„Es geht um ei­nen Mo­ment der Wahr­haf­tig­keit“

Heu­te er­scheint der Er­folgs­film „To­ni Erd­mann“auf DVD / In­ter­views und Lach­an­fäl­le im Bo­nus-Ma­te­ri­al

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

„Ma­ren, jetzt lass mich hier nicht so ver­re­cken“, ent­fährt es San­dra Hül­ler. Schon vier Lach­an­fäl­le ha­ben sie ge­beu­telt bei ei­ner ei­gent­lich erns­ten Sze­ne von „To­ni Erd­mann“, und noch im­mer un­ter­bricht Re­gis­seu­rin Ma­ren Ade die Auf­nah­me nicht. Im Ge­gen­teil: Die be­tei­lig­ten Schau­spie­ler ver­su­chen, eben­so wie Hül­ler selbst, das La­chen in die Sze­ne ein­zu­bau­en, als Si­gnal für das flat­tern­de Ner­ven­kos­tüm der von Hül­ler ge­spiel­ten Un­ter­neh­mens­be­ra­te­rin Ines Con­ra­di. Erst zwei wei­te­re Pru­stat­ta­cken spä­ter kommt die er­lö­sen­de Un­ter­bre­chung.

Zu se­hen ist die­ser Mit­schnitt nun im Bo­nus­ma­te­ri­al der heu­te er­schei­nen­den DVD des Er­folgs­films „To­ni Erd­mann“– Stich­wort „Lach­an­fall 2“. Er be­legt, eben­so wie „Lach­an­fall 1“(den eben­falls Hül­ler er­lei­det), nicht nur den Spaß, den das Team beim Dreh trotz des ho­hen Ar­beits­drucks hat­te. Denn das ge­ra­de­zu un­barm­her­zi­ge Drauf­hal­ten der Ka­me­ra auf ei­ne Sze­ne, die den Darstel­lern ge­ra­de ent­glei­tet, gibt Ein­blick in die Ar­beits­wei­se von Ma­ren Ade. „Sie gibt sich nicht zu­frie­den mit den Sa­chen, die man so auf La­ger hat“, sagt San­dra Hül­ler über die Zu­sam­men­ar­beit. „Sie war­tet so lan­ge, bis et­was wirk­lich neu ent­steht.“Da­mit er­klärt Ma­ren Ade auch ih­re Me­tho­de, Sze­nen oft zu wie­der­ho­len: Sie ma­che dies, „da­mit sich vor der Ka­me­ra et­was er­gibt“, sagt die aus Karlsruhe stam­men­de Fil­me­ma­che­rin im In­ter­view. Pe­ter Si­mo­ni­schek, Darstel­ler der Ti­tel­fi­gur und des Va­ters von Ines Con­ra­di, for­mu­liert es so: „Es geht um ei­nen Mo­ment der Wahr­haf­tig­keit, des Nicht­ge­spiel­ten.“Da­zu ge­hö­re auch, dass der Film sich nicht auf Po­in­ten „drauf­set­ze“. Dar­in sieht Si­mo­ni­schek „gro­ßen Re­spekt vor der Auf­merk­sam­keit des Zu­schau­ers“, der da­zu füh­re, dass er sich beim Be­trach­ten des Films wohl­füh­le – „so wie beim Le­sen ei­ner No­vel­le von Tsche­chow, der auch nichts be­ur­teilt und sich nicht auf­drängt.“

An­ek­do­ti­sche Ein­bli­cke gibt es auch, et­wa wenn Si­mo­ni­schek la­chend er­zählt, man ha­be für To­ni Erd­manns Wischmopp-Pe­rü­cke min­des­tens 100 Pe­rü­cken pro­biert – „und dann die zwei­te ge­nom­men.“Da­mit ist das Bo­nus­ma­te­ri­al weit­ge­hend er­schöpft. Zwar gibt es noch „Out­ta­kes“, doch die sind kei­ne gan­zen Sze­nen, son­dern ein Pot­pour­ri an Ver­spre­chern und Lach­an­fäl­len, zu­sam­men­ge­schnit­ten wie ein pop­pi­ger Mu­sik­clip. An­ge­sichts von 100 St­un­den ge­film­tem Ma­te­ri­al und der Aus­sa­ge von San­dra Hül­ler, es sei­en so vie­le Ver­sio­nen ge­dreht wor­den, dass sie selbst erst im fer­tig ge­schnit­te­nen Film ge­se­hen ha­be, was für ei­ne Fi­gur ih­re Ines nun ge­wor­den ist, wä­re da mehr vor­stell­bar.

An­de­rer­seits: In ers­ter Li­nie geht’s bei ei­ner DVD-Ver­öf­fent­li­chung ja um den Film, und da gibt es bei „To­ni Erd­mann“(mit Au­dio­kom­men­tar von Ade, Hül­ler und Si­mo­ni­schek) nichts zu mä­keln. Zu­mal es neue Nach­rich­ten aus dem Os­carRen­nen gibt: Dank ei­nes recht­zei­ti­gen Ki­no­starts in den USA er­füllt der Film die Kri­te­ri­en, um nicht nur als „Bes­ter fremd­spra­chi­ger Film“, son­dern so­gar als „Bes­ter Film“no­mi­niert zu wer­den. Und wer „To­ni Erd­mann“lie­ber auf der Ki­n­o­lein­wand sieht: 25. De­zem­ber, 18.50 Uhr, Schau­burg Karlsruhe und 26. De­zem­ber, 21 Uhr, Kom­mu­na­les Ki­no Pforz­heim. An­dre­as Jütt­ner

ÜBER 100 PE­RÜ­CKEN PRO­BIERT: Das Er­schei­nungs­bild von To­ni Erd­mann (dar­ge­stellt von Pe­ter Si­mo­ni­schek) wirkt zu­fäl­lig, ist aber ge­nau ge­plant. Foto: dpa

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