Fest­tags-Schlem­me­rei mög­lichst oh­ne Tur­bo­mast

Lan­des­tier­schutz­ver­band bit­tet um be­wuss­te Wahl des Weih­nachts­es­sens / Kei­ne Tie­re un­term Baum

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Stutt­gart/Karlsruhe. Ka­vi­ar, Hum­mer und Gän­sestopf­le­ber – die Aus­sicht auf die be­son­ders lu­xu­riö­sen Spiel­ar­ten der Kü­chen­kunst ist für man­chen die ei­gent­li­che At­trak­ti­on des Christ­fests. Doch der Lan­des­tier­schutz­ver­band schüt­tet reich­lich Was­ser in den Cham­pa­gner­kelch: Der­lei so ge­nann­te De­li­ka­tes­sen ge­hen gar nicht, meint des­sen Vor­sit­zen­der Her­bert La­wo.

Wer „ech­ten Ka­vi­ar“kon­su­miert, macht sich nach La­wos An­sicht schul­dig. Die an­geb­li­che De­li­ka­tes­se ge­win­ne man näm­lich, in­dem man weib­li­chen Stö­ren die Fisch­ei­er ent­nimmt – und die sel­te­nen Tie­re so tö­tet, sagt der Ex­per­te. Gleich­falls ei­ne „bes­tia­li­sche Tier­quä­le­rei“sei die Zu­be­rei­tung von le­ben­den Hum­mern. Ihr To­des­kampf im sie­dend hei­ßen Was­ser zie­he sich über Mi­nu­ten hin. Ganz zu schwei­gen von Stopf­le­ber­pro­duk­ten. Da­für wür­den En­ten oder Gän­se über Wo­chen mehr­mals täg­lich zwangs­ge­füt­tert, in­dem man ih­nen ge­walt­sam über ein Me­tall­rohr ge­halt­vol­len Fut­ter­brei di­rekt in den Ma­gen drückt. Prost, Mahl­zeit!

Sol­ches Tier­leid lässt sich nach Mei­nung von Her­bert La­wo ver­hin­dern, in­dem man sich um den Fest­tags­bra­ten Ge­dan­ken macht. Nicht nur ge­gen die ge­nann­ten exo­ti­schen Va­ri­an­ten legt er sein Ve­to ein. „Ich ra­te auch drin­gend zum Ver­zicht auf Fleisch aus Mas­sen­tier­hal­tung und zum Ver­zicht auf ge­fähr­de­te Mee­res­fi­sche, so der Ver­bands­chef ge­gen­über den BNN. Wer ei­ne Gans auf den Tisch brin­gen will, soll­te dem­nach auf den „Bau­ern­hof sei­nes Ver­trau­ens“set­zen. Dort leb­ten Pu­ten, En­ten und Gän­se nicht wie in der Mas­sen­hal­tung un­ter grau­sa­men Hal­tungs­be­din­gun­gen und wür­den nicht im „Tur­bo­mast­ver­fah­ren“auf das ge­wünsch­te Ge­wicht ge­bracht. Nicht im­mer hilft es nach Mei­nung der Tier­schüt­zer, auf Fisch aus­zu­wei­chen. Von Zucht­lachs ra­ten sie ent­schie­den ab, denn die rie­si­gen Aqua­kul­tu­ren wür­den zu­neh­mend zum öko­lo­gi­schen Pro­blem. Ton­nen­wei­se kom­men hier Pes­ti­zi­de und An­ti­bio­ti­ka zum Ein­satz, was gro­ße Um­welt­schä­den ver­ur­sa­che. „Wer den ver­hee­ren­den Raub­bau in den Ozea­nen nicht un­ter­stüt­zen will, mei­det beim Fisch­kauf auch Rot­barsch, See­zun­ge, See­teu­fel, Schol­le, Dorn­hai, Aal und Ka­bel­jau“, sagt La­wo. In sei­ner Fa­mi­lie kom­men zu Weih­nach­ten aus­schließ­lich ve­ge­ta­ri­sche Ge­rich­te auf den Fest­tags­tisch – et­wa fleisch­lo­se Kraut­wi­ckel.

Nach An­sicht von Tier- wie Ver­brau­cher­schüt­zern ist das Weih­nachts­es­sen trotz al­ler Be­kennt­nis­se zur Nach­hal­tig­keit ein Pro­blem­the­ma. We­gen der gro­ßen Fleisch-Nach­fra­ge muss die In­dus­trie mehr als sonst im Jahr pro­du­zie­ren, an­ge­sichts der stres­si­gen Vor­weih­nachts­ta­ge grei­fen vie­le Ver­brau­cher oft ge­dan­ken­los in die Tief­kühl­the­ke, und weil das Geld für Ge­schen­ke ge­braucht

Fleisch-Nach­fra­ge ist zum Fest be­son­ders hoch

wird, fehlt es viel­fach für hoch­wer­ti­ge Le­bens­mit­tel. Die Tie­re müs­sen die Ze­che zah­len.

Das gilt auch für le­ben­di­ge Ex­em­pla­re als Prä­sent un­term Baum. Weih­nach­ten mit all dem Tru­bel sei für Hun­de­wel­pen oder Kat­zen ein denk­bar schlech­ter Zeit­punkt, um sich ein­zu­ge­wöh­nen, meint Her­bert La­wo. Tie­re als Weih­nachts­prä­sent, das sei ge­ne­rell kei­ne so gu­te Idee. „Ein Tier soll­te die Mög­lich­keit ha­ben, in Ru­he in der Fa­mi­lie an­zu­kom­men“.

Von Tie­ren als Über­ra­schungs­ge­schenk hält er erst recht nichts. Je­der, der ein Tier mit­ver­sor­gen muss, müs­se sich vor­her be­wusst ma­chen, dass er Ver­ant­wor­tung tra­ge. Der Vor­sit­zen­de des Lan­des­tier­schutz­ver­bands hat die Er­fah­rung ge­macht, dass in den Wo­chen nach Weih­nach­ten zwi­schen 100 und 300 Tie­re in Hei­men ab­ge­lie­fert wer­den. Sie wa­ren als Ge­schenk ge­dacht, ha­ben die Be­schenk­ten aber so­gleich über­for­dert.

AUF LACHS AUS AQUA­KUL­TU­REN soll­te zum Fest ver­zich­tet wer­den, meint der Lan­des­tier­schutz­ver­band. Die Mas­sen­pro­duk­ti­on brin­ge zu gro­ße Men­gen an Pes­ti­zi­den und An­ti­bio­ti­ka in die Ge­wäs­ser. Fo­tos: dpa

AUF TIE­RE als Fest­tags­prä- sent soll­te man ver­zich­ten.

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