Was­ser, Mehl und Schweig­sam­keit

Vor christ­li­chen Fei­er­ta­gen ist Hoch­sai­son in den Hos­ti­en­bä­cke­rei­en

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ste­phen Wolf

Bad Wald­see/Mann­heim. We­ni­ge Wor­te wer­den ge­wech­selt, wenn die Or­dens­schwes­tern Ar­te­mia und Re­vo­ka­ta das un­ge­säu­er­te Brot im Klos­ter Reu­te (Kreis Ravensburg) ba­cken. Wäh­rend die Back­ei­sen zi­schen und damp­fen, kon­zen­trie­ren sich die Fran­zis­ka­ne­rin­nen in der Hos­ti­en­bä­cke­rei auf ihr Hand­werk. Und auf ein ge­le­gent­li­ches Gebet. Beim Ba­cken, so sagt Re­vo­ka­ta, füh­le sie sich den Men­schen ver­bun­den, zu de­nen die Hos­ti­en kom­men: „Ich ha­be kein spe­zi­el­les Gebet, das ich spre­che“, sagt sie. Den­noch, die Obla­ten sym­bo­li­sie­ren im christ­li­chen Glau­ben den Leib Chris­ti. Das Ba­cken gilt als ty­pi­sches Klos­ter­hand­werk.

„Es dient auch zur Ein­kehr und Me­di­ta­ti­on“, sagt Schwes­ter Eli­sa Kreut­zer, die für die Fran­zis­ka­ne­rin­nen die Öf­fent­lich­keits­ar­beit er­le­digt. Das Klos­ter in Reu­te, ei­nem Orts­teil der Stadt Bad Wald­see, ist Haupt­sitz. Ins­ge­samt gibt es et­wa 230 „Fran­zis­ka­ne­rin­nen von Reu­te“. Seit 1873 wer­den hier Hos­ti­en ge­ba­cken, das Re­zept ist gleich ge­blie­ben. Der Teig be­steht aus Wei­zen­mehl und Was­ser und wird mit spe­zi­el­len Hos­ti­en­ei­sen ge­ba­cken. Auf ei­ner Sei­te der Ei­sen sind re­li­giö­se Mo­ti­ve – et­wa das Christ­kind – ein­ge­prägt, die auf den Hos­ti­en zu se­hen sind. Die Bil­der sol­len bei der Kom­mu­ni­on an das Le­ben und Wir­ken Je­su er­in­nern. Die Schwes­tern stel­len über das Jahr Tau­sen­de Hos­ti­en her, bis zu 2 000 am Tag. Bis vor drei Jah­ren be­lie­fer­te das Klos­ter Ge­mein­den in Deutsch­land. Auch im eu­ro­päi­schen Aus­land und in Über­see ka­men die Hos­ti­en an. Die Nach­fra­ge sei nach wie vor groß – ge­ra­de weil Mo­ti­vHos­ti­en als Be­son­der­heit gel­ten, sagt Schwes­ter Eli­sa. Doch kon­zen­trie­re man sich heu­te auf den Ei­gen­be­darf, das sei auch der Per­so­nal­knapp­heit ge­schul­det.

Hos­ti­en wer­den auch in der Mann­hei­mer Op­fer­brot­bä­cke­rei Sta­si­us über­wie­gend mit Wei­zen und Was­ser her­ge­stellt. Das 1955 ge­grün­de­te Un­ter­neh­men lie­fert auch glu­ten­freie Hos­ti­en, wenn das die Kun­den wün­schen. „Die Be­din­gun­gen ha­ben sich ge­än­dert“, sagt Ge­schäfts­füh­rer Paul Sta­si­us. Er lei­tet das Un­ter­neh­men, seit sei­ne Schwes­ter Mag­da­le­na 2012 ge­stor­ben ist. Die Fir­ma war nach dem Zwei­ten Welt­krieg der ers­te Be­trieb in Deutsch­land, der Brot­hos­ti­en her­stell­te. Wie der ge­lern­te Bä­cker be­rich­tet, wird der Kreis der Ab­neh­mer seit Jah­ren nicht un­be­dingt klei­ner; aber in Zei­ten, die durch ei­ne an­hal­tend ho­he Zahl an Kir­chen­aus­trit­ten und Pries­ter­man­gel ge­kenn­zeich­net sind, schwan­ken Be­stell­men­gen. „Um zu spa­ren, müs­sen Bi­stü­mer ih­re Ge­mein­den zu­sam­men­le­gen, das er­for­dert auch von uns mehr Fle­xi­bi­li­tät“, sagt Sta­si­us, der prak­ti­zie­ren­der Ka­tho­lik ist. Wie er sagt, wer­den täg­lich 80 000 bis 120 000 Obla­ten her­ge­stellt. Zu den knapp 3 000 Kun­den zäh­len nicht nur Pfar­rei­en, son­dern auch Kran­ken­häu­ser und Klös­ter. Bis­her geht es der Bä­cke­rei gut. Ob das so bleibt? „Schwer ab­zu­schät­zen“, sagt der Chef. An­de­rer­seits ge­be es im­mer wie­der be­son­de­re Auf­trä­ge. Nach wie vor wer­den in der kar­gen Bä­cke­rei Mil­lio­nen von Hos­ti­en im Jahr her­ge­stellt. „Brot für das Le­ben der Welt“, steht in gro­ßen Let­tern an der Wand – di­rekt über dem Back­ofen.

„Es dient auch zur Ein­kehr und Me­di­ta­ti­on“

DIE FRANZISKANERIN, Schwes­ter Ar­te­mia, schaut im Klos­ter Reu­te bei Bad Wald­see durch die aus­ge­stanz­te Form ei­ner frisch ge­ba­cke­nen gro­ßen Obla­te. Foto: Käst­le

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