die Ba­fin und die Amts­ge­rich­te.

GE­NAU HINGESCHAUT: Im­mer wie­der sind Kun­den un­zu­frie­den mit ih­rer Ver­si­che­rung. Vie­le Fäl­le lan­den bei der Fi­nanz­auf­sicht oder beim Om­buds­mann. Am häu­figs­ten wer­den die Art der Scha­den­be­ar­bei­tung und die Hö­he der Leis­tung mo­niert. Fo­tos: dpa

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